POLITIK
12/02/2018 18:38 CET | Aktualisiert 13/02/2018 08:36 CET

Legendäre Watergate-Journalisten: Trump verhält sich genau wie Nixon

Für Nixon nahm sein Justizskandal kein gutes Ende – und für Trump?

Getty
Begeht Donald Trump die gleichen Verbrechen wie sein Vorgänger Richard Nixon?
  • Der Watergate-Skandal des republikanischen Präsidenten Nixon war ein einmaliger Vorgang in der US-Geschichte – bis zu Trumps Russland-Affäre
  • Die Journalisten, die damals Nixons Verbrechen aufdeckten, glauben nun: Trump verhält sich wie sein Vorgänger

Zu Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps machte der Talk-Master John Oliver in seiner Sendung “Last Week Tonight” einen Witz.

Er nannte die Russland-Affäre des US-Präsidenten in Anlehnung an den Justizskandal Richard Nixons “Stupid Watergate” – die Watergate-Affäre für Dumme. “Es ist alles wie damals”, erklärte Oliver später in einem Interview, “nur, dass alle Beteiligten sich absolut dumm verhalten.” 

Über ein Jahr später ist aus dem Witz Realität geworden. Tatsächlich scheint sich unter Trump die Geschichte Nixons zu wiederholen: 

► Sowohl in der Watergate- als auch in der Russland-Affäre geht es um den Vorwurf, durch verbrecherische Mittel Informationen über die politische Konkurrenz erlangt zu haben – bei Trump kommt noch die Anschuldigung des Landesverrats durch eine angebliche Zusammenarbeit mit Russland hinzu. 

► Und: Wie auch Präsident Nixon damals beteuert Trump heute vehement seine Unschuld – und schreckt auch nicht davor zurück, die Justiz massiv zu behindern, um seine Sichtweise den USA aufzuzwingen. 

Die legendären Watergate-Enthüllungsjournalisten Bob Woodward and Carl Bernstein schreiben in einem Gastbeitrag für CNN und die “Washington Post” deshalb: Trump agiere genauso rigoros, wie Nixon es vor 45 Jahren tat. 

Was Trump und Nixon gemeinsam haben

“Da sind wir wieder”, beginnt der Beitrag der Journalisten. “Ein mächtiger und entschlossener Präsident legt sich mit einem unabhängigen Ermittler des Justizministeriums an.” 

Zu Nixons Zeit war dieser Ermittler der Harvard-Professor Archibald Cox, heute ist es der Sonderermittler Robert Mueller, der Trumps Russland-Affäre untersucht. 

► Bernstein und Woodward schreiben über Mueller: “Seine Mission ist es, die Einmischung Russlands in die Wahl von 2016 genau zu untersuchen – und all die Verbrechen, die er dabei offenlegt.” 

Trump aber bestehe darauf, dass Muellers Ermittlungen eine Hexenjagd seien, die auch auf unfaire Weise die Finanzen des US-Präsidenten untersuche. 

“Er beschwert sich privat immer wieder über die Ermittlungen”, schreiben Woodward und Bernstein, “und hat Berichten zufolge sogar verlangt, dass Mueller entlassen wird.” 

Mehr zum Thema: Wie Trump die Russland-Ermittlungen sabotiert – und damit durchkommt

“Unheimliche Ähnlichkeiten” 

Noch hat Mueller dieses Schicksal nicht ereilt.

Anders ging es seinem Vorgänger Archibald Cox zu Nixons Zeiten. Cox wurde 1973 auf Geheiß des Präsidenten entlassen, sein Büro wurde vom FBI gestürmt und dessen Inhalt beschlagnahmt

Die Medien sprachen damals vom Saturday Night Massacre. Trump hat mit der Entlassung des ihm unliebsamen FBI-Direktors James Comey gezeigt, dass er zu ähnlich drastischen Maßnahmen bereit ist wie Nixon. 

► Auch die Gerüchte, dass er Sonderermittler Mueller doch noch entlassen könnte, reißen nicht ab. 

“Kein Wunder, dass viele Menschen sich derzeit an das Saturday Night Massacre erinnert fühlen”, schreiben Bernstein und Woodward deshalb. Der Kampf zwischen dem Weißen Haus vor 45 Jahren sei dem, den Trump nun führe, “unheimlich ähnlich”

Die beiden Investigativjournalisten erinnern auch daran, welche Konsequenzen dieser Kampf damals für Nixon hatte: Er musste 1974 zurücktreten. Gut möglich, dass “Stupid Watergate” für Donald Trump das gleiche Ende nimmt. 

(sk)