POLITIK
13/02/2018 18:05 CET | Aktualisiert 13/02/2018 22:05 CET

Trump-Mitarbeiter verprügelte seine Frau – jetzt meldet sie sich zu Wort

Laut US-Präsident Trump hat der Mann eine glänzende Karriere vor sich.

Jonathan Ernst / Reuters
Donald Trump und Rob Porter.
  • Donald Trumps Mitarbeiter Rob Porter wird der häuslichen Gewalt bezichtigt
  • Fotos zeigen seine Ex-Frau Colbie Holderness mit einem blauen Auge

Ein faustgroßer Bluterguß umrahmt Colbie Holderness’ rechtes Auge, grün-gelblich mit purpurnen Sprenkeln entlang der Augenhöhle – es ist ein Anblick, der betroffen macht, auch wenn die Aufnahmen 15 Jahre zurückliegen.

Noch mehr, wenn man bedenkt, wer der Mann ist, der die junge Frau so zugerichtet haben soll: Rob Porter, Holderness’ damaliger Ehemann, war bis vor Kurzem noch einer der Top-Berater von US-Präsidenten Donald Trump.

Porter soll seine beiden Ex-Frauen körperlich misshandelt haben

“Jahrelang habe ich in Angst gelebt, vor seinen Wutausbrüchen und seinen demütigenden Tiraden”, schreibt Holderness in einem Blog in der “Washington Post”, in dem sie auch die Fotos von ihrem blauen Auge veröffentlichte.

Die Ehe mit ihm habe sie ihr Selbstwertgefühl gekostet. “Als ich ihn verlassen habe, war ich nur noch ein Schatten meiner selbst.”

Denn Porter sei nicht von Anfang an gewalttätig gewesen. “Missbrauch geschieht nicht auf einmal – er entwickelt sich langsam. Robs dunkle Seite zeigte sich erst, als wir verheiratet waren”, schreibt Holderness. “Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon drei Jahre zusammen.”

Geschlagen habe er sie nur ein einziges Mal. “Ich glaube er war selbst erschrocken über das, was er getan hatte”, sagte Holderness dem Nachrichtensender CNN

Porter sei derjenige gewesen, der die Fotos von ihrem blauen Auge gemacht habe, berichtet die heute 37-Jährige weiter. Sie habe ihn dazu gezwungen, damit er das Ausmaß seiner Gewalttätigkeit erkenne. 

Stabschef soll von den Vorwürfen gewusst haben

Der Fall Porter hatte in der vergangenen Woche großen Wirbel ausgelöst. Die Affäre um ihn belastet Trumps Stabschef John Kelly, für den der mutmaßliche Gewalttäter als “Assistent für politische Koordination” tätig war.

Nachdem die Vorwürfe der häuslichen Gewalt Anfang Februar publik wurden, sah sich das Weiße Haus gezwungen Porter zu entlassen.

Laut Berichten soll Kelly jedoch schon seit Monaten von den Vorwürfen gegen seinen Mitarbeiter gewusst haben.

► Dass er seine erste Frau, Colbie Holderness, gewürgt, geschlagen und getreten haben und auch seine zweite Ehefrau, Jennifer Willoughby, psychisch und körperlich misshandelt haben soll.

► Einmal habe er sie aus der Dusche gezogen und angeschrien, sagte Willoughby gegenüber dem Nachrichtensender CNN.

► Weiterhin berichtet das US-Medium, Willoughby habe 2010 eine temporäre einstweilige Verfügung gegen Porter erwirkt.

The Washington Post via Getty Images
Rob Porters Ex-Frau Jennifer Willoughby erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen ihn. 

Zwölf demokratische Senatoren haben jetzt in einem Brief vom Weißen Haus konkreten Aufschluss darüber verlangt, wann wer was über die Vorwürfe gegen den Mitarbeiter wusste – und warum er trotzdem so lange auf seinem Posten bleiben durfte.

Berichten zufolge soll das Weiße Haus Porter sogar noch am vergangen Mittwoch zum Bleiben aufgefordert haben, zu einem Zeitpunkt, an dem die Schwere der Vorwürfe spätestens klar sein musste.

Trump: Porter hat eine glänzende Karriere vor sich

Mehr noch: Das Weiße Haus hält es auch nach Porters Entlassung nicht für nötig, sich von ihm zu distanzieren.

In seiner ersten öffentlichen Reaktion auf die Affäre wünschte Präsident Trump Porter alles Gute. Der Mann habe jetzt eine schwere Zeit, aber sicher noch eine glänzende Karriere vor sich. Porter habe im Weißen Haus einen exzellenten Job gemacht, betonte Trump.

Noch am selben Tag musste auch Trumps Redenschreiber David Sorensen seinen Posten wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt aufgeben.

Einen Tag später folgte ein Tweet des US-Präsidenten: “Das Leben von Menschen wird durch eine bloße Anschuldigung zertrümmert und zerstört. Manche sind wahr und manche sind falsch. Es gibt keine Genesung für jemanden, der falsch beschuldigt worden ist – Leben und Karriere sind vorbei. Gibt es nicht länger so etwas wie ein rechtsstaatliches Verfahren?”

Anstatt Solidarität mit den Frauen zu bekunden, die die Missbrauchsvorwürfe gegen seine Mitarbeiter vorgebracht haben, oder zumindest den guten Willen, den Vorwürfen nachzugehen, wies Trump also lieber daraufhin, welche Konsequenzen falsche Anschuldigungen haben können.

Ob er sich dabei auf die gegen Porter, Sorensen, oder sich selbst bezog, lässt der Tweet offen. Denn zur Erinnerung: Mindestens 16 Frauen werfen dem US-Präsidenten sexuelle Belästigung und Übergriffigkeit vor.

Mit Material der dpa.

(ks)