POLITIK
09/01/2018 17:33 CET | Aktualisiert 11/01/2018 10:41 CET

Welchen Schaden linksliberale Medien mit falschen Attacken auf Trump anrichten

Wut macht blind.

Jonathan Ernst / Reuters
Jeder Kritik würdig, solange sie wahr ist: US-Präsident Donald Trump
  • Donald Trump ist eine wandelnde Zielscheibe für Kritik – oft und größtenteils zu Recht
  • Doch in ihrem Eifer und ihrer Wut schießen einige US-Journalisten über das Ziel hinaus – und spielen Trump so in die Hände

Michael Wolff ist dieser Tage der gefragteste Gast in den Talk-Sendungen der USA. Der Autor des Trump-Enthüllungsbuches “Fire and Fury” hat das ganze Land mit seinen pikanten Insider-Berichten aus dem Weißen Haus in helle Aufruhr versetzt. 

Am Montagabend saß Wolff so in der Sendung der NBC-Journalistin Katy Tur – und sagte dort einen bemerkenswerten Satz über den Inhalt seines Buches: “Wenn es wahr klingt, dann ist es es auch wahr.”  

► Es ist aus journalistischer Sicht ein fataler Satz. Denn was Wolff eigentlich sagt, ist: “Wenn ich will, dass es wahr ist, dann ist es auch wahr.” 

Ein blamables Eingeständnis, das zeigt, dass die Wahrheit und gute Recherche für Wolff weniger wichtig sind als sein Bemühen, Donald Trump und dessen Regierung bloßzustellen. 

Wulff gibt offen zu, das genau dies sein Ziel war. Er sagte vor wenigen Tagen: “Mein Buch wird dazu beitragen, dass Donald Trump gestürzt wird.”

Es ist eine Einstellung, die dem Journalismus in den USA massiv schadet – und die nicht nur Trump in die Hände spielt, sondern auch das politische System in den USA gefährdet. 

Mehr zum Thema: Wie liberale US-Medien versuchen, Donald Trump loszuwerden – und rechte Medien ihn retten wollen

Wut macht blind

Dabei agieren die meisten Journalisten in den USA mehr als seriös.

Die “New York Times”, die “Washington Post” und auch Sender wie CNN, ABC, MSNBC oder NBC werden in der Auseinandersetzung mit Trump ihrem guten Namen gerecht. 

Doch die Meinungsspalten und -sendungen dieser Medien schäumen über vor Wut. Und so berechtigt diese ob vieler von Trumps Taten ist – es ist eine Wut, die bisweilen Fehler verursacht.  

► Da ist etwa der Fall des renommierten ABC-Journalisten Brian Ross. Am Tag der Verhaftung von Trumps Ex-Berater Michael Flynn behauptete dieser im Fernsehen, der US-Präsident selbst habe Flynn angewiesen, mit russischen Regierungsmitarbeitern Kontakt aufzunehmen. 

Es wäre der Beweis für Trumps Landesverrat gewesen. Doch es war eine Fehlinformation, die Ross nicht hinreichend überprüft hatte – er wurde für einen Monat suspendiert. 

► Ein weiteres Beispiel ist CNN. Schon drei Mal musste der Sender Recherchen über Trump korrigieren, die sich als falsch heraus stellten. Nach einem Artikel, der einem Trump-Vertrauten Kontakte mit russischen Geschäftsmännern unterstellte, verließen sogar drei Investigativ-Journalisten den Sender.

► Der letzte Fall eines Journalisten, der bei einem Versuch, Trump bloßzustellen, über das Ziel hinausschoss, ist der von David Weigel. Der Reporter der “Washington Post” machte sich auf Twitter über die angeblich mickrige Menge von Zuschauern bei einer Trump-Veranstaltung in Florida lustig. 

Tatsächlich war die Halle brechend voll, das von Weigel geteilte Foto war aufgenommen worden, bevor die Menschen die Halle betraten. Der Journalist löschte seinen Tweet – und musste sich öffentlich entschuldigen. 

Gefundenes Fressen für Trump

Fehler passieren, auch im Journalismus. 

Alle der oben genannten Journalisten mussten für ihre Verfehlungen die Konsequenzen tragen. 

Das Problem ist: Trump und seine Anhänger verzeihen keinen einzigen Fehltritt. Es spielt dabei keine Rolle, dass der US-Präsident am laufenden Band lügt. Oder, dass der trumpophile Sender Fox News im Propaganda-Stil des russischen Staatsfernsehens über den Regierungschef berichtet. 

Denn jeder Fehler eines seriösen US-Journalisten bestärkt Trumps Narrativ von den “Fake-News-Medien” als Feinde des Volkes, die sich angeblich gegen ihn verschworen haben.

Aus einem einzelnen Fehler ergibt sich für den Präsidenten so ein Argument dafür, jeden weiteren Bericht der “New York Times”, der “Washington Post” oder von CNN in Zweifel zu ziehen. 

➨ Mehr zum Thema: Die US-Medien führen einen Erschöpfungskampf gegen Donald Trump – sie können ihn nicht gewinnen

Absurdes Spiel mit der Wahrheit

Trump verfolgt damit ein Ziel: Er will erreichen, dass es in den USA nur noch eine Wahrheit gibt – und zwar seine.

Es ist ein autokratisches Vorhaben, ein Versuch, die Meinungsfreiheit in den Vereinigten Staaten obsolet zu machen. Indem jede Trump unliebsame Meinung als Lüge dargestellt wird. Und jede seiner Meinungen als Fakt

Ein verführerisches Konzept, auf das nun in umgekehrter Variante auch die erklärten Kritiker des US-Präsidenten zurückzugreifen scheinen. Kritiker wie Michael Wolff, dem nun begründet vorgeworfen wird, sein Buch unsauber recherchiert und mit Halbwahrheiten aufgeplustert zu haben.

“Fire and Fury” enthält womöglich mehr Klatsch und Tratsch aus dem Weißen Haus, als harte und belastbare Fakten, schreibt die US-Nachrichtenseite “Vox”

Wolff hat damit allen Journalisten in den USA einen Bärendienst erwiesen, die Trumps absurdes Spiel mit der Wahrheit nicht mitspielen wollen – und gleichzeitig dafür gesorgt, dass der US-Präsident weiter dabei ist, dieses Spiel zu gewinnen. 

(ll)