ELTERN
23/01/2018 18:26 CET

Trotz Verhütungs-App: 37 Schwedinnen werden ungewollt schwanger

Experten zweifeln schon lange an der Zuverlässigkeit der Kalender- und Temperaturmethode.

NataliaDeriabina via Getty Images
In Schweden sind 37 Frauen trotz der Verhütungs-App "Natural Cycles" ungewollt schwanger geworden.
  • “Natural Cycles” ist eine App, die Frauen dabei helfen soll anhand der Körpertemperatur ihren Zyklus zu verfolgen
  • So wissen die Nutzerinnen, wann sie theoretisch ungeschützten Sex haben können
  • Nun sind 37 Frauen ungewollt schwanger geworden – und haben abgetrieben

Sogenannte Zyklus-Apps versprechen eine natürliche Art der Verhütung – ohne Nebenwirkung, wie sie etwa bei der Pille auftreten. Wie unsicher die Methode ist, zeigen nun Zahlen aus Schweden.

Zwischen September und Dezember 2017 waren ungewöhnlich viele Frauen für eine Abtreibung in das Krankenhaus Södersjukhuset in Stockholm gekommen, berichtet das österreichisches Nachrichtenportal “kurier.at”.

► Heikles Detail dabei: 37 der 668 dieser Frauen haben die App “Natural Cycles” zur Verhütung benutzt.

Die App basiert auf der Auswertung von Kalenderdaten sowie der Körpertemperatur, die ein wohl getesteter Algorithmus vornimmt.

Kalender- und Temperaturmethoden sind überholt

► Bereits seit Jahrzehnten gelten Verhütungs-Methoden, die auf diesem System beruhen laut einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” als unzuverlässig

Umso erstaunlicher ist es, dass die App sogar ein TÜV-Siegel als zuverlässiges Verhütungsmittel erhalten hat, wie es in dem Artikel des “Kurier” heißt. 

Geholfen haben offensichtlich weder die Tests der Entwickler noch das TÜV-Siegel.

Über 600.000 Frauen weltweit benutzen “Natural Cycles”

Trotzdem haben über 600.000 Menschen die App weltweit installiert.

Wie viele Nutzerinnen der App “Natural Cycles” tatsächlich ungewollt schwanger geworden sind, ist nicht bekannt. Selbst die Zahlen in Schweden zeigen schließlich nur die Fälle, in denen sich Frauen auch für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben. 

► Die Betreiber der App verteidigen die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und erklären sie mit eben dieser hohen Zahl an Nutzerinnen. Immerhin habe ihr Produkt einen Pearl Index von sieben. Das bedeutet, die App sei zu 93 Prozent effektiv.

Immer mehr Frauen wollen bei der Verhütung auf Hormone verzichten

Der Trend bei der Verhütung geht zunehmend weg von hormonellen Methoden. 45 Prozent der Paare in Deutschland greifen zum Kondom – womöglich auch wegen Nebenwirkungen hormoneller Mittel. Das erklärt auch den Erfolg von Verhütungs-Apps.

► Aber: Es gibt mittlerweile jedoch zahlreiche sichere Alternativen, die ebenfalls auf Hormone verzichten wie etwa hormonfreie Spiralen.

Den betroffenen Anwenderinnen von “Natural Cycles” nützt dies allerdings nichts mehr. 

Mehr zum Thema: 13 Dinge, die Männer über schwangere Frauen wissen müssen 

 

(cho)