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30/01/2018 14:33 CET | Aktualisiert 30/01/2018 14:33 CET

"Tätowierer von Auschwitz": Buch enthüllt, was er den Wärtern verschwiegen hat

“Er behielt sein Geheimnis in dem irren Glauben, dass er etwas verbergen musste, für sich.”

  • Ludwig “Lale” Eisenberg ist 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz verschleppt worden
  • Dort kümmerte er sich um die anderen Häftlinge – die Wärter bekamen davon nichts mit

Ludwig “Lale” Eisenberg war Jude. Als die Nazis 1942 in seinen Heimatort in der Slowakei einfielen, machte er daraus kein Geheimnis. Die Folge: Der junge Mann wurde in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau in Polen gebracht. Fortan war er nicht mehr Ludwig “Lale” Eisenberg, sondern Nummer 32407. Denn: Jeder Gefangene erhielt in dem KZ eine Zahlenkombination.  

Eisenberg selbst tätowierte Hunderttausenden anderen Gefangenen ihre Nummer auf den Arm. Das brachte ihm den Spitznamen “Der Tätowierer von Auschwitz” ein.

Auschwitz survivor displays tattoo detail

So sahen die Tätowierungen aus, die Gefangene in Konzentrationslagern erhielten

Er hat schreckliche Dinge gesehen und am eigenen Leib erfahren müssen. Und er hatte ein gut gehütetes Geheimnis, das er auch 50 Jahre nach seiner Befreiung noch für sich behielt. 

Bis seine Ehefrau Gita starb.

Danach traf er sich mit Heather Morris, einer Bekannten seiner Familie. Drei Jahre redeten die beiden, Morris schrieb im Anschluss ein Buch über Eisenbergs Geschichte. In dem Werk “Der Tätowierer von Auschwitz” verrät sie auch, was er jahrelang an den Wärtern des Vernichtungslagers vorbei schmuggelte. 

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Die Wärter bekamen nicht mit, was Eisenberg hinter ihren Rücken machte

“Er behielt sein Geheimnis in dem irren Glauben, dass er etwas verbergen musste, für sich”, erzählt Morris dem britischen Sender BBC. Dabei tat er nichts Schlimmes, im Gegenteil. Er sorgte dafür, dass ein anderer Mensch ein besseres Leben in dem schrecklichen Gefängnis hatte: seine spätere Frau Gita. 

Denn auch Gita war dort gefangen – im angrenzenden Frauenlager Birkenau. Im Juli 1942 sah er sie das erste Mal. Er sollte ihr die Ziffer 34902 auf den Arm tätowieren.

Jahre später erzählte Eisenberg seiner Biografin Morris, dass er in diesem Moment nicht nur eine Nummer auf ihren Arm tätowierte. Sondern sie auch gleichzeitig ihre Nummer in sein Herz brannte. Eisenberg verliebte sich in Gita.

In Morris’ Buch steht, dass er auf sie aufpasste, ihr Extra-Rationen Essen brachte und ihr sogar einen besseren Job im Camp besorgte. 

Er versuchte, ihr Hoffnung zu geben. “Sie sah keine Zukunft mehr. Aber er, tief drinnen, wusste, dass er überleben würde”, sagt Morris BBC. 

Auch anderen Häftlingen wollte er Mut machen.

Er verhandelte mit den Anwohnern im Dorf und besorgte Gitas Mitinsassen und den Roma-Familien mehr Essen. Dafür gaben sie ihm Schmuck und Diamanten. 

Er wartete wochenlang am Bahnhof

1945 ließen die Nazis einige Gefangene gehen, kurz bevor die Russen das Camp erreichten. Unter ihnen war auch Gita. Mehr als ihren Namen - Gita Fuhrmannova - kannte Eisenberg nicht. Er hatte keine Ahnung, wo die Liebe seines Lebens herkam und wohin sie gehen würde. Auch Eisenberg kam frei – zuvor klaute er noch Schmuck von den Nazis, der ihm den Weg in seine slowakische Heimat ermöglichte. 

Mit einem Pferd und einem Wagen fuhr er anschließend nach Bratislava. Die Hauptstadt der Slowakei galt als Dreh- und Angelpunkt für viele Freigelassene. Er wartete Wochen am Bahnhof. Und irgendwann fand er seine Gita genau dort wieder. 

► Sie heirateten 1945 und änderten ihrer beider Nachnamen in Sokolov um.

► Die beiden wanderten nach Melbourne aus und bekamen einen Sohn.

► 2003 starb Gita Sokolev, ihr Mann Lale folgte ihr 2006. 

(jds)