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14/01/2018 15:16 CET | Aktualisiert 14/01/2018 17:27 CET

Organspende: Judith Rakers richtet besorgten Appell an die Deutschen

“Von mir könnt ihr alles haben, wenn es mich erwischt.”

ullstein bild via Getty Images
Weniger als 800 Menschen aus Deutschland spendeten im vergangenen Jahr Organe.
  • Weniger als 800 Deutsche spendeten im vergangenen Jahr Organe
  • “Was wollt ihr bloß machen mit dem ganzen Zeug, wenn ihr sterbt?”, fragt “Tagesschau”-Moderatorin Judith Rakers 

Judith Rakers ist besorgt. In einem Facebook-Post schreibt die “Tagesschau”-Moderatorin, die Zahl der Organspender in Deutschland sei so niedrig wie schon seit 20 Jahren nicht mehr.

Rakers selbst trägt ihren Organspendeausweis schon seit 25 Jahren mit sich, schreibt sie – und appelliert an die Menschen, Organe zu spenden, um damit Leben zu retten. “Von mir könnt ihr alles haben, wenn es mich erwischt”, schreibt sie.

“Ich würde so gern auch auf euch setzen können!!! Stellvertretend für alle, die dringend auf ein neues Organ warten.”

“Was wollt ihr bloß machen mit dem ganzen Zeug, wenn ihr sterbt? Alles vergammeln lassen, obwohl es Leben retten könnte?”, fragt die Moderatorin ganz direkt auf ihrer Facebook-Seite.

Rückgang von sieben Prozent bei Organspenden

Weniger als 800 Menschen spendeten im vergangenen Jahr nach Statistiken der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ihre Organe, 797, um genau zu sein. “Das darf nicht sein”, schreibt Rakers. “Es sterben Menschen da draußen - auch weil es immer noch Vorbehalte gegen das Organspenden gibt.”

Die Entwicklung der Organspenderzahlen in Deutschland war 2017 allerdings regional sehr unterschiedlich. Während neben Bayern auch Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland eine Zunahme der Spender verzeichneten, ging der Bundestrend generell zurück.

Da einem Spender mehrere Organe entnommen werden können, meldete Deutschland 2017 laut DSO insgesamt 2594 Nieren, Lebern, Lungen oder Herzen an die internationale Vermittlungsstelle Eurotransplant. 2016 waren es noch 2867 Organe.

Spanien führend, Deutschland international unten

Im internationalen Vergleich sei Deutschland bisher im unteren Mittelfeld gewesen, sagt Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO. Jetzt aber stünde Deutschland im Vergleich fast hinter allen anderen westeuropäischen Ländern. 

Weltweit führend im Bereich Organspende ist nach eigenen Angaben Spanien mit 46,9 Spendern pro eine Million Einwohner im Jahr. Dort gilt die Widerspruchslösung: Menschen müssen es explizit dokumentieren, wenn sie gegen eine Organentnahme nach ihrem Tod sind. 

In Deutschland dagegen gilt die Entscheidungslösung. Um die persönliche Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende zu dokumentieren, erhalten die Versicherten den Organspendeausweis mit den Informationsmaterialien. Die Entscheidung für oder gegen eine Organspende ist freiwillig. 

(jds)