POLITIK
21/12/2017 18:31 CET | Aktualisiert 21/12/2017 18:59 CET

Ost-Ghouta: Das Foto dieses syrischen Babys geht um die Welt

Der Krieg in Syrien ist noch lange nicht vorbei – und er fordert weiter grausam seine Opfer.

Anadolu Agency via Getty Images
Das Bild des kleinen Karim wurde am 4. Dezember aufgenommen.
  • Das Foto des kleinen syrischen Babys Karim geht um die Welt
  • Der Junge verlor bei einem Luftangriff auf Ost-Ghouta sein Auge

Nur wenige Wochen ist das Baby auf dem Foto alt. Eine rote Daunenjacke hält es warm. Sein Körper liegt im Dunklen, nur der kleine Kopf ragt ins Licht. 

So ist für jeden deutlich die rote Narbe zu sehen, die sich quer über sein Gesicht zieht. Dort, wo das Auge des kleine Karim Abdallah sein sollte, ist nur verbranntes Fleisch.

Ein Granatsplitter sei in sein Auge eingedrungen – und durchbohrte seinen Schädel, berichtet die “Bild”.

Ein Luftschlag der Armee des syrischen Machthabers Baschar al-Assad nahm Karim nicht nur ein Auge. Sondern auch seine Mutter.

Seither ist das Bild des kleinen Jungen zum Symbol geworden – und hat eine weltweite Kampagne ausgelöst.

Hilflos ausgeliefert

Karim Abdallah lebte mit seiner Mutter in der belagerten Rebellenenklave Ost-Ghouta nahe Damaskus. 400.000 Menschen sind hier den Angriffen der syrischen Regime-Truppen ausgeliefert.

dpa
Das Foto zeigt einen Luftangriff am 25. September auf Ost-Ghouta.

Seit fünf Jahren wird Ost-Ghouta belagert. Es fehlt es an Essen und Trinken. Die Bilder abgehungerter Kinder gehen um die Welt – doch das Bombardement nimmt kein Ende und die humanitäre Katastrophe hält an. 

“Das Leben unter der Belagerung ist die Hölle”

Unerträglich nannte UN-Nothilfekoordinator Jan Egeland Ende November die Situation. Nur einige tausend Menschen hätten bisher versorgt werden können.

“Das Leben unter der Belagerung ist die Hölle”, sagte der Vater des kleinen Jungen Karim der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

Nun ist das Baby mit dem einem Augen zum Symbol für den Überlebenskampf der Menschen in Ost-Ghouta geworden.

Mehr zum Thema: Volle Straßen, fleißiger Wiederaufbau: Das steckt hinter den Berichten, dass Syrien wieder sicher ist

Fotograf in Ghoutan: “Das Foto hat mich verfolgt”

Unter dem Hashtag #SolidarityWithKarim (#SolidaritätMitKarim) teilen Menschen aus Syrien und der ganzen Welt Fotos von sich. Ein Auge decken sie mit einer Hand zu – aus Verbundenheit mit Karim.

“Das Ziel der Kampagne ist es, dem Baby, das sein Auge und seine Mutter verloren hat, eine Stimme zu geben”, sagt der Amer Almohibany der Nachrichtenagentur AFP.

Er hat das mittlerweile berühmte Foto von Karim gemacht. “Es hat mich verfolgt”, sagt er über den traurigen Anblick des versehrten Kindes. 

► Mittlerweile posten tausende Menschen ein Foto von sich in den sozialen Netzwerken – mit einer Hand über dem Auge.

Anadolu Agency via Getty Images
Syrische Kinder, die in die Türkei geflohen sind.
Anadolu Agency via Getty Images
Ein Kind in Ost-Ghouta.

Auch der britische Diplomat Matthew Rycroft beteiligte sich kürzlich an der Kampagne. Auf Twitter teilte er ein Bild von sich und machte auf die Situation von Karim aufmerksam.

“Wir sitzen hier im UN-Sicherheitsrat herum und warnen davor, dass Untätigkeit mehr Menschen das Leben kosten wird. Mehr Schulen werden bombardiert. Mehr Kinder verängstigt”, schrieb Rycroft.

Ein Ende des syrischen Bürgerkriegs ist nicht in Sicht

Mit dem Foto des kleinen Karim hat der syrische Bürgerkrieg ein weiteres ikonisches Foto eines Kindes hervorgebracht.

2016 ging das Bild des Staub bedeckten Omran um die Welt, der nach einem Bombenangriff in Aleppo in einem Krankenwagen saß.

2015 lag der damals dreijährige Aylan tot an einem Strand an der türkischen Küste. Sein Foto zeigte, wie lebensgefährlich die Flucht aus Syrien ist.

Nun macht das Foto des kleinen Karim einmal mehr das Grauen des syrischen Bürgerkriegs deutlich. Seit sieben Jahren toben die Gefechte – und noch immer fallen Bomben, hungern und sterben Menschen.

Ein Ende ist nicht in Sicht.

Mehr zum Thema: Wer glaubt, der Krieg in Syrien gehe ihn nichts an, sollte die Fotos dieses Babys sehen

Wenn ihr den Menschen in Syrien helfen wollt, könnt ihr hier an Ärzte ohne Grenzen oder hier an die UNO-Flüchtlingshilfe spenden.

(jg)