POLITIK
08/02/2018 21:23 CET | Aktualisiert 08/02/2018 21:54 CET

Stundenlanges Schweigen: Wie die SPD sich die wichtigsten Ministerien sicherte

Die SPD führte einen Zermürbungskampf, irgendwann rastete ein CDU-Mann aus.

Hannibal Hanschke / Reuters
Seehofer, Merkel, Schulz.
  • Die SPD hat sich in den Koalitionsverhandlungen mit einer knallharten Sturkopf-Taktik wichtige Ministerien gesichert
  • Irgendwann soll CDU-Fraktionschef Kauder die Nerven verloren haben

Es war ein erstaunlicher Verhandlungserfolg, mit dem SPD-Chef Martin Schulz am Mittwochnachmittag aufwarten konnte. Die Sozialdemokraten hatten sich nicht nur erneut  Arbeits– und Außenministerium, sondern auch das Finanzministerium gesichert.

Einen Tag später, am Donnerstag, dringen immer mehr Einzelheiten darüber an die Öffentlichkeit, wie Schulz der Union die wichtigen Posten abringen konnte. 

1. Eine neue Taktik

Wie die “FAZ” berichtet, habe die SPD am Ende der Verhandlungen plötzlich ihre Taktik gewechselt. Statt wie in den Tagen zuvor weiter Inhalte, wie die Zwei-Klassen-Medizin nachzuverhandeln, habe die SPD plötzlich begonnen, auf die Ressort-Verteilung zu pochen.

“Minister suchten Schlaf auf dem harten Boden der Vorstandsetagen im Konrad-Adenauer-Haus oder fuhren mitten in der Nacht zum Duschen ins Ministerium”, schreibt die “FAZ”

► Die SPD führte einen Zermürbungskampf. 

2. Stundenlanges Schweigen

In der letzten Nacht lagen die Nerven blank. Vor allem bei der CSU.

CSU-Chef Horst Seehofer erklärte am Sonntag: “Wir hätten das Finanzministerium genommen, das war unsere erste Priorität.“

Und weiter: “Wir hätten das Außenministerium genommen, wir hätten das Sozialministerium genommen. Die SPD hat aber sehr darauf beharrt, von vorne herein, dass sie diese drei Ministerien will.“

Die Verhandlungen waren festgefahren.

► Stundenlang sei nicht gesprochen worden, erklärte Horst Seehofer später. Er habe nicht gewusst, dass Menschen so lange schweigen könnten.

Irgendwann habe sich die CSU-Delegation zurückgezogen. Man habe sich entschieden. das Innenministerium zu nehmen.  In der SPD heißt es: Die CSU sei ein harter Brocken gewesen, der Kompromiss mit der CDU sei dagegen leicht zu erzielen gewesen.

3. Volker Kauder rastete aus

Eine anderer Medienbericht bestätigt diese Darstellung. 

Druck auf die CSU sei irgendwann nicht nur von der SPD gemacht worden, sondern auch von der CDU, heißt es in der “Süddeutschen Zeitung”. Fraktionschef Volker Kauder sei irgendwann gar ausgerastet.

Florian Gaertner via Getty Images
Kauder verlor die Fassung.

Kauder habe einen CSU-Mann angeschrien, wenn die Bayern nicht endlich von ihrer harten Haltung abrückten, “würde er rausgehen und sagen, die Koalitionsverhandlungen seien an der CSU gescheitert”, schreibt die “SZ”.

► Die SPD-Blockade hatte Wirkung gezeigt.