ELTERN
25/01/2018 08:21 CET | Aktualisiert 25/01/2018 12:12 CET

Studie: Kaiserschnitt erhöht Risiko einer späteren Fehlgeburt

Oft ist diese Art der Geburt medizinisch auch nicht nötig – und Langzeitfolgen sind nicht eingehend besprochen.

aywan88 via Getty Images
Ein Baby ist wundervoll – aber die Geburt macht manchen Müttern Angst.
  • Forscher wollen Mütter helfen, dass sie die Vor- und Nachteile eines Kaiserschnitts besser abwägen können
  • Die operative Geburt kann zu Problemen in der Zukunft führen, jedoch andere auch mindern

Weltweit nimmt die Zahl der Kaiserschnitte zu. Bessere Planbarkeit für die Mutter, ein geringes unmittelbares Risiko sprechen offenbar dafür.

Wissenschaftler haben nun eine umfassende Auswertung von Studien zu den physischen Langzeitfolgen von Kaiserschnitten im Vergleich zu vaginalen Geburten gemacht. 

Die Zahlen zeigen: Langfristig können Kaiserschnitte die Familienplanung nachhaltig beeinflussen. Denn das Risiko von Fehl- und Totgeburten sowie von Komplikationen rund um die Plazenta steigen.

Die Informationen sollen begründete Entscheidungen über die Art der Entbindung ermöglichen und eine angemessene, individuelle Planung der Geburt erleichtern, schreiben die Forscher im Fachblatt “Plos Medicine”.

Zahl der Kaiserschnitte nimmt zu

Denn Fakt ist:  In Westeuropa betrug die Kaiserschnitt-Rate im Jahr 2016 24,5 Prozent, berichten die Forscher um Oonagh Keag vom Royal Infirmary of Edinburgh. In Nord- und Südamerika habe sie mit 32, beziehungsweise 41 Prozent noch deutlich darüber gelegen.

►  In Deutschland hat sich nach Angaben des Statistischen Bundesamts der Anteil der Kaiserschnitte an den Geburten zwischen 1991 und 2016 verdoppelt: Die Rate stieg von 15,3 auf 30,5 Prozent.

Mehr zum Thema: 5 Vorurteile über Kaiserschnitt-Mütter, die so nicht stimmen!

Die unterschiedlichen Gründe für den Eingriff

Ärzte entscheiden sich oftmals für einen Kaiserschnitt, wenn Komplikationen bei der Geburt auftreten.

►  Viele Kaiserschnitte sind medizinisch aber nicht notwendig, sie werden etwa auf Wunsch der Mutter durchgeführt, weil diese zum Beispiel Angst vor der Geburt und deren Folgen oder vor Komplikationen beim Baby hat.

► Manche Ärzte sind auch aufgrund der besseren Planbarkeit für einen Kaiserschnitt offen.

Langzeitfolgen werden oft weniger diskutiert – sie sind aber wichtig

Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts wie Infektionen oder eine Thrombose seien zumindest in der westlichen Welt minimal, die Frauen seien darüber zumeist informiert, schreiben die Wissenschaftler.

Anders sehe es mit den Langzeitfolgen aus. Diese würden mit den Frauen zumeist weniger häufig diskutiert, es gebe auch nur wenige aussagekräftige Studien zu dem Thema.

Die Forscherinnen durchsuchten nun die vorhandene wissenschaftliche Literatur und fassten die einzelnen Ergebnisse zusammen. Insgesamt werteten sie Daten von fast 30 Millionen Frauen aus.

►  Für die Mütter ging ein Kaiserschnitt demnach auf lange Sicht mit einem geringeren Risiko einer Harninkontinenz und eines Beckenvorfalls einher, also dem Absenken verschiedener Bauchorgane durch die Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur nach der Geburt.

►  In nachfolgenden Schwangerschaften müssten Frauen nach einem Kaiserschnitt allerdings mit einem leicht erhöhten Risiko einer Fehl- oder Totgeburt rechnen.

► Außerdem steige die Gefahr von Problemen rund um die Plazenta, darunter eine Fehllage der Planzenta, Haftungsstörungen oder die vorzeitige Ablösung, berichten die Forscherinnen weiter.

Das könnte euch auch interessieren: Sie hat ihr Baby verloren - mit diesen Fotos macht eine junge Frau anderen Betroffenen Mut

Auch Kaiserschnitt-Babys wurden untersucht

Sie untersuchten für ihre Studie auch die Langzeitfolgen für die per Kaiserschnitt geborenen Babys.

►  Diese hatten bis zum Alter von 12 Jahren ein erhöhtes Risiko für Asthma und bis zum Alter von 5 Jahren ein erhöhtes Risiko, starkes Übergewicht zu entwickeln.

► Was das für werdende Mütter bedeutet

Bei der Entscheidung über die Geburtsmethode sollten die Vor- und Nachteile gründlich abgewogen werden, schreiben die Wissenschaftlerinnen. Ihre Daten könnten dabei hilfreich sein.

Allerdings beruhten die Ergebnisse größtenteils auf Beobachtungsstudien. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und den festgestellten Langzeitfolgen sei damit nicht gesichert, schränken sie ein. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Ergebnisse abzusichern.