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04/01/2018 10:52 CET | Aktualisiert 05/01/2018 10:49 CET

Mietsteigerung um 75 Prozent: Fall aus Berlin zeigt, wie unmenschlich der Wohnungsmarkt ist

Vor allem viele ältere Mieter leiden unter der Erhöhung.

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Häuser in Berlin-Spandau
  • Der deutsche Mietmarkt ist völlig aus dem Ruder gelaufen
  • Ein Fall aus Berlin zeigt, was auf viele Mieter noch zukommt

In deutschen Städten regiert der Wahnsinn – der Mietwahnsinn. 

Der Grund: In Deutschland fehlen hunderttausende Wohnungen. Die Folge: Die Mieten steigen und steigen. 

In Berlin sorgt jetzt ein besonders krasser Fall für Aufregung, über den der “Tagesspiegel” berichtet

Im Stadtteil Spandau haben 43 Mieter ausgerechnet kurz vor Weihnachten eine Modernisierungsankündigung des neuen Hauseigentümers bekommen – und die soll saftig kosten. 

Viele ältere Mieter werden keine neue Wohnung finden

Einer der Mieter aus Spandau, den der “Tagesspiegel” nennt, ist Stephan Swiatek. Er hatte mit seiner Familie nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Euro in die Modernisierung der Wohnung investiert.

Jetzt soll seine Warmmiete von 913 auf 1592 Euro steigen, weil auch der Eigentümer noch weitere Sanierungen vornehmen will. 

Insgesamt sind laut “Tagesspiegel” 5 Häuser von diesen Modernisierungen betroffen. 

“Das ist wirklich tragisch, aber wir können nichts tun”, klagt CDU-Baustadtrat Frank Bewig gegenüber der Zeitung. Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, spricht von einer Art “Rauswurf”. 

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Bald könnte ein ganzer Häuserblock betroffen sein

Das ist besonders für die älteren Mieter hart, die sich neue, teure Wohnungen in Berlin mit ihren niedrigen Renten kaum leisten können. 

In Spandau ziehen deshalb erste Mieter aus. Inzwischen droht den Bewohnern eines ganzen Häuserblocks dasselbe Schicksal.

Das ist besonders vor dem Hintergrund absurd, dass die Regierung in Berlin sich auf die Fahnen geschrieben hat, den Mietmarkt in der Stadt zu entspannen und auch Einkommensschwachen eine Chance auf dem Wohnungsmarkt zu geben. 

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Doch die Probleme bestehen nicht nur in Berlin:

► Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Verbändebündnisses Wohnungsbau der Bau- und Immobilienbranche kann sich in den sieben Städten mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt eine Familie mit einem mittlerem Einkommen von 2168 Euro netto nur weniger als 70 Quadratmeter leisten.

Das betrifft Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

► Laut Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) müssten jedes Jahr in Deutschland 350.000 Wohnungen gebaut werden. Im vergangenen Jahr waren es nicht einmal 280.000.

► Schlimmer noch: Wenn gebaut wird, sind es oft Luxusapartments für Besserverdiener. Weil hier die Rendite stimmt. Vergangenes Jahr entstanden 70.000 Eigentumswohnungen, aber nur 25.000 Sozialwohnungen deutschlandweit.

► Der Deutsche Städtetag schätzt jedoch, dass es bis zu 120.000 Sozialwohnungen brauche – und das pro Jahr.

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(jg)

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