LIFESTYLE
02/02/2018 14:15 CET | Aktualisiert 02/02/2018 15:38 CET

Stanford-Forscher wollen einen "Impfstoff" gegen Krebs entdeckt haben

“Wenn wir die beiden Substanzen zusammen verabreichen, beobachten wir eine Eliminierung aller Tumore im ganzen Körper.”

gevende via Getty Images
Die Forscher injizierten zwei immunstimulierende Substanzen direkt in die Krebstumore bei Mäusen.
  • Forscher der Stanford University konnten bei Tierversuchen erfolgreich Tumore und Metastasen verschiedener Krebsarten bekämpfen
  • Ihre Entdeckung könnte die Krebsbehandlung revolutionieren

Über 4 Millionen Menschen in Deutschland müssen mit einer Krebsdiagnose leben. Nicht wenige sterben daran.

Forscher suchen daher fieberhaft nach einem Heilmittel.

Einen vielversprechenden Durchbruch haben jetzt Wissenschaftler der renommierten Stanford University vorzuweisen: Sie konnten durch die Aktivierung körpereigener Immunzellen Tumore und Metastasen bekämpfen, wie sie in einem Statement der US-Universität verkünden. 

Die Behandlung war bei 87 von 90 Mäusen erfolgreich

► Dafür injizierten die Forscher winzige Mengen zweier immunstimulierender Substanzen direkt in die Krebstumore bei Mäusen.

► Die aktivierten T-Zellen der Immunabwehr vernichteten dabei nicht nur den Tumor selbst, sondern auch weitere unbehandelte Metastasen

Die Behandlung mit den beiden Substanzen war bei 87 von 90 Mäusen mit Lymphomen erfolgreich. Die drei Mäuse, bei denen die Krankheit wiederkehrte, konnten mit einer zweiten Behandlung geheilt werden. Ähnliche Erfolge zeigten die Versuche bei Mäusen mit Melanomen sowie Darm- und Brustkrebs. 

Laut Forschern zeigt das, dass die Substanzen bei verschiedenen Krebsarten eine heilende Wirkung entfalten – und hoffen auf ähnliche Erfolge bei der Behandlung von Menschen.

► Deshalb starteten im Januar klinische Studien an Patienten mit Lymphomen. 

Die Erwartungen der beiden Studienleiter Ronald Levy und Idit Sagiv-Barfi sind groß: Durch die punktgenaue Verabreichung und die geringe Dosis wäre die mögliche neue Krebstherapie schnell und vergleichsweise günstig. Außerdem hätte sie wohl weniger Nebenwirkungen als andere Immuntherapien.

Mehr zum Thema: Forscher entwickeln revolutionäre Krebs-Behandlung - sie bekämpft die Nebenwirkungen von Chemotherapie

Der Studienleiter ist ein Pionier der Immuntherapie

Levy, Professor für Onkologie, gilt bei der Immuntherapie von Krebs als Pionier. Er hat zum Beispiel das Immuntherapie-Medikament Rituximab mitentwickelt.

► Der Hintergrund: Krebszellen können Mechanismen entwickeln, um sich der Abwehr des Körpers zu entziehen. Bei einer Immuntherapie wird das Immunsystem des Patienten so präpariert, dass es den Krebs erkennt und bekämpft.

► Das Problem: Eine Immuntherapie ist oft mit starken Nebenwirkungen, hohen Kosten und langwierigen Behandlungen verbunden. 

Levy hofft, mit der neuen Methode die Nachteile der Immuntherapie zu minimieren: “Unser Ansatz besteht dagegen in einer einmaligen Injektion winziger Mengen zweier Substanzen, die die Immunzellen nur im Tumor selbst stimulieren. Bei den Mäusen konnten wir großartige Effekte feststellen, darunter auch die Eliminierung aller Tumore im Körper.”

“Eliminierung aller Tumore”

Sein Plan wäre, den Stoff vor einer Operation bei Krebspatienten zu injizieren, damit er noch unentdeckte Metastasen bekämpft und einen erneuten Ausbruch der Krankheit verhindert.

Eine der Substanzen, die eine Immunreaktion hervorrufen, ist schon für den Einsatz bei Menschen zugelassen, die andere wird gerade in mehreren voneinander unabhängigen Studien an Menschen getestet. 

“Wenn wir die beiden Substanzen zusammen verabreichen, beobachten wir eine Eliminierung aller Tumore im ganzen Körper”, betont Levy.

Mehr zum Thema: An jeden Krebspatienten, den ich behandelt habe: Es tut mir leid, ich habe es nicht verstanden

(cho)