POLITIK
05/01/2018 07:18 CET | Aktualisiert 05/01/2018 11:26 CET

Marietta Slomka stellt CSU-Politiker Dobrindt im "heute journal" mehrfach bloß

“Revolution ist nicht nur ‘Wir wollen ein bisschen bürgerlicher werden’.”

  • CSU-Politiker Alexander Dobrindt hat in einem Zeitungsbeitrag eine konservative Revolution in Deutschland gefordert
  • Im “heute journal” muss er sich dafür vor Marietta Slomka rechtfertigen – und wird bloßgestellt
  • Im Video oben seht ihr die Szene

Alexander Dobrindt will in Deutschland eine Revolution anzetteln. Genauer gesagt: Eine Gegenrevolution gegen die vermeintliche Revolution linker Eliten, die seiner Meinung nach in Deutschland stattgefunden hat. 

Eine “bürgerlich-konservative Wende” nennt der CSU-Politiker das in einem Gastbeitrag für die “Welt”. Und eine “konservative Revolution”

Ein Begriff, den sich Historiker eigentlich für die Geschehnisse in der Weimarer Republik vorbehalten, die direkt zum Nationalsozialismus führten und der seit der Jahrtausendwende gerne von Rechtsextremen verwendet wird. 

Jetzt hat ihn der Chef der CSU-Landesgruppe benutzt – und versuchte sich dafür im “heute journal” vor ZDF-Moderatorin Marietta Slomka zu rechtfertigen.

Erfolglos. 

“Ich weiß ja nicht, welche Vorstellung Sie vom Prenzlauer Berg haben...”

Dobrindts Beitrag in der “Welt” war eine Reaktion auf das 50. Jubiläum der 68er-Bewegung – eben jene Bewegung, die in Deutschland laut dem CSU-Politiker eine linke Meinungsvorherrschaft etabliert hat. 

Slomka wollte solche Geschichtsverdrehungen nicht gelten lassen. “Nun erinnere ich mich an 1982-83, an die geistig-moralische Wende und Helmut Kohl”, sagte sie gleich zu Beginn. “Hat denn der Mann gar nichts erreicht, dass Sie sich heute noch an den 68ern abarbeiten müssen?” 

“Nein”, sagt Dobrindt und widerlegt damit direkt einmal ein Hauptargument seines Textes. Aber: Es gäbe eben eine bürgerliche Mehrheit von Menschen in Deutschland, die sich vom linken Meinungsmainstream nicht mehr verstanden fühle.

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► Slomka kontert direkt: “Die Frage ist ja, ob das so zutrifft, dass der Mainstream hierzulande von einer quasi linken Diktatur verhindert wird.”

Dobrindt behaupte ja in seinem Beitrag etwa, Deutschland sei nicht der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. “Da wohnen nun vor allem Familien mit Kindern, die so bürgerlich sind, dass selbst ein Eiscafé Ärger wegen Ruhestörungen bekommt”, sagt die Moderatorin. 

Gegen wen, fragt Slomka, wolle Dobrindt denn da eine Revolution anführen? 

Will Dobrindt eine Revolution gegen Merkel? 

Es gehe darum, wie das Gefühl sei, umschifft Dobrindt die von Slomka vorgetragenen Einwände. Und das sei eben eines, nicht vertreten zu sein. 

Diese Menschen sieht der CSU-Politiker zur AfD abwandern – und genau das müssten Union und SPD verhindern. 

“Die Frage ist, ob man Protestwähler zurückgewinnt, indem man die Parolen einer Protestpartei übernimmt”, gibt Slomka zurück. Dobrindt spreche ja von einer Revolution, einem radikalen Wandel und Aufstand: “Revolution ist nicht nur ‘Wir wollen ein bisschen bürgerlicher werden’.”

Das sei eine Überinterpretation, eiert Dobrindt herum. Man spreche ja auch bei der digitalen Wende von einer Revolution. Ja, wirft Slomka ein, weil das Internet schließlich auch das Leben aller Menschen radikal verändert habe. 

► In Deutschland regiere nun seit zwölf Jahren eine CDU-Kanzlerin, sagt Slomka. “Richtet sich ihr Aufruf zur Revolution auch gegen Frau Merkel?”

“Konservativ heißt, an der Spitze der Bewegung zu sein”

“Nein”, wiegelt Dobrindt wieder ab, “es geht ja nur darum, dass wir in den Meinungsdiskussionen dafür sorgen, das alle gleichermaßen vertreten sind.” Man müsse eben überlegen, ob alles an der 68er-Bewegung gut war, sagt er – ein klares Statement in Richtung SPD. 

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Er halte es mit Franz-Josef Strauß. Der habe gesagt: “Konservativ heißt, an der Spitze der Bewegung zu sein.” Was genau Dobrindt damit meint, erklärt er nicht. Mutmaßlich: Macht. 

Doch Dobrindt relativiert Strauß sogar, indem er sagt, dass er auch das “Gute aus der Vergangenheit” bewahren wolle. Soweit also die Begründung des Christsozialen, warum er eine konservative Revolution anstrebt. 

Vor den Sondierungsgesprächen mit der SPD lässt sich sagen: In einer Großen Koalition unter Kanzlerin Merkel wird diese wohl nicht durchzusetzen sein

(ll)

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