NACHRICHTEN
12/01/2018 16:42 CET | Aktualisiert 12/01/2018 17:25 CET

Schwuler Imam will eine LGBT-Moschee gründen – so sind die Reaktionen

Sie soll ein Zufluchtsort für homosexuelle Muslime sein.

RnDmS via Getty Images
Innerhalb des nächsten Jahres möchte Imam Nur Warsame sie eröffnet haben, die erste schwulenfreundliche Moschee.
  • Nur Warsame hat sich als erster Imam in Australien als schwul geoutet
  • In Melbourne möchte er nun eine LGBT-Moschee erbauen

Innerhalb des nächsten Jahres möchte er sie eröffnet haben, die erste schwulenfreundliche Moschee. Das hat sich Nur Warsame, Imam aus Australien, fest vorgenommen. Er selbst ist homosexuell.

Lange Zeit lebte er ein Doppelleben, war verheiratet und hat sogar eine Tochter. Bis er sich 2010 outete.

Obwohl er damals Leiter einer Moschee in Melbourne war und den Status des Hafiz innehatte, eines Mannes, der den Koran auswendig zitieren kann, wurde er von der Moscheengemeinschaft ausgeschlossen.

Mehr zum Thema: Ich bin schwul und Muslim - das wünsche ich mir von meiner Familie

“Den Glauben und die Sexualität miteinander zu verbinden ist eine schwierige Angelegenheit“, sagte er gegenüber dem australischen Nachrichtensender “SBS”.

“Ich habe sehr oft mit jungen Menschen zu tun, die wegen ihrer Sexualität aus ihrer Familie verbannt wurden“, sagte er. “Dann haben sie ein Problem.“

Viele wandten sich Warsame mit der Bitte um Hilfe zu. In den meisten Fällen sah die Familie die Homosexualität als eine Krankheit an, die geheilt werden müsse. 

Homosexuelle Muslime sollen seiner Meinung nach das gleiche Recht besitzen, ihr Gebet in einer Moschee zu verrichten.

Deswegen ist er aktiv geworden, setzt sich öffentlich für die Rechte homosexueller Muslime ein, ist Gründer der muslimischen LGBT - Vereinigung “Marhaba” – und möchte nun eine Moschee erbauen. 

Ein LGBT-Moschee im Zentrum Melbournes

Warsame sagt: “Ich hatte ein Problem damit, dass Menschen ein Doppelleben führen müssen. Also machte ich mich daran, eine Plattform irgendwo in der Mitte zu schaffen.“

Dies sei ein Anliegen, das nicht nur Australien betreffe, sondern die ganze Welt. 

Mit verschiedenen Geldgebern arbeitet er momentan zusammen und plant eine Moschee im Zentrum Melbournes. Mit der Victoria Police kooperiert er ebenfalls, damit die Einrichtung zu einem sicheren Ort wird.

Mehr zum Thema: Liberale Moschee in Berlin: Weiteres Gründungsmitglied verlässt Prestigeprojekt

Mit seinen öffentlichen Auftritten erwartete der Imam, dass er dadurch zum Zielobjekt für harte Kritik werden würde.

Doch die kam nicht. Ganz im Gegenteil: Warsame hat sehr viel positive Resonanz bekommen.

So kontaktierten ihn nach seiner Bekanntgabe beispielsweise andere Imame und bedankten sich für seinen Einsatz. Besonders dafür, dass er dies öffentlich tat. Die anderen Imame hätten ihn für seinen Mut gelobt, wie er der australischen “Vice” erzählte.

Support nicht nur von homosexuellen Muslimen

Viel Unterstützung erhielt er vor allem von der Jugend. Während einer Rede in Melbourne kam eine Gruppe muslimischer Studentinnen in Hijabs auf ihn zu.

Sie waren selbst nicht homosexuell, bedankten sich jedoch bei ihm. Er trage einen wichtigen Beitrag zur muslimischen Community bei. 

Auch auf Facebook erhielt Warsame motivierende Worte für sein geplantes Projekt.

Ein Nutzer schreibt: “Wo kann ich spenden?” 

Ein Anderer schreibt: “Sehr mutig.”

Ein weiterer Nutzer schreibt: “Mutig! Wir erleben, wie mehr homosexuelle gläubige Menschen sich outen können. Ich bete für meinen Freund und Bruder Nur Warsame, er ist ein mutiger Mann Gottes. Wir brauchen mehr Menschen wie ihn.”

Auch viele Organisationen unterstützen Warsames Vorhaben. Eine davon ist die Partei “Secular Party of Australia”.

Sie schreibt auf ihrer Facebook-Seite: “Schön zu sehen. Wir unterstützen Muslime mit progressiven Werten voll und ganz. So viele LGBT-Muslime werden körperlich sowie physisch bedroht, nur weil sie sie selbst sind.

Nur Warsame hat den mutigen Schritt gemacht, den Islam modern zu interpretieren und die Sexualität homosexueller Muslime zu unterstützen.”

(tb)