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31/01/2018 13:07 CET | Aktualisiert 31/01/2018 13:11 CET

Schule entfernt Türen auf Mädchen-Klo – das geht nach hinten los

Der Grund für die drastische Maßnahme ist absurd.

Jonathan Kirn via Getty Images
Einige Schülerinnen des St. Mary Colleges fühlen sich auf der Toilette nicht mehr sicher.
  • Ein Gymnasium in Großbritannien hat die Türen der Mädchen-Toilette entfernt – jetzt gehen die Eltern auf die Barrikaden
  • Mit der drastischen Maßnahme will die Schule offenbar gegen heimliches Rauchen sowie Schulschwänzen und Mobbing vorgehen

Es ist eine fragwürdige Erziehungsmaßnahme: Eine Schule in der englischen Kleinstadt Wallasey hat die Türen zu den Mädchen-Toiletten entfernt. Genauer gesagt: die ganze Wand. Das berichtet die britische Zeitung “The Independent”.

Schülerinnen des katholischen Gymnasiums St. Mary’s College sind entsetzt über die neue Maßnahme.

► Zwar lassen sich die Klokabinen nach wie vor abschließen, aber die Toilettenanlage befinde sich nun in einem offenen Raum, direkt gegenüber eines Klassenzimmers, vor dem auch noch eine Kamera angebracht sei, heißt es beim “Independent”. 

 

“Meine Tochter hat Angst, auf die Toilette zu gehen. Sie fühlt sich nicht sicher”, sagte Tara Hodgson Jones, die Mutter einer Elftklässlerin ist. 

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Eltern wollen ihre Kinder nicht zur Schule schicken

Im ersten Moment habe sie gedacht, dass ihre Tochter überreagiere. Doch dann habe sie sich bei einem Elternabend am vergangenen Freitag selbst vom Ausmaß der Situation überzeugen können, sagte Hodgson Jones dem “Independent”.

Daraufhin habe sie beschlossen, ihre Tochter vorerst nicht mehr zur Schule zu schicken, heißt es von der Mutter. Ihre Schwester und eine Nachbarin ließen ihre Kinder ebenfalls von der Schule daheim. 

► Die Maßnahme sei jedoch nicht auf die Mädchen-Toiletten beschränkt. “Auf dem Jungen-Klo sollen die Türen im Lauf der nächsten Woche entfernt werden”, berichtet Hodgson Jones, deren Sohn ebenfalls das St. Mary’s College besucht.

Sollte sich das bewahrheiten, wolle die Britin ihren Sohn ebenfalls nicht mehr zur Schule schicken. 

“Wir haben das Gespräch mit dem Klassenlehrer unseres Sohnes gesucht, doch der wollte sich nicht dazu äußern. Stattdessen riet er uns, einen Termin beim Schulleiter zu machen.” 

In der Zwischenzeit hat die Schulleitung eine Erklärung veröffentlicht, in der sie beteuert, dass die Maßnahme dazu diene, “das Lernklima zu verbessern.”

Drastische Maßnahme gegen heimliches Rauchen

Wie der “Independent” berichtet, soll die Maßnahme dazu dienen, heimliches Rauchen, Schulschwänzen und Mobbing zu unterbinden.

Tara Hodgson Jones hält das jedoch für Quatsch. 

“Das hätte man auf andere Weise angehen können”, findet die zweifache Mutter. “Zum Beispiel indem man einen Rauchmelder auf der Toilette installiert.”

Dass die fehlenden Türen gegen Mobbing helfen, bezweifelt die Britin ebenfalls. “Als meine Tochter in der 10. Klasse war, wurde sie gemobbt – allerdings nicht in der Schultoilette, sondern im Klassenzimmer, auf dem Schulhof und in der Mensa.”

Eine Toilettenwand zu entfernen, sollte das Problem also wohl kaum lösen.

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(ks)