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19/12/2017 16:23 CET | Aktualisiert 19/12/2017 18:50 CET

Schönheitskönigin postet dieses Foto und erhält Morddrohungen

Sie wollte ein Zeichen setzen - für Frieden und Liebe.

  • “Miss Irak” Sarah Idan postete ein Foto mit “Miss Israel” Adar Gandelsman auf Instagram und bekam zahlreiche Morddrohungen

  • Ihre Familie musste aufgrund der Anfeindungen aus dem Irak in die USA fliehen - der Aufenthaltsort ist weiterhin unbekannt

  • Im Video oben: Weil eine Frau in Saudi Arabien ein Video dreht, wollen viele sie im Gefängnis sehen

Dumm, eitel und oberflächlich - das sind Vorurteile, mit denen Models weltweit zu kämpfen haben.

Die 27-jährige “Miss Irak” Sarah Idan wollte bei der “Miss Universe”-Wahl Mitte November in Las Vegas ein Zeichen setzen und zeigen, dass sich auch Models politisch engagieren.

Ihre Familie musste aus dem Irak fliehen

Sie schoss ein Selfie mit “Miss Israel” Adar Gandelsman und postete es auf ihrer Instagram-Seite. Doch nach dem vermeintlich harmlosen Foto wurden Idan und ihre gesamte Familie in ihrer irakischen Heimat bedroht. 

Sarah Idan / Instagram
Dieses vermeintlich harmlose Selfie führte zu einem politischen Aufschrei.

“Frieden und Liebe senden euch Miss Irak und Miss Israel”, schrieb Idan unter ihr Bild auf Instagram.

Sie erklärte im Gespräch mit dem amerikanischen Fernsehsender “CNN”, was sie damit erreichen wollte:

“Ich habe damals gesagt: ‘Lass uns doch ein Foto machen, damit unsere Leute sehen, dass wir kein Problem miteinander haben und eigentlich Botschafterinnen des Friedens sind’”

Diese eigentlich gut gemeinte Botschaft brachte “Miss Irak” aber in Lebensgefahr. Idan und ihre Familie hätten zahlreiche Morddrohungen erhalten, bestätigte “Miss Irak” im Gespräch mit “CNN”.

Diese Anfeindungen gingen so weit, dass die Familie aus dem Irak in die USA fliehen musste. 

Und auch die Veranstalter der “Miss Irak”-Wahl reagierten nicht so, wie es sich Idan erhofft hatte. Die Veranstalter forderten Idan auf, das Selfie unverzüglich zu löschen. Sollte sie dieser Forderung nicht nachkommen, sei der Veranstalter gezwungen, ihr den “Miss Irak”-Titel abzuerkennen.

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Es gab kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Irak und Israel

Die Spannungen zwischen dem Irak und Israel haben tiefe Wurzeln.

Der Irak hat Israel nie anerkannt und nach 1948 ungefähr 120.000 irakische Juden aus dem Land vertrieben. 

Die irakischen und israelischen Truppen kämpften 1948, 1967 und 1973 gegeneinander. 1981 bombardierte Israel ein irakisches Atomkraftwerk in der Nähe von Baghdad, woraufhin Saddam Hussein im Jahr 1991 Raketen nach Israel schoss.

Irak und Israel pflegen auch heute noch keinerlei diplomatische Beziehungen.

Dadurch, dass der Hass durch die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahost-Konflikt hohe Wellen schlägt, hat das gut gemeinte Selfie eine internationale Protestwelle ausgelöst.

“Mama, haut ab! Haut einfach ab!”

Die Mischung aus dem Hass im Netz und dem öffentlichen Druck durch die irakischen Behörden hätten die Schönheitskönigin dazu bewegt, ihre Mutter im Irak anzurufen, erzählt Sarah Idan:

“Meine Mutter ist ausgerastet. Ich habe ihr gesagt: ‘Mama, haut ab! Haut einfach ab!’ Ich habe ihr gesagt, wie leid es mir tut und habe sie gefragt, ob ich den Wettbewerb verlassen soll. Ich wäre sofort ausgestiegen.”

Doch sie blieb bei der “Miss Universe”-Wahl und veröffentlichte einen Tag nach dem kontrovers diskutierten Selfie ein Statement, in dem sie offenlegte, dass sie die israelische Regierung nicht unterstützen und deren Politik im Nahen Osten nicht gutheißen würde - das umstrittene Foto löschte sie nicht.

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“Ich werde von niemandem unterstützt”

Die größte Sorge war für Idan aber immer, dass ihre Familie in der Heimat erkannt und bedroht werden würde. Aus diesem Grund möchte sie auch nach der Flucht aus dem Irak in die USA den Aufenthaltsort ihrer Familie nicht bekannt geben.

Die Gefahr sei auch jetzt noch zu groß und sie habe immer noch Angst. Im “CNN”-Gespräch zeigt sich Idan auch enttäuscht von den Reaktionen ihrer Landsleute:

“Ich bin hier, um ein gutes Bild für unser Land und unsere Menschen abzugeben und im Gegenzug bekomme ich negative Rückmeldungen. Ich bekomme weder von den Veranstaltern der “Miss Irak”-Wahl, noch von der irakischen Regierung irgendeine Unterstützung.”

Auch heute kann man das Selfie noch auf der Instagram-Seite von Sarah Idan sehen. Und neben den zahlreichen Hass-Kommentaren finden sich auch mutmachende Kommentare unter dem Bild:

“Wir leben alle auf dieser Welt. Das ist unsere Heimat und es gibt so viele Menschen, die hier leben. Das Inspirierendste wäre Frieden zwischen euren Ländern. Ihr beide seid die schönsten Beispiele für Frieden. Gott segne euch beide :)”

(lm)

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