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06/01/2018 14:30 CET

"Welt"-Chefredakteur verteidigt Dobrindt – und wird dafür scharf attackiert

"Das ist die argumentationslose Sprache des Hauses Springer, die vor 50 Jahren schon ekelhaft war."

dpa / getty
  • “Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt hat den Gastbeitrag über die “konservative Revolution” von CSU-Mann Alexander Dobrindt gelobt
  • Ein Kollege kritisiert den Journalisten dafür hart

Alexander Dobrindt sei ein “Meister der Zuspitzung”. Das schrieb “Welt”-Chefredakteur Ulf Poschardt am Freitag in einem Kommentar über den CSU-Landesgruppenchef.

Dobrindt hatte mit einem Gastbeitrag in der Zeitung heftige Kritik auf sich gezogen.

Der ehemalige Bundesverkehrsminister forderte darin eine “konservative Revolution”, schrieb, Deutschland sei nicht der Prenzlauer Berg. Die Bundesrepublik müsse bürgerlicher werden. Vor laufender Kamera zerpflückte Moderatorin Mariette Slomka im ZDF seine Argumente.

Nun verteidigte Poschardt den CSU-Provokateur. Nur um für noch mehr Empörung zu sorgen. 

Der ehemalige “Spiegel”-Reporter Cordt Schnibben, Mitgründer der Online-Journalistenschule Reporterfabrik, nannte Poschardts Kommentar in einem Facebook-Beitrag die “Quadratur des Bullshits”.

“Das war schon vor 50 Jahre ekelhaft”

Poschardt hatte Dobrindt in seinem Kommentar als einen “Diskurspragmatiker der Mitte, der gerne mit den Linken spielt”, gelobt. Dem die “Gesinnungslinke auf den Leim” gehe.

Schnibben kritisiert diese Argumentation heftig. “Mit dieser Art von Verklärung kannst Du jeden Blödsinn zum Experiment machen”, schreibt er. US-Präsident Donald Trump, Türkeis Staatschef Recep Tayyip Erdogan oder auch AfD-Chef Alexander Gauland seien dann ebenso “Meister der Zuspitzung”, “Scharfkantige” und seien “unangreifbar”, wie Poschardt das Dobrindt zuschrieb. 

So feiere der “Welt”-Chefredakteur “einen Autoren, der in Wahrheit nicht heil von einem Satz zum anderen kommt”.

Alle Kritiker des CSU-Politikers verunglimpfe Poschardt pauschal als “Gesinnungslinke” oder als “publizistische Volksfront”.

“Das ist die argumentationslose Sprache des Hauses Springer, die vor 50 Jahren schon ekelhaft war”, beendet Schnibben seinen Beitrag.

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(lp)