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18/12/2017 12:35 CET | Aktualisiert 18/12/2017 13:07 CET

"Fast wie früher": Nazi-Logo auf sächsischem Polizei-Wagen sorgt für Empörung

Die Erklärung des sächsischen Innenministeriums ist einfach nur absurd.

  • Die Polizei Sachsen hat seit Freitag ein neues Panzerfahrzeug, den Survivor R
  • Ein Detail an dem Sonderfahrzeug wird gerade im Netz heiß diskutiert
  • Das Logo auf den Sitzbezügen weist starke Ähnlichkeit mit nationalsozialistischen Symbolen auf
  • Weitere Aufnahmen von dem neuen Panzerfahrzeug und den Sitzbezügen sehr ihr oben im Video

Sachsen rüstet auf: Am Freitag übergab der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) dem Spezialeinsatzkommando (SEK) Sachsen das erste von zwei Sonderschutzfahrzeugen.

Die rund drei Millionen Euro teuren “Survivor R” sollen den Beamten des Freistaats im Kampf gegen terroristische Bedrohungen helfen.

Ein Detail an dem Panzerwagen sorgt nun für Diskussionen im Netz: Die Sitze des “Survivor R” sind mit einem Lorbeerkranz und Frakturschrift bestickt.

Der Lorbeerkranz war ein beliebtes Symbol der Nationalsozialisten. Er findet sich unter anderem im Orden der NSDAP. Der Querbalken im Logo des Polizeiwagens weist außerdem große Ähnlichkeit mit den Flügeln des Reichsadlers auf, die Frakturschrift gibt dem Logo ebenfalls einen bitteren Beigeschmack.

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“Fast wie früher”

Auf Twitter empören sich zahlreiche User über die Bestickung. “Wer von Ihnen hat denn diese Nazi-Inneneinrichtung veranlasst?” schreibt ein User. “Hübsches Logo! Fast wie früher... fehlen nur noch Adler und Kreuz”, meint ein anderer.

“Vielleicht könnten Sie erklären, warum Ihr neues Polizeifahrzeug ausgerechnet eine Innengestaltung bekommt, die bei Rechtsextremen sehr beliebt ist?” schlägt die Amadeu Antonio Stiftung vor, die sich den Kampf gegen Antisemitismus auf die Fahne geschrieben hat.

Angesichts der Problematik in Sachsen, sei doch besondere Sensibilität angebracht, schreiben die Mitarbeiter der Stiftung weiter.

Ein anderer hinterfragt den Sinn der Bestickung an sich: “Hätte nicht gereicht ‘Polizei Sachsen’ und in einer zeitgemässen Schrift?”

Der Großteil der Kommentatoren sieht in den Sitzbezügen jedenfalls einen Beweis für rechtes Gedankengut innerhalb der sächsischen Behörden.

Grünen-Chefin Simone Peter schrieb: “Sagt mal, wo leben wir eigentlich? Vorgestrig oder im 21. Jahrhundert?”

Das sächsische Ministerium des Innern weist die Unterstellung zurück. Das Fahrzeug sei “mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert” worden, schrieb das sächsische Innenministerium auf Twitter.

Wessen Idee war das?

Die Rechtfertigung lässt sich jedoch nicht ganz halten, denn ein Video des Herstellers Rheinmetall zeigt: Das Fahrzeug ist auch ohne Bestickung erhältlich. Das deutet zumindest darauf hin, dass das Logo von der Polizei ausdrücklich gewünscht worden ist.

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Dass Rheinmetall das Logo ohne Absprache mit dem Kunden angebracht hat, lässt sich zwar nicht ausschließen.

Jedoch merken einige User zurecht an, dass ein solches Vorgehen ungewöhnlich riskant erscheint. Schließlich hätte der Hersteller bei eigenmächtigem Handeln mit einer Reklame seitens der sächsischen Polizei rechnen müssen.

“Ja, das machen Hersteller im Allgemeinen so. Sticken die Ihnen nicht auch immer ungefragt lustige Sachen in Ihre Order?” fragt ein User polemisch.

“In der Industrie werden nicht gemäß Auftrag gelieferte Dinge reklamiert und der Fehler korrigiert. Geht das bei den Behörden so nicht?”, will ein anderer wissen.

Die sächsische Polizei scheint mit dem Logo kein Problem gehabt zu haben. Polizeichef und SEK-Leiter Sven Mewes sagte bei der Übergabe: “Das Fahrzeug ist so ausgestattet, wie wir uns das vorstellen.” 

Der Survivor R soll soll dazu dienen, “die Beamten des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Sachsen insbesondere bei polizeilichen Lagen mit hohem Gefährdungspotenzial optimal zu schützen und gefahrlos an die Bedrohung ran zu bringen oder Personen aus dem Gefahrenbereich zu evakuieren.”