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26/01/2018 18:00 CET

Paris macht vor, wie die Verkehrsrevolution gelingen kann

Die Pariser sind immer häufiger mit Bus, Metro und Rad unterwegs.

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Radfahrer in Paris
  • Paris schafft es erfolgreich, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren
  • Die Maßnahmen können als Vorbild für andere Metropolen dienen

Paris hat eine Attraktion, die die meisten Touristen übersehen und die in den wenigsten Reiseführern erwähnt wird: In der französischen Hauptstadt lässt sich nämlich besichtigen, wie der Verkehr der Zukunft aussehen könnte. 

Denn Paris hat in den vergangenen Jahren eine Verkehrsrevolution eingeleitet, deren Ergebnisse beeindruckend sind. 

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Das Auto ist nicht mehr chic

Wirtschaftswissenschaftler Frédéric Héran von der Universität Lille I hat kürzlich in dem französischen Magazin ”Les Cahiers Scientifiques du Transport” aktuelle Zahlen über den Verkehr in der Stadt veröffentlicht.

► Von 1990 bis 2015 sei der Anteil der Autos am Stadtverkehr um 45 Prozent gesunken.

► Der Anteil von Tram, Bus und Bahn stieg im gleichen Zeitraum um 30 Prozent.

► Der Anteil der Radfahrer verzehnfachte sich.

Im Vergleich mit anderen Metropolen wie New York, London oder auch Berlin legen in Paris die wenigsten Menschen eine Strecke mit dem Auto zurück, wie das US-Portal “Citylab” berichtet. 

In Berlin wählten insgesamt 29 Prozent der Menschen 2013 das Auto als Fortbewegungsmittel. In Paris waren es 2010 nur 13 Prozent.

Wie hat Paris das geschafft? 

Wenn es eine Lehre aus der Entwicklung in Paris gebe, schreibt “Citylab” über die Studie von Wissenschaftler Héran, dann diese: Große Veränderungen beim Verkehr sind möglich, aber sie brauchen Zeit. 

Für Héran unterscheidet sich die Entwicklung in Paris nicht groß von den Tendenzen in anderen großen Metropolen. 

► Eines aber sei in der Metropole richtig gelaufen: Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und das Angebot alternativer Fortbewegungsmittel hätten die Mobilität der Menschen entscheidend verändert, heißt es im Fazit von Hérans Studie.

Die Stadt Paris ergriff schon früh Maßnahmen, um Fußgängern und Fahrradfahrern das Leben zu erleichtern.

► In seiner Zeit als Bürgermeister ließ der spätere Präsident Jacques Chirac (1977 bis 1995) Poller aufstellen, um Autofahrer davon abzuhalten, die Gehwege zuzuparken, berichtet Héran.

► Chiracs Nachfolger Jean Tibéri legte 1996 das erste Programm für Fahrradfahrer vor, neue Radwege entstanden und Tempo-30-Zonen wurden eingeführt.

► Seit 2007 gibt es mit “Vélib” eines der größten Fahrradverleihsysteme in einer westlichen Metropole, wie “Citylab” berichtet. 

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Ein Mann steigt auf sein "Velib"-Rad

► Die aktuelle Bürgermeisterin, die Sozialdemokratin Anne Hidalgo, hat den Umweltschutz zu einem ihrer Kernthemen gemacht. Bis 2020 sollen Diesel-Autos aus dem inneren Bereich der Stadt verbannt werden, auf dem rechten Seine-Ufer wurde bereits eine Promenade auf drei Kilometern Länge für Autos gesperrt.

So positiv die Entwicklung ist, wenn man auf den Verkehr blickt. Ein Problem in Paris bleibt nach wie vor: die hohe Luftverschmutzung.

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Der Eiffelturm im giftigen Nebel 

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Der Eiffelturm im Smog im Winter 2016.

Im Winter 2016 erlebte die Stadt den schlimmsten Smog seit 10 Jahren. Die Grenze für Feinstaub und Stickoxide wurde überschritten, Wahrzeichen wie der Eiffelturm waren vom stinkenden und gefährlichen Smog eingehüllt.

Welche Gefahr von der Luftverschmutzung ausgeht, ist bekannt. Nach Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind Feinpartikel in Frankreich für jährlich 42.000 Todesfällen verantwortlich.

Die Pariser Behörden reagierten 2016 mit Fahrverboten für zahlreiche Automodelle.

Weitere, radikale Maßnahmen sind geplant. Die französische Regierung hat zum Beispiel das Ende des Verbrennungsmotors für 2040 angekündigt.

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