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02/02/2018 08:48 CET

Obdachloser nächtigte auf Grundstück der Bahn – die will nun 450 Euro von ihm

“Wie soll ich das bezahlen?”

monstArrr_ via Getty Images
Ein schlafender Obdachloser (Symbolbild).
  • 28 Obdachlose haben auf einem Grundstück der Deutschen Bahn in Hamburg genächtigt
  • Bei einer Räumung wurden sie aufgegriffen – und sollen nun hohe Strafen bezahlen

“Wie soll ich das bezahlen?”, fragt David. 

Zusammen mit 27 weiteren Menschen hatte der Obdachlose auf einem Grundstück der Deutschen Bahn in Hamburg geschlafen. Die verlangt nun jeweils 450 Euro Strafe.

Denn die Bahn hat eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt, wie die Obdachlosenzeitung “Hinz & Kunzt” berichtet

► Das große Pech für David: Er schlief nur ein einziges Mal in dem Lager im Stadtteil Hammberbrook. Ein Freund hatte den Rumänen im Mai 2017 dorthin mitgenommen. Bereits seit Monaten sollen auf dem Grundstück mehrere Dutzend Obdachlose in Zelten und Hütten gelebt haben, schreibt “Hinz & Kunzt”.

Doch ausgerechnet an dem Tag, wo David im Lager schlief, rückten Bahn-Mitarbeiter mit Unterstützung der Polizei an. Sie räumten das Lager.

Mehr zum Thema: Abscheulich: Diebe klauen Obdachlosem aus Dortmund dessen Hund

Tagessatz für einen Obdachlosen: 15 Euro

► David dachte, die Sache wäre damit erledigt gewesen. Doch im November erreichte ihn ein Schreiben des Hamburger Amtsgericht: Strafbefehl wegen Hausfriedensbruchs. David soll 450 Euro bezahlen.

Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis erklärte “Hinz & Kuntz”, es habe mehrere schriftliche Aufforderungen – in verschiedenen Sprachen – gegeben, das Gelände zu räumen.

Doch David, der nicht lesen kann, beteuert: Davon habe er nichts mitbekommen. Dessen Rechtsanwältin findet auch die Strafe zu hoch, da der festgelegte Tagessatz noch über dem für Sozialhilfeempfängern liegt.

Unklar ist, wie der Fall ausgeht.

► Fest steht laut “Hintz und Kuntz” nur: David wird die Strafe nicht bezahlen können. Versucht er doch, mit Betteln und dem Verkauf einer Obdachlosenzeitung seine Frau und seine zwei Kinder in Rumänien zu ernähren.

(jg)