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29/12/2017 14:11 CET

Obdachloser in Schweizer Park ermordet - jetzt trauert ein ganzes Viertel

Dutzende Menschen trauern um den Verlust des 60-jährigen Obdachlosen Georges.

vasiliki via Getty Images
Ein junger Mann schläft in einem Park. 
  • In einer bekannten Parkanlage in Basel ist ein Obdachloser erstochen worden

  • Jetzt trauert ein ganze Stadtviertel um den Verlust der “guten Seele der Dreirosenanlage”  

Seit einer Woche ist Georges jetzt tot. Die “gute Seele der Dreirosenanlage”, einem Park inmitten von Basel, soll vergangene Woche von einem Unbekannten niedergestochen worden sein. 

Der Obdachlose starb vor Ort an seinen Verletzungen und wurde am Morgen darauf von Passanten leblos aufgefunden. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Das berichtet unter anderem die Schweizer “Neue Zürcher Zeitung”

Der Fall schlägt hohe Wellen: Laut Schweizer Medien trauert beinahe das gesamte Stadtviertel um den Verstorbenen.

Ein Obdachloser, dem dutzende Menschen gedenken

Der 60-jährige Georges lebte 15 Jahre lang in dem Park - im Sommer wie auch im Winter. Unter den Parkbesuchern galt er als hilfsbereiter und freundlicher Mensch. Eben als “gute Seele” des Parks. 

Sein Stammplatz nähe des Basketballplatzes hat sich inzwischen in eine regelrechte Gedenkstätte verwandelt. Nahe der Bank auf der Georges zu sitzen pflegte, liegen dutzende Kerzen und Blumen auf dem Asphalt. 

Mindestens 100 Personen hatten sich am vergangenen Donnerstagabend zu einer Mahnwache versammelt, die laut der “Tageswoche” von Anwohnern organisiert wurde. Unter ihnen viele Kinder. 

Mehr zum Thema: Grauenvolle Bilanz: 17 Obdachlose wurden 2016 getötet

Denn im gesamten angrenzenden Wohnviertel war der Obdachlose bekannt, und beliebt.

Selbst Jugendliche sollen ihm anstandslos Platz gemacht haben, wenn er sich auf seine Bank setzen wollte. Die Kinder, die im Park Fußball oder Fangen spielten, erinnern sich an ihn, als eine Art ruhigen Beschützer, der sie aufmunterte, wenn sie sich beim Spielen verletzten. 

“Ich hätte mich sonst nicht getraut, hier abends zu spielen”, erinnert sich der 10-Jährige Maël gegenüber “20 Minuten”.

Wie viele andere Kinder hat er mit seinen Freunden Kerzen und Zeichnungen an den ehemaligen Schlafplatz von Georges abgelegt. 

“Er hat stets auf die Kinder aufgepasst und sie getröstet, wenn sie hingefallen sind”, erinnert sich ein Erwachsener bei einer Andacht laut der “Tageswoche”. 

“Welcher Versager hat das getan?”

Trauer und Fassungslosigkeit scheint sich unter den Anwohnern breit gemacht zu haben. “Welcher Versager hat das getan?”, soll laut der “Tageswoche” auf einem Brief stehen, den ein Teilnehmer der Andacht niedergelegt hat. 

Denn eine Frage beschäftigt seit dem Tod des Obdachlosen viele Menschen in Basel: Warum musste der 60-Jährige Obdachlose sterben? 

Laut der “NZZ” hat die Basler Staatsanwaltschaft bereits einen dringenden Verdacht. Denn auch wenn Georges bei Familien, Jugendlichen und Kindern beliebt war, einer Gruppe von Parkbesuchern soll er ein Dorn im Auge gewesen sein: den Drogendealern, die dort ihre Ware zu verkaufen pflegten. 

Mehr zum Thema: Ein warmer Platz gegen Sex: So skrupellos werden Obdachlose ausgenutzt

Georges soll die Dealer laut übereinstimmenden Medienberichten immer wieder bei der Polizei verpfiffen haben. Jetzt könnte er der Rache einer der Banden zum Opfer gefallen sein.

Staatsanwaltschaft nahm einen Mann fest 

Auch wenn das genaue Tatmotiv noch unklar ist, konnte die Staatsanwaltschaft bereits eine Festnahme verbuchen: Ein 21-jähriger Brasilianer wird verdächtigt, den Mann umgebracht zu haben. Darüber berichtet unteranderem die “NZZ”.

Demnach sitzt der Mann aktuell in Untersuchungshaft. Während in der Schweiz gewalttätige Übergriffe auf Obdachlose bislang eher eine Seltenheit sind, haben sich in den letzten Jahren in Deutschland eine wachsende Anzahl solcher Fälle ereignet. 

Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) verloren seit 1989 über 500 obdachlose Frauen und Männer durch Gewalt ihr Leben. Allein 2016 seien 17 Todesopfer zu beklagen gewesen. Häufig gibt es demnach dabei einen rechtsextremistischen Hintergrund.

Für große Aufmerksamkeit sorgte der Fall eines Wohnungslosen, der von mehreren Jugendlichen im Schlaf angezündet wurde. Nur durch das Eingreifen von Passanten konnte Schlimmeres verhindert werden. 

Im Juni 2017 verurteilte das Berliner Landgericht den Haupttäter zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis.