POLITIK
27/12/2017 10:49 CET | Aktualisiert 27/12/2017 11:43 CET

Geflohener nordkoreanischer Soldat ist gegen Anthrax immun

In Südkorea steigt nun die Angst vor einem Angriff mit biologischen Waffen.

  • In Südkorea steigt die Angst vor einem Angriff Pjöngjangs mit biologischen Waffen

  • Der Grund: Ein geflohener Soldat aus Nordkorea, der möglicherweise Anthrax ausgesetzt war

  • Im Video oben: Was Ärzte im Magen eines nordkoreanischen Soldaten finden, zeigt, wie grausam das Leben dort wirklich ist

Ausgerechnet ein 2017 aus Nordkorea in den Süden geflohener Soldat liefert einen weiteren Beleg für das Biowaffen-Programm Pjöngjangs.

Denn der ungenannte Armeeangehörige hat Antikörper gegen Anthrax in seinem Blut, wie südkoreanische Behörden laut der US-Nachrichtenagentur United Press International am Dienstag mitteilten.

Seoul wertet das als Anzeichen dafür, dass das kommunistische Regime von Kim Jong-un tatsächlich über Anthrax verfügt - und den Soldaten entweder der akuten Bakterienkrankheit ausgesetzt oder ihn dagegen geimpft hat.

In Südkorea steigt nun die Angst vor einem Angriff mit Anthrax-Bakterien. Denn Milzbrand, wie die Infektionskrankheit auch genannt wird, eignet sich als biologische Waffe. So sterben nahezu alle unbehandelte Patienten an Lungenmilzbrand innerhalb von 3 bis 6 Tagen, wie das Robert-Koch-Institut schreibt.

Impfung für US-Soldaten bei Verlegung nach Südkorea obligatorisch 

Auch die US-Armee teilt die Befürchtungen vor einer Anthrax-Attacke aus Nordkorea. In einer Informationsbroschüre der amerikanischen Streitkräfte heißt es: “Für uniformiertes Personal, im Notfall unentbehrliche oder vergleichbare US-Zivilangestellte sind Anthrax-Impfungen bei Reisen oder Verlegungen (...) auf die Koreanische Halbinsel bei 15 oder mehr Tagen obligatorisch.”

Das Problem: Anders als die US-Armee besitzt Südkoreas Militär noch keinen verlässlichen Anthrax-Impfstoff. Choi Hyun-soo, Sprecherin des Verteidigungsministerium, erwartet, dass der Impfstoff für südkoreanische Soldaten erst Ende 2019 zur Verfügung steht - aber nicht eher.

Für Nordkorea würde sich die Gelegenheit eröffnen, in den kommenden Monaten zuzuschlagen. 

Die Sorge wächst, auch weil es schon länger Gerüchte um die Entwicklung biologischer Waffen in Nordkorea gibt.

Erste Berichte tauchten bereits 2015 auf. Damals veröffentlichte das kommunistische Regime Forschungsarbeiten des Pjöngjanger Biologisch-Technischen Forschungsinstituts - das von der Nordkoreanischen Militäreinheit 810 betrieben wird. 

Anthrax-Attacke mit Interkontinentalraketen?

Zudem soll das Kim-Regime begonnen haben, seine Interkontintentalrakteten mit Anthrax zu bestücken. Das berichtete die japanische Tageszeitung “Asahi Shimbun” bereits vor einer Woche unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst.

Demnach teste Pjöngjang derzeit, ob die Bakterien die hohen Temperaturen beim Wiedereintritt der Rakete in die Erdatmosphäre überstehen.

Auch das Weiße Haus betonte in seiner Mitte Dezember veröffentlichten aktuellen Nationalen Sicherheitsstrategie, dass Nordkorea “hunderte Millionen Dollar für nukleare, chemische und biologische Waffen ausgegeben hat, die unser Heimatland bedrohen könnten”. Zudem verfolge das Land den Plan, “chemische und biologische Waffen durch eine Rakete freizusetzen”.

Unterdessen streitet der Norden die Vorwürfe ab. Die staatliche Zentrale Koreanische Nachrichtenagentur (KCNA) erklärte, dass sich Nordkorea weiterhin gegen die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Besitz biologischer Waffen als Vertragsstaat der Biowaffenkonvention ausspreche.

Entsprechende vom Westen enthüllte Einrichtungen würden vielmehr Pestizide für die Landwirtschaft herstellen. Doch Analysten erklärten, dass das dort vorhandene Equipment leicht zur Herstellung von biologischen Waffen zweckentfremdet werden könne.

Die staatlichen Medien bezeichneten die neuen Vorwürfe als “haltlos”. “Je mehr sich die USA an ihren erdrückenden Kampf gegen Nordkorea klammern, desto größer wird die Entschlossenheit unseres gesamten militärischen Personals und der Menschen, sich zu rächen”, warnte KCNA. 

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