POLITIK
09/02/2018 20:50 CET | Aktualisiert 10/02/2018 13:47 CET

Nicht einmal die SPD nimmt die SPD noch ernst

"Sagt Bescheid, wenn dieser Männerzirkus vorbei ist."

KAY NIETFELD via Getty Images
Der SPD-Parteivorstand beim jüngsten Parteitag in Bonn.
  • In der SPD herrscht an diesem Freitag Ratlosigkeit
  • Die Partei hat mit einem beispiellosen Posten-Zank viel Vertrauen zerstört

Die Sozialdemokraten mussten in den vergangenen Monaten viele schwarze Tage durchstehen. Mittlerweile erscheint sogar der Wahltag im September im Angesicht der darauffolgenden Chaos-Wochen eher dunkelgrau.

An diesem Freitag hat die SPD-Schlingerfahrt ein zumindest kurzfristiges abruptes Ende genommen. Für Steuermann Martin Schulz endete sie in der Leitplanke.

Trotz Verhandlungserfolgen in den GroKo-Gesprächen verzichtet Schulz auf den Posten des Außenministers. Die Parteiführung hatte ihm das Vertrauen entzogen. Blöd nur: Die zweite logische Wahl für den Posten, den ohnehin geschäftsführenden Außenminister Sigmar Gabriel, hatte man da schon vergrault.

Das SPD-Theater schien am Freitag zeitweise so lächerlich, dass selbst eingefleischte Sozialdemokraten Häme und Frust nicht mehr verbergen konnten.

Ex-Juso-Chefin Uekermann: “Ich hab’s satt”

Johanna Uekermann, ehemalige Chefin der Juos und Vorgängerin des No-GroKo-Durchstarters Kevin Kühnert, resignierte völlig. Auf Twitter schrieb die 30-Jährige: “Sagt Bescheid, wenn dieser Männerzirkus vorbei ist. Ich hab’s satt.”

Ihre Berliner Parteikollegin Sawsan Chebli, immer wieder vorsichtig für ein Ministeramt in der GroKo gehandelt, konnte ihre Enttäuschung über den Zustand der Partei ebenfalls nicht verbergen. Sie schrieb: “Ja, wir geben gerade ein desaströses Bild ab. Es ist tragisch.”

Immerhin erklärte sie: So leicht sei die SPD nicht totzukriegen.

Auch Juso-Chef Kühnert spottete in einer Kurznachricht über den “politischen Karneval in Berlin”.

Der SPD-Stadtverband Neubrandenburg landete derweil einen Twitter-Hit mit seiner Kapitulationserklärung. “Wir stellen hier über das Wochenende das Twittern ein. Wir müssen auch erstmal rauskriegen, was die Genossinnen und Genossen im SPD-Bundesvorstand aktuell vorhaben.”

Und der SPD-Bundestagsabgeordnete Detlef Müller stimmte trocken einer Analyse der “Welt” zu, die Martin Schulz vorhielt, sich “völlig verzockt” zu haben.

“Leider eine gute Analyse”, so Müllers trauriges Fazit.

(sk)