POLITIK
18/12/2017 09:17 CET | Aktualisiert 18/12/2017 14:14 CET

"New York Times": Der EU-Gipfel hat gezeigt, dass Merkels Ära endet

"Frau Merkel kann sich ohne ein Mandat nicht bewegen.”

  • Die “New York Times” glaubt: Merkels Ära als Anführerin der EU neigt sich dem Ende entgegen
  • Der EU-Gipfel in Brüssel sei ein Beweis dafür gewesen
  • Oben im Video: Was Merkel vor 18 Jahren sagte, sollte ihr jetzt zu denken geben

Es geht nicht vor und nicht zurück. Beim EU-Gipfel in Brüssel am Ende vergangener Woche konnten keine Fortschritte beim wichtigen Thema Asylpolitik erzielt werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, die offensiv wie lange nicht für eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen warb, drang nicht durch.

Die US-Zeitung “New York Times” glaubt: Das Spitzentreffen der europäischen Staats- und Regierungschefs war ein Indiz für einen Machtwechsel in der EU. “Merkel hinkt”, schreibt die Zeitung. Und weiter: “Jeder weiß, dass ihre Ära endet.”

Sorge um deutsche Regierungsbildung

Die “NYT” glaubt, dass die Hängepartei bei der Findung einer neuen Regierung Deutschland in Europa schwäche. “Es gibt große Sorge in Berlin, dass das Land als instabil gesehen wird”, beobachten die US-Amerikaner.

Dadurch gerate auch der vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron angestoßene Reform-Prozess der EU in Verzug. “Frau Merkel kann sich ohne ein Mandat nicht bewegen”, schreibt die “New York Times”.

Dazu kommt ein anderes Problem: Der Kurs “Mehr EU wagen” wird von den erstarkenden rechten Bewegungen innerhalb der EU nicht mitgetragen. Schon beim Thema Flüchtlinge scherten die Visegrad-Staaten aus – umfassende EU-Reformen mit Tschechien, Ungarn und Polen durchzusetzen, gilt als äußerst schwieriges Unterfangen.

“Die jüngsten Wahlen in Großbritannien, den Niederlanden, Österreich und Zentraleuropa sprechen für einen wachsenden Nationalismus, Populismus und Euro-Skepsis”, glaubt die “NYT”. 

Eine stärkere europäische Integration könnte daran scheitern.

Economist: Macron läuft Merkel den Rang ab

Auch der britische “Economist” sieht Merkels Position in Europa geschwächt.

Macron sei es, der der CDU-Chefin den Rang ablaufe, kommentierte das Wirtschaftsmagazin zuletzt. Nicht nur seine selbstbewusste Reformagenda komme Macron dabei zugute, sondern auch sein gutes Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. 

Macron sei der einzige Staatschef in Westeuropa der eine harmonische Beziehung zu US-Präsident Donald Trump unterhalte.

“Sie verbindet die Erfahrung, als politische Außenseiter ein hohes Amt gestürmt zu haben”, argumentiert der “Economist”. 

Ähnlich sieht man das auch in Deutschland. “Man kann schon jetzt sagen, dass Macron sehr selbstbewusste internationale Politik machen will und macht”, sagte Frank Baasner, Direktor des Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg, zuletzt der HuffPost.

(ben)