POLITIK
02/01/2018 22:47 CET | Aktualisiert 03/01/2018 11:35 CET

Studie: Es gibt mehr Gewalt durch mehr Flüchtlinge

Die Zahlen zeigen auch, warum es falsch ist, pauschal zu behaupten, Flüchtlinge seien krimineller.

  • Drei Kriminologen haben im Auftrag des Familienministeriums die Gewaltkriminalität von Flüchtlingen in Niedersachsen untersucht
  • Dabei fanden sie heraus, dass es durch Flüchtlinge in dem Bundesland seit 2014 zu einem spürbaren Anstieg von Gewalttaten kam
  • Die Ursachen dafür sind verschieden, wie das Video oben zeigt

Die Bluttat eines jungen Afghanen, der seine 15-jährige Ex-Freundin im rheinland-pfälzischen Kandel erstochen haben soll, schlägt auch Tage später  noch deutschlandweit hohe Wellen. Der Fall dient besonders rechten Hetzern als Paradebeispiel für die angeblich pauschal von Flüchtlingen ausgehende Gefahr

Viele glauben, dass mit der Aufnahme von Flüchtlingen auch die Gewalt angestiegen ist.

Doch wie sieht die Entwicklung tatsächlich aus? Diese Frage haben sich die Kriminologen Christian Pfeiffer, Dirk Baier und Sören Kliem gestellt und im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Gutachten erstellt, das am Mittwoch veröffentlicht werden soll.  

Fast jede achte Gewalttat wird durch einen Flüchtling begangen  

Der HuffPost liegt die Zusammenfassung der Studie bereits vorab vor.

Das Ergebnis:

► Auf Flüchtlinge ging laut Polizeizahlen fast jede achte Gewalttat in Niedersachsen zurück – damit fallen sie deutlich häufiger auf, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspricht.

► Und durch Flüchtlinge kam es in dem Bundesland seit 2014 zu einem spürbaren Anstieg von Gewalttaten, wie Raub, schweren Körperverletzungen, Tötungs- oder Sexualdelikten. 

“Zu knapp der Hälfte kann dies damit erklärt werden, dass sich die Zahl der in Niedersachsen registrierten Flüchtlinge zwischen 2014 und 2016 mehr als verdoppelt hat”, schreiben die drei Forscher. 

Für ihr Gutachten haben Pfeiffer, Baier und Kliem die Polizeidaten aus dem norddeutschen Bundesland ausgewertet. 

Sie zählen in ihrer Studie sowohl Asylbewerber, Asylberechtigte und Kontingentflüchtlinge sowie international und national Schutzberechtigte als auch Personen, die eine Duldung erhalten haben oder sich in Deutschland unerlaubt aufhalten, zu den “Flüchtlingen”. 

Mehr zum Thema: Was hinter den angeblich drastisch angestiegenen Vergewaltigungen durch Flüchtlinge steckt

Gewalt eher durch Flüchtlinge aus Marokko als aus Syrien 

Die Kriminologen haben herausgefunden, dass neben dem Alter vor allem der Aufenthaltsstatus ausschlaggebend für das Begehen von Straftaten ist: “Wer als Kriegsflüchtling kommt oder aus anderen Gründen für sich gute Chancen sieht, in Deutschland bleiben zu dürfen, wird bemüht sein, diese Aussichten nicht durch Straftaten zu gefährden.”

Aus diesem Grund weisen Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan eine geringere Gewaltquote auf als geflüchtete Menschen aus Algerien, Tunesien und Marokko. 

Wichtig ist: Neben den schlechten Aufenthaltsperspektiven machen Pfeiffer, Baier und Kliem auch den hohen Anteil an männlichen 14-
bis unter 30-jährigen innerhalb dieser Personengruppe für die hohe Gewaltquote verantwortlich.

Flüchtlinge und Ausländer sind meistens die Opfer

In den Polizeistatistiken wird auch deutlich, wer die Opfer der gewalttätigen Flüchtlinge sind: nämlich zum Großteil ebenfalls Flüchtlinge oder andere Ausländer.

So sind es in 12,6 Prozent der Fälle Angehörige ihrer eigenen ethnischen Gruppe, weitere 19,6 Prozent sind zwar ebenso Flüchtlinge, kommen aber aus einem anderen Land als der Tatverdächtige. Jeweils ein weiteres Drittel der Gewaltopfer sind sonstige Ausländer oder Deutsche.

Vorsätzliche Tötungsdelikte, bei denen Flüchtlinge als Tatverdächtige ermittelt wurden, spielen sich sogar zu über 91 Prozent unter Flüchtlingen oder Nichtdeutschen ab.

Die Untersuchung macht zudem deutlich, dass es falsch ist, zu behaupten, Flüchtlinge seien pauschal krimineller.

Aus drei Gründen:

► Erstens unterscheiden sich die Zahlen – wie erwähnt – stark nach Herkunftsländern. 

► Zweitens sind im Zuge der Flüchtlingskrise besonders viele Jugendliche und junge Männer nach Deutschland gekommen. Damit ist die Alterszusammensetzung der Flüchtlinge sehr anders als allgemein in Deutschland. Zudem fallen 14- bis 30-Jährige unabhängig von Nationalität oder Herkunft besonders durch viele Gewalt- und Sexualstraftaten auf.

►Drittens werden Flüchtlinge – oder allgemein Fremde – schneller einer Gewalttat verdächtigt und auch häufiger angezeigt. “Wir haben Verzerrungen in der Polizeistatistik, die unvermeidbar sind. Es ist also in der Kriminalstatistik Vorsicht geboten”, erklärte Pfeiffer bereits 2016 in einem Interview mit der “Welt am Sonntag”. Das gilt auch im Hinblick auf die aktuelle Studie - denn auch diese beruht zum Großteil auf Zahlen der Polizei

Allerdings stellen die Forscher in der Studie auch klar: Flüchtlinge, die aus  überwiegend muslimischen Ländern stammen, die wiederum von männlicher Dominanz geprägt sind, “haben sogenannte gewaltlegitimierende Männlichkeitsnormen in weit höherem Maß verinnerlicht als gleichaltrige Deutsche oder in Deutschland geborene Jugendliche, die aus diesen Ländern stammen.”

(jg)

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