POLITIK
15/01/2018 19:52 CET

Facebook löscht Bilder von "Barbara": Das macht ein Problem deutlich

Die Streetart-Künstlerin "Barbara" will zum Nachdenken anregen.

Barbara
Ein Bikini über einem Straßenschild - mehr braucht es nicht, um von Facebook gelöscht zu werden. 
  • Mit der Begründung, sie verstießen gegen Gemeinschaftsstandards, haben Facebook und Instagram Bilder der Streetart-Künstlerin “Barbara” gelöscht  
  • Nun hat sich Facebook entschuldigt

Humorvoll-satirische Zettelbotschaften, mit doppelseitigem Klebeband auf Schilder und Hauswände geklebt: Das ist es, was “Barbara” zur beliebtesten Streetart-Künstlerin Deutschlands macht. 2016 erhielt die anonyme Künstlerin für ihre unverwechselbare Art, die Menschen zum Nachdenken anzuregen, sogar den Grimme Online Award.

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Ihre Aktionen teilt “Barbara” auf Facebook und Instagram. Aber seit dem Inkrafttreten des NetzDG (Netzwerkdurchsetzungsgesetz) vor einigen Wochen haben die sozialen Netzwerke mehrere Fotos der Aktionskünstlerin gelöscht – aufgrund eines Verstoßes gegen die Gemeinschaftsstandards zum Teilen.

Das jedenfalls steht in dem Statement, mit dem sich die Künstlerin nach einer kurzen Social-Media-Auszeit auf Facebook zurückmeldet. Ihr sei außerdem gedroht worden, dass ihr Account im Falle weiterer Verstöße gelöscht würde.

Was genau an den gelöschten Bildern den Gemeinschaftsstandards zuwider laufen soll, ist schwer nachvollziehbar: Auf einem war ein mit einem Bikini behängtes Verkehrsschild zu sehen, auf einem anderen ein Kaktus-Graffiti unter einem (fremden) “Heil Hitler”-Schriftzug.

Dann gab es auch eine Einladung anlässlich des Geburtstags von Hitler, die sich – ohne viel Nachdenken – als Satire entlarvt kann. Alles in allem: Harmlos und gegen niemand Bestimmtes gerichtet. Es geht um Aktionen gegen Hass.

Barbara
Mit diesem Kaktus wollte Barbara eigentlich gegen rechtsradikale Schmierereien vorgehen - Facebook löschte ihn trotzdem. 

Das hat inzwischen auch Facebook eingesehen: Nachdem in vielen Medien der Vorwurf der Zensur laut geworden war, hat sich das Unternehmen bei der Künstlerin entschuldigt.

Die Bilder seien “versehentlich” gelöscht worden. Dies bestätigte “Barbara” gegenüber der HuffPost.

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Overblocking

Ein klarer Fall von Overblocking, der zeigt, wie wenig das NetzDG sein Ziel erreicht. Statt wirksam gegen Hassbotschaften vorzugehen, löschen Facebook und Co. die Beiträge, die mit Humor und Satire dem Hass im Internet etwas entgegenzusetzen suchen. Vorsorglich, aus Angst vor Strafe und im Zweifel gegen den Angeklagten. 

Auch “Barbara” geht hart mit den sozialen Netzwerken ins Gericht: “Wie soll Satire im Internet funktionieren, wenn die Satiriker dem Urteil von privaten Firmen ausgesetzt sind, die sich als Richter aufspielen?” 

Barbara
Zugegeben - nicht nur die Unterschrift erinnert an einen bekannten AfD-Abgeordneten. Trotzdem: Verleumdung, einer der 22 Tatbestände, die Facebook und Co. zum Löschen verpflichten, sieht anders aus. 

(cho)