ELTERN
23/01/2018 18:39 CET | Aktualisiert 23/01/2018 18:46 CET

“Ich habe sie angefleht, mir meine Kinder wegzunehmen”

Aus der Psychiatrie rief sie das Jugendamt an.

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Bis heute plagen Sam Schuldgefühle. 
  • Die britische Mutter Sam war über zwei Jahrzehnte drogenabhängig
  • Um ihre Kinder zu schützen, gab sie sie zur Adoption frei

20 Jahre lang versuchte die zweifache Mutter Sam* immer wieder von den Drogen loszukommen. Ein harter Kampf, der die Britin das größte Opfer kostete: ihre zwei Kinder. Denn Sam gab sie freiwillig zur Adoption frei.

„Mein Ehemann erzählte mir nicht, dass es Heroin war, als er es mir zum Rauchen gab“, beginnt Sam der Nachrichtenseite “BBC News” über ihre Drogensucht zu erzählen.

Sie nahm an, er hätte ihr Cannabis gegeben. Bis sie ziemlich schnell merkte, wie schlecht es ihr ging und sie bereits nach kurzer Zeit heroinabhängig war. Ein Schock! Schließlich ist Sam Mutter von zwei Kindern.

“Ich möchte das nicht. Lass uns aufhören!”

Immer wieder flehte sie ihren Mann an: “Ich möchte das nicht. Lass uns aufhören!”. Er hörte nicht auf seine Frau und zog sie immer weiter in den Drogensumpf hinein. Nur eine Woche später, nach dem ersten Mal Heroin, kam die Droge Crack dazu. Sam wollte es nicht. Sie versuchte stark zu bleiben. Ohne Erfolg.

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Sam rutschte immer weiter ab. Um ihre Drogensucht zu finanzieren, fing sie an zu klauen und landete später in der Prostitution. Schon nach kurzer Zeit wurde sie erwischt und kam für vier Wochen ins Gefängnis.

Während dieser Zeit kamen Sams Kinder in eine Pflegeeinrichtung. Zu Beginn setzte Sam alles daran, ihre Kinder zurück zu holen. Das schaffte sie auch. Doch nur zwei Monate später wurde die junge Frau zwangseingewiesen.

Aus der Psychiatrie rief sie das Jugendamt an

Sam musste reagieren, das wusste sie. Noch aus der Psychiatrie rief sie selbst das Jugendamt an: “Ihr müsst sofort kommen und meine Kinder nehmen.”

Die Kinder hielten sich noch bei Sams ebenfalls drogensüchtigem Mann auf. Sam machte sich große Sorgen: “Ich wusste einfach, dass sie bei ihm nicht sicher sind.”

Das Jugendamt nahm die Kinder zu sich und auf Sams Wunsch hin wurden sie innerhalb eines Jahres zur Adoption freigegeben: “Nie wieder sollten sie zu mir zurückkehren.” Ihre Entscheidung stand fest. Sie wollte ihre Kinder unbedingt schützen.

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“Ich kann mich genau erinnern, als ich meine Kinder zum letzten Mal sah. Die Drogen hatten mich fest im Griff, sodass ich, noch während ich sie ins Auto setzte, meinem Dealer schrieb”, erinnert sich Sam.

15 Jahre lebte Sam so – im ständigen Wechsel zwischen Gefängnisaufenthalten und der Psychiatrie.

Dreieinhalb Jahre ist Sam jetzt clean

Für Sam war es ein harter, aber mutiger Schritt, ihre Probleme einzusehen und zu bekämpfen. Immer wieder versuchte sie gegen die Heroin- und Alkoholsucht vorzugehen, lebte zwischenzeitlich auf der Straße, hatte zahlreiche Rückfälle zu bewältigen - und schaffte es: Dreieinhalb Jahre ist sie jetzt clean.

Ob sie es bereut, ihre Kinder zur Adoption freigegeben zu haben? Nein! Es war zu diesem Zeitpunkt für Sam die einzig richtige Entscheidung – ein harter, aber auch mutiger Schritt, der sie viel Kraft kostete.

Für ihre Kinder war es das einzig Richtige. Schuldgefühle plagen Sam dennoch – damals wie heute: “Ich akzeptiere, dass ich krank war. Aber das ist etwas, das ich mir bis heute nicht verzeihe. Ich weiß nicht, ob ich es jemals kann.”

*Name wurde geändert

(kap)