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Warum ich den Vater meines Kindes hassen darf

Ich kümmere mich gerne um meine Tochter, aber ich wäre ab und zu auch gerne einfach 21 Jahre alt und sorgenfrei.

07/02/2018 11:28 CET | Aktualisiert 07/02/2018 14:08 CET
PHOTOALTO/ANNE-SOPHIE BOST VIA GETTY IMAGES
Es ist hart, ohne Vater aufzuwachsen, aber es ist einfacher, wenn man eine fantastische Mutter hat, die beide Rollen übernimmt. Anonym

An den meisten Tagen liebe ich mein verrücktes Leben. Aber ich bin auch nur ein Mensch und manchmal mache ich mir so meine Gedanken. Mutter zu sein sollte dich vervollständigen, aber wenn du alleinerziehend bist, fühlst du dich manchmal allein gelassen. Mutter sein ist das Schwierigste, was ich je tun werde. Es ist aber auch der erfüllendste Titel, den ich je tragen werde.

Ich habe eine drei Jahre alte Tochter. Ihr Herz ist so rein, ihr Kopf ist frisch, ihr Leben ist herrlich. Mein Baby hat keine Ahnung, wie sich Hass oder Liebe anfühlt. Ich leider schon.

An manchen Tagen hasse ich dich mehr als an anderen. Wie kann ein Mann so viel Verantwortung haben, sich aber nicht darum kümmern? Wie kann es sein, dass du frei herumstreunen kannst, während ich einen Kinderwagen durch die Gegend schiebe?

Vielleicht würde ich dich nicht so sehr hassen, wenn du tatsächlich ein Vater wärst und nicht nur ein Babysitter.

Was noch viel schlimmer ist, als die Tatsache, dass du machen kannst, was du willst, ist, dass mein Kind nicht versteht, dass du scheisse bist. Und ich werde ganz bestimmt nicht die Person sein, die ihr diese Nachricht überbringt.

Ich überlasse es ihr, das herauszufinden.

Vielleicht würde ich dich nicht so sehr hassen, wenn du tatsächlich ein Vater wärst und nicht nur ein Babysitter. Wobei, Babysitter verbringen mehr Zeit mit Kindern als du mit deinem.

Wie kannst du nachts überhaupt schlafen? Wahrscheinlich, weil du kein Kleinkind hast, das dich nachts um zwei weckt, weil es mal muss oder weil es dir von einem Albtraum erzählen will.

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Ich kümmere mich gerne um all die Bedürfnisse meiner Tochter, aber ich wäre ab und zu auch gerne einfach 21 Jahre alt und sorgenfrei. Ich habe meinen Weg gewählt, aber nicht alleine.

Du hast dich einfach vor der Verantwortung gedrückt und das viel zu früh. Ich frage mich, wie es ist, du zu sein. Fragst du dich, wie es ist, ich zu sein und beide Rollen zu übernehmen? Warum hasse ich dein Leben und bewundere es gleichzeitig so sehr?

Warum ich dich hasse? Vielleicht liegt es daran, dass...

1) ... du einfach jederzeit überall hingehen und machen kannst, was du willst. Ich? Auf keinen Fall. Zuerst muss ich mich darum kümmern, dass wir nochmal auf dem Töpfchen waren, überlegen, ob sie Hunger bekommen wird, oder wird sie vielleicht ganz unausstehlich, weil sie keinen Mittagsschlaf gemacht hat? Mist, ist der Kinderwagen im Auto? Mit einer Dreijährigen kann man nicht einfach so aus dem Haus gehen.

2) ... dich noch nicht fremde Menschen in einem Geschäft angestarrt haben, weil dein Kind einen Tobsuchtsanfall hatte. Mich schon. Ich möchte dann weinen, während all diese Augen auf mich gerichtet sind und mich alle verurteilen. Apropos Geschäft, wie ist es eigentlich in einer Umkleide Sachen anzuprobieren, ohne dass dein Kind unter der Tür durchkrabbelt oder quängelt, weil es lieber in die Spielzeugabteilung will? Wie fühlt es sich an, nicht auf etwas zu verzichten, obwohl es dir gefällt, damit du etwas bezahlen kannst, dass deine Tochter gefunden hat und das ihre Augen leuchten lässt?

3) ... ich mich nicht an das letzte Mal erinnern kann, dass ich Essen gegangen bin und tatsächlich gegessen habe, bevor mein Essen kalt war. Wie ist es, mit jemandem zum Essen zu gehen und sich tatsächlich zu unterhalten? Meine Konversationen bestehen normalerweise aus “Mami, pusten.” “Mami, kleinschneiden.” “Mami, ich bin satt, ich will gehen, Tschüss.” Oder wie ist es, wenn du tatsächlich das essen kannst, was du auch bestellt hast? Die Hälfte der Zeit isst mein Kind mein Essen und ich muss dafür ihres aufessen.

4) ... ich mich frage, wie Ausgehen ist. Ich habe Keine Ahnung. Es sind erst drei Jahre. Meine Dates bestehen aus Scooby Doo und Käse-Makkaroni.

Vor allem hasse ich dich, weil meine Tochter glaubst, du seist wundervoll.

5) ... ich schon lange keine Nacht mehr durchgeschlafen habe. Kannst du mich bitte daran erinnern, wie schön es ist, nicht mitten in der Nacht geweckt zu werden, um dein Kind zur Toilette zu begleiten oder weil sie einen Albtraum hatte? Wie fühlt es sich an, zu schlafen, wenn dir kein Kleinkind in die Rippen tritt oder nur in deinem Arm schlafen kann?

6) ... ich dich möglicherweise hasse, weil du mit deiner Freundin und meinem Kind auf Familie machst. Vielleicht weil du die Lorbeeren für meine Mühen einsackst. Aufs Töpfchen gehen, Tischmanieren, Kleidung, ihre Intelligenz. Das habe alles ich gemacht. ALLEINE.

Vor allem hasse ich dich, weil deine Tochter glaubt, du seist wundervoll. Die zehn Stunden, die du pro Monat mit ihr verbringst, lassen sie glauben, du wärst der beste Mensch der Welt. 

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Das Lustige daran ist, dass du scheinbar genauso denkst. Natürlich ist es großartig, dass du keine Regeln aufstellen und durchsetzen musst.

Du musst dich nicht um Auszeiten und Falsch oder Richtig beschäftigen. Du darfst Spiele spielen und im Park Spaß haben.

Und ich? Nunja, ich muss Essen kochen, Gute-Nacht-Geschichten vorlesen, aus der Badewanne einen Abenteuerspielplatz machen. Ich muss gleichzeitig Geld verdienen, studieren und Mutter sein.

Ich arbeite, gehe zur Uni, bringe meine Tochter zu all ihren Terminen. Ich bin Supermama. Und wie dem auch sei, du bist die Liebe meiner Tochter nicht wert.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei Noonetellsthetruth und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

(tb)