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Münchnerin rechnet mit den Nachbarn ab: "Wisst ihr, was ihr euren Kindern antut?"

Das ist einfach nur asozial.

07/02/2018 16:49 CET | Aktualisiert 08/02/2018 13:37 CET

Sonntag, 7 Uhr. Endlich mal wieder ausschlafen, habe ich mich noch am Abend gefreut. Doch dann macht ihr, liebe Familie von oben, mir einen Strich durch die Rechnung.

Lautes Kindergeschrei weckt mich. Wie schon so oft in letzter Zeit.

Kinder eben, denke ich mir und drücke mir verschlafen ein Kissen auf die Ohren. Sie können ja nichts dafür.

Oben im Video: Dieses schockierende Video zeigt, wie sehr sich Kinder ein Vorbild an ihren Eltern nehmen

Eine Woche später, gleicher Tag, gleiche Zeit. Schon wieder schreien eure Kinder das ganze Haus zusammen. Wie können Kinder nur so verdammt laut sein? Langsam werde ich wütend. Auch auf mich. Denn ihr müsst wissen: Ich liebe Kinder. Aber eure Kinder gehen mir nur noch auf die Nerven. Eine Erkenntnis, die auch mich hart trifft.

Also nehme ich all meinen Mut zusammen und marschiere im Schlafanzug auf den Flur. Heute will ich euch endlich zur Rede stellen. Doch dann verfliegt plötzlich all meine Wut auf eure Kinder.

Denn ich sehe, wie eure fünfjährige Tochter vor der Haustür steht. Sie schreit wie verrückt, dicke Tränen kullern ihre Wangen herunter. Sie schluchzt und blickt mich hilfesuchend an. Auch sie scheint verzweifelt.

Aber ihr öffnet die Tür nicht

Ich knie mich vor dem Mädchen hin und frage es, was denn passiert sei. Dann die niederschmetternde Antwort: “Ich darf nicht rein.” Wie bitte? Ich kann es nicht glauben. Da muss das Kind etwas falsch verstanden haben. Ich klingele bei euch, liebes Pärchen.

Aber ihr öffnet die Tür nicht. Auch nach dem vierten Mal Klingeln nicht. Und in dem Moment wird mir eines bewusst: Eure Tochter hat nichts falsch verstanden. Ihr habt sie einfach schreiend in den Hausflur gestellt. Damit ihr nicht von dem Geschrei gestört werdet. Wahrscheinlich nicht zum ersten Mal.

Das ist einfach nur asozial.

Ihr wollt euch lieber mit euch beschäftigen als mit euren Kindern? Dann habe ich hier einen Rat für euch, der leider ein paar Jahre zu spät kommt: Schafft euch keine Kinder an!

Oder kümmert euch endlich um diese kleinen hilflosen Wesen. Gebt ihnen ein Zuhause und Geborgenheit. Hört ihnen zu und sprecht mit ihnen.

Wisst ihr eigentlich, was das mit euren Kindern macht?

Es ist längst kein Geheimnis mehr, was ihr euren Kinder damit antut, wenn ihr sie schreien lasst. Sie könnten Traumata entwickeln, die sie ihr ganzes Leben begleiten. Die fehlende Rückmeldung der Eltern signalisiert: “Du kannst so lange schreien, wie du willst, es hilft dir ja doch keiner.”

Wenn ein Baby oder auch ein Kind schreit, will es den Eltern etwas mitteilen. Ignoriert ihr die Schreie der Kleinen, schüttet ihr Körper automatisch Stresshormone aus.

Lasst ihr eure Kinder schreien, lernen sie “früh, auf ein Notfallprogramm im Gehirn umzuschalten, das analog dem Totstellreflex bei Tieren dem Überleben in absoluter Todesbedrohung dient”, warnen Wissenschaftler.

Mehr zum Thema: Das passiert mit den Körpern von Babys, die man schreien lässt

Ihr müsst endlich handeln!

Liebes Pärchen von oben: Unternehmt endlich etwas. Es gibt genügend Möglichkeiten. Kauft euch einen Erziehungsratgeber oder holt euch Hilfe, wenn ihr überfordert seid. Meldet euch beim Jugendamt, lasst euch endlich helfen. Vor dem Amt zuzugeben, dass ihr überfordert seid, heißt nicht, dass euch eure Kinder weggenommen werden.

In jeder größeren Stadt gibt es Erziehungsberatungsstellen, die ihr kontaktieren könnt. Hier bekommt ihr Tipps und die Unterstützung, die ihr dringend benötigt.

Aber eins müsst ihr dringend begreifen: Es ist keine Lösung, eure Kinder im Hausflur abzustellen. Denn damit ergaunert ihr euch vielleicht 30 Minuten Entspannung. Aber euer Kind wird ein Leben lang darunter leiden.

Hier finden überforderte Eltern Hilfe:

► Caritas

► Arbeiterwohlfahrt

Mehr zum Thema: Ein Hirnforscher erklärt, wie Eltern ihren Kindern den wichtigsten Aspekt ihrer Kindheit stehlen

(jds)