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11/01/2018 14:45 CET | Aktualisiert 11/01/2018 16:03 CET

Kandel-Mord: "Tagesthemen"-Kommentar sorgt bei Rechten für Hass-Welle

"Rechte versuchen die Wut in Hass umzuwandeln, das Entsetzen in Angst.”

  • In einem Kommentar kritisieren die “Tagesthemen” den Umgang mit Hass und Angst nach dem Mord von Kandel

  • Der Beitrag löst bei Rechten eine Welle der Empörung aus

  • Den Kommentar und die Reaktionen darauf seht ihr oben im Video

“Nur Mut. (...) Das sagt sich leicht, wenn man weit weg ist.” So beginnt Birgitta Weber ihren Kommentar in der “Tagesthemen” am Mittwoch. 

Weber spricht über den Fall des 15-jährigen Mädchens Mia aus Kandel, das mutmaßlich von einem angeblich gleichaltrigen Flüchtling in einem Drogeriemarkt erstochen wurde.

Familie und Freunde, aber auch Fremde hätten hinterher Mitgefühl und Empathie gezeigt. Für Weber das absolut richtige Verhalten: “Gefühle sind richtig und wichtig”, stellt die Kommentatorin klar. 

Doch diese Gefühle werden laut Weber missbraucht:

“Kühl kalkuliert von NPD, von AfD-Politikern, von Rechten. Sie versuchen die Wut in Hass umzuwandeln, das Entsetzen in Angst.”

“Missbrauch von Mias Tod”

Weber spricht vom “Missbrauch von Mias Tod” und davon, dass viele Menschen dadurch verstummen würden.

Besonders in der Debatte um die Altersfeststellung junger Flüchtlinge bezögen Politiker keine deutliche Position, sagt Weber. Es ertöne nur ein “vielstimmiger Chor”.

“Wenn der Eindruck entsteht, der deutsche Staat lasse sich hinters Licht führen, dann macht man es den Hetzern leicht.”

Vor allem in dieser Zeit sei es sehr wichtig, dass sich Menschen ihre Empathie nicht nehmen ließen. Weder für Opfer wie Mia noch für Flüchtlinge. 

Wenig überraschend: Diesen unmissverständlichen “Tagesthemen”-Kommentar nehmen Rechte nun zum Anlass, eine neue Welle der Empörung loszutreten. 

Hetzer werfen “Tagesthemen” “abartige Staatspropaganda” vor

Laut AfD-Politiker Frank Pasemann seien die “Tagesthemen” in ihrer “Widerwärtigkeit kaum zu ertragen”.

Er schreibt auf Twitter: “Selbst nach dem Mord von Kandel an Mia null Einsicht. Immer weniger Bürger wollen für so etwas auch noch Rundfunkbeitrag zahlen müssen.” 

Und Pasemann bekommt Zustimmung: “Der Staatsfunk missbraucht den Tod von Mia, um ihre Multikulti-Propaganda trotz offensichtlichem Scheitern weiter unter die Leute zu bringen. Einfach nur noch krank”, schreibt jemand.

Rechte Hetzer werfen den “Tagesthemen” vor, keine “unabhängige Berichterstattung” zu betreiben und stattdessen ”abartige Staatspropaganda” und “politische Instrumentalisierung” zu betreiben. 

Diesen Leuten wird Webers einfache, aber kraftvolle Botschaft am Ende ihres Kommentars auch nicht gefallen.

Sie fordert in der Debatte: “Nur Mut!”

(mf)

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