POLITIK
24/01/2018 15:51 CET | Aktualisiert 24/01/2018 16:32 CET

Migrationsforscher legt belastbare Zahlen zum Familiennachzug vor

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Kai Pfaffenbach / Reuters
Ein Migrationsforscher der Bundesagentur für Arbeit rechnet mit 50.000 bis 60.000 Flüchtlingen, falls der Familiennachzug wieder erlaubt wird.

Der Familiennachzug war eines der heiß diskutierten Themen in den Sondierungsgesprächen zwischen Union und SPD. Nun legt ein Migrationsforscher Zahlen vor, die die Diskussion beeinflussen könnten.

Das ist passiert: 

► Der Chef der Migrationsforschung des Instituts der Bundesagentur für Arbeit, Herbert Brücker, präsentiert erstmals belastbare Zahlen für den Familiennachzug von Flüchtlingen mit eingeschränktem Schutzstatus.

► Brücker geht davon aus, dass zwischen 50.000 und 60.000 Menschen nach Deutschland kommen würden, wenn der Familiennachzug gewährt werden würde. Er sprach sich im ARD-Morgenmagazin klar für diese Option aus.

► Erhoben haben Brücker und sein Institut die Zahl in repräsentativen Befragungen unter Flüchtlingen. Das Ergebnis sei sehr belastbar, betonte Brücker am Mittwoch im ARD Morgenmagazin.

► Die Aussetzung des Familiennachzugs betrifft vor allem Menschen aus Syrien. Auch nach dem Ende des Krieges, seien sie von Verfolgung bedroht, sagte Brücker im Ersten.

Darum ist es wichtig: 

Im Jahr 2015 reformierte die Bundesregierung das Asylrecht. Nun war der Familiennachzug auch für subsidiär Schutzbedürftige erlaubt. Das sind Menschen, die zwar laut Genfer Konvention keine offiziellen Flüchtlinge sind, deren Leib, Leben oder Freiheit jedoch trotzdem bedroht sind.

Daraufhin stieg die Zahl der Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten drastisch an – so sehr, dass die Bundesregierung den Familiennachzug am 17. März 2016 mit Zustimmung der SPD für zwei Jahre aussetzte.

Für Familien ist es sehr belastend, wenn sie dauerhaft getrennt sind. Wer davon betroffen ist, so Brücker, weise eher Anzeichen einer Depression auf und könne sich schlechter integrieren.

Was ihr noch wissen müsst:

► Der Familiennachzug ist ein großer Streitpunkt zwischen Union und SPD. Auch in den Sondierungsgesprächen spielte das Thema eine wichtige Rolle.

► Die beiden Parteien hatten sich darauf geeinigt, dass jeden Monat 1.000 Menschen im Rahmen des Familiennachzugs für subsidiär Schutzbedürftige nach Deutschland kommen dürfen.

► Voraussetzung dafür sei, dass eine Ehe vor der Flucht geschlossen worden sei und eine baldige Ausreise nicht abzusehen sei. Außerdem dürfe keine schwerwiegende Straftat vorliegen.

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(amr)