POLITIK
12/02/2018 06:30 CET | Aktualisiert 12/02/2018 08:48 CET

CDU-Politiker loben Merkels ZDF-Interview – doch einige sind immer noch wütend

"Etwas anderes konnte sie ja nicht sagen."

dpa
Angela Merkel auf dem Weg zu weiteren vier Jahren als Kanzlerin?
  • Bundeskanzlerin Merkel hat im ZDF-Interview am Sonntagabend die GroKo-Ergebnisse verteidigt und eine personelle Erneuerung ihrer Partei versprochen
  • Die Reaktionen auf ihre Aussagen fielen jedoch gemischt aus 

Mit Spannung war der Auftritt der Kanzlerin im ZDF erwartet worden.

Angela Merkel wollte im Interview mit “Berlin Direkt” am Sonntagabend die GroKo-Ergebnisse verteidigen – und so die Kritiker in ihrer eigenen Partei beruhigen, die gegen den Ressortzuschnitt gewettert und neue Gesichter in der Regierung gefordert hatten. 

Ganz ist ihr das nicht gelungen.

“Die Kanzlerin hat verstanden”

Zwar reagierten viele CDU-Größen positiv auf das Interview der Kanzlerin. Aber nicht allen reichen die Zusagen von Merkel aus. Es brodelt weiter in der Partei.

Merkel hatte im ZDF-Interview am Sonntag eine personelle Erneuerung versprochen: “Jetzt geht es doch darum, Personen Chancen zu geben, die ihre politische Zukunft noch vor sich haben oder mitten drin sind.” 

► Ihr Partei-Stellvertreter, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, lobte die Worte von Merkel: “Die Kanzlerin hat verstanden.”

Sie werde der CDU “ein klares Signal in Richtung personelle Erneuerung vor dem Parteitag geben.”

► Auch Thüringens Landesparteichef Mike Mohring sprach in der “Bild”-Zeitung von einem “wichtigen Schritt nach vorn”.

Nicht alle Reaktionen fielen so positiv aus.

“Eine Herrscherin, die nicht loslassen kann?”

► CSU-Politker Peter Gauweiler kritisierte in der “Bild” Merkels Bekräftigung, auch die nächsten vier Jahre als Kanzlerin im Amt bleiben zu wollen.

“Sie sollte langsam darüber nachdenken, was sie in 50 Jahren gern über sich in den Geschichtsbüchern lesen würde: Eine Herrscherin, die nicht loslassen kann?“, fragte Gauweiler.

► Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Merkel-Kritiker Klaus-Peter Willsch zeigte sich enttäuscht: “Der Versuch, mit dem üblichen ‘Weiter so’ das schlechte Verhandlungsergebnis und die Wahlschlappe von September schönzureden, hat mich nicht überzeugt.”

Er fügte hinzu: “Wir müssen uns in der CDU schon jetzt überlegen, wie wir uns ohne Merkel personell neu aufstellen.”

► Auch der Merkel gegenüber kritisch eingestellte Bundestagsabgeordnete Olav Gutting (CDU) war unzufrieden mit dem Interview: “Etwas anderes konnte sie ja nicht sagen”, murrte er. 

Er geht aber davon aus, dass die Kanzlerin den Frust an der Basis erkannt habe.

Mehr zum Thema: So erklärt Merkel im ZDF-Interview das GroKo-Debakel der CDU

Die CDU will neue Gesichter

► Der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, erweiterte seine Forderung über das Kabinett hinaus.

“Die gesamte Bandbreite der Partei sollte sich wiederfinden”, sagte er der “Passauer Neuen Presse” am Montag. “Dabei geht es mir aber nicht nur um die Regierung, sondern auch um Fraktion und Partei.”

► Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schuster, der ebenfalls zum konservativen Flügel zählt, verlangte ein Tableau an Ministern, das für Erfahrung, Aufbruch und neues Selbstbewusstsein steht.

“Das gilt besonders für die Funktion des Generalsekretärs”, sagte er der “Rheinischen Post”. Amtsinhaber Peter Tauber ist schwer krank und ohnehin intern umstritten.

Fazit: Die Stimmen, die nach einer personellen Erneuerung der CDU verlangen, sind auch nach Merkels ZDF-Interview nicht leiser geworden.

Die CDU wird am 26. Februar einen Bundesparteitag abhalten, um über den Koalitionsvertrag mit der SPD abzustimmen. Der Druck auf Merkel wird bis dahin wohl anhalten.

Mit Material der dpa.

(ben)