POLITIK
10/01/2018 12:51 CET

CDU-Konservative kritisieren Sondierungen: "Es geht nur um Merkels Machterhalt"

"Ich glaube tatsächlich, dass alles besser wäre als Merkel.”

POOL New / Reuters
  • In der Union formiert sich neuer Widerstand gegen die GroKo
  • Eine konservative Gruppe innerhalb der Partei will nun Merkel stürzen

Die Zeit drängt.

Bis Donnerstag wollen Union und SPD Ergebnisse für ein erstes Sondierungspapier präsentieren. Die Verhandlungen werden zum Hauruck-Prozess.

Gleichzeitig mehren sich auch in der Union die Zweifler an einer neuen schwarz-roten Regierung. Nach dem Wirtschaftsrat positioniert sich nun eine größere Gruppe konservativer CDU- und CSU-Mitglieder gegen die GroKo.

Alexander Mitsch, Vorsitzender des sogenannten Freiheitlich-Konservativen Aufbruchs, sagt der HuffPost: “Wir lehnen die Koalition der großen Verlierer ab.”

Die erste Woche der Sondierungen habe gezeigt, dass es “im Grunde nur um den Machterhalt von Frau Merkel” gehe. Die Positionen der Union seien hingegen nicht klar geworden.

“Außer den Themen Machterhalt und Merkel gibt es kaum noch Positionen für die CDU und CSU ernsthaft eintreten”, erklärt Mitsch.

“Viele Abgeordnete sind nicht zufrieden”

Mitsch ist seit über 30 Jahren Mitglied der CDU, sitzt in zwei Kreisvorständen. Er führt eine kleine konservative und wirtschaftsliberale Rebellengruppe in der Union an, die sich seit der Gründung im vergangenen Jahr immer wieder Gehör verschafft hat.

Doch die Unzufriedenheit der Konservativen ist längst kein Randphänomen mehr.

“Ich kenne viele Bundestagsabgeordnete, die nicht zufrieden sind”, betont Mitsch. Unionsabgeordnete, die in Wahrheit gegen eine Große Koalition seien. “Es herrscht eine Art Schockstarre, eine Angst vor Neuwahlen und um die eigene Karriere”, glaubt er.

Nach außen würde die Partei jedoch versuchen, geschlossen zu wirken.

“Alles wäre besser als Merkel”

Die Mitglieder des Freiheitlich-Konservativen Aufbruchs fordern indes – wie auch in der SPD –, eine Mitgliederbefragung. Nicht nur, ob die Union in eine Koalition eintreten soll, sondern auch über den CDU-Vorsitz.

Mitsch hat dazu eine klare Meinung: “Ich glaube tatsächlich, dass alles besser wäre als Merkel.” Diese sei als Parteichefin nicht mehr tragbar, aus vier Gründen.

► Die Partei dürfe nicht mehr länger aus dem Kanzleramt regiert werden, findet er.

► Merkels Kurs habe zu einem historischen Wahldebakel geführt.

► Inhaltlich sei die Union in den vergangenen Jahren entkernt worden.

► Nach über einem Jahrzehnt Merkel sei es Zeit für eine Übergabe des Vorsitzes in jüngere Hände.

“Wir haben 10-20 Leute, die übernehmen können”

Die Argumente, es habe sich noch kein Nachfolger in Stellung gebracht, will er nicht gelten lassen.

“Hätten Sie gedacht, dass Frau Merkel mal so wichtig werden würde?”, fragt Mitsch. Ein neuer Parteivorsitzender müsse sich seine Sporen immer erst verdienen.

In der Union gebe es zehn bis zwanzig Leute, die für einen Wechsel in Frage kommen würden. “Sie trauen sich noch nicht aus der Deckung, weil keiner der Königsmörder sein will”, glaubt der CDU-Rebell.

Auch Mitsch selbst hat bereits Ideen, wer auf Merkel folgen könnte.

Er sagt: “Thomas Strobl aus Baden-Württemberg könnte ich mir vorstellen, Carsten Linnemann als Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung – aber auch Paul Ziemiak perspektivisch. Und da bin ich lange noch nicht am Ende.”

(mf)