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09/02/2018 07:35 CET | Aktualisiert 09/02/2018 10:15 CET

"Demütigung": CDU-Größen attackieren Merkel wegen GroKo-Ergebnis

"Die Autorität der Kanzlerin ist erschüttert."

Inga Kjer via Getty Images
Muss sich vielen Mitstreitern aus der CSU erklären: Bundeskanzlerin Angela Merkel. 
  • Die CDU kommt nach dem Durchbruch bei den Koalitionsverhandlungen mit der SPD nicht zur Ruhe
  • Jetzt attackieren einflussreiche CDU-Politiker Bundeskanzlerin Angela Merkel für das GroKo-Ergebnis

Lange hatte die CDU darauf gedrängt, eine Große Koalition mit der SPD eingehen zu können. Selbst Vertreter des konservativen Flügels, wie Jens Spahn, hatten den Sozialdemokraten Druck gemacht, endlich gemeinsame Regierungsverantwortung zu übernehmen. 

Allerdings gab es dabei immer eine Bedingung: Die SPD müsse sich in einer Neuauflage der GroKo an den Wünschen der CDU orientieren. 

Nun scheint es genau anders herum gekommen zu sein. Die Koalitionsverhandlungen waren für die SPD ein Erfolg. Die Partei besetzt wichtige Ministerien und hat auch inhaltlich einige ihrer Vorhaben in den finalen Koalitionsvertrag gebracht. 

Und auf einmal herrscht in den Reihen der CDU nicht mehr nur Vorfreude, sondern auch Wut. Vor allem auf Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

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“Dann hat sich die CDU selbst aufgegeben”

So sagte der frühere CDU-Fraktionschef Friedrich Merz der “Bild”-Zeitung”: “Wenn die CDU diese Demütigung auch noch hinnimmt, dann hat sie sich selbst aufgegeben.” 

Auch der Außenpolitiker Norbert Röttgen beklagt in der Zeitung die schwache Ämter-Ausbeute seiner Partei. “Die CDU ist damit innerhalb des Regierungsapparats strukturell geschwächt und verliert an Einfluss“, sagte Röttgen.

Der Bundestagsabgeordnete Michael von Abercorn ging noch weiter: “Die Autorität der Kanzlerin ist nicht nur innerhalb der Partei erschüttert, sondern auch in ihrer Amtsführung als Regierungschefin.”

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“Ein politischer Fehler”

Schon in den vergangenen Tagen hatten mehrere CDU-Politiker Kritik an den Verhandlungsergebnissen mit der SPD geäußert. 

“Der Kabinettszuschnitt, so wie er jetzt da ist, ist ein politischer Fehler”, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten am Donnerstag.

Der Mittelstandspolitiker betonte in der ARD: “Gerade das Finanzministerium abzugeben, wird bei den CDU-Mitgliedern nicht gerade für Begeisterungsstürme sorgen.”

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► Auch Daniel Günther, Ministerpräsident in Schleswig-Holstein, äußerte sich unzufrieden – und forderte einen personellen Neuanfang.

Während des monatelangen Ringens um eine Regierungsbildung sei bei den Bürgern Vertrauen verloren gegangen, sagte er der “Welt”. Um es zurückzugewinnen, brauche es neue Köpfe. 

Die gleiche Forderung stellte Paul Ziemiak, der Chef der Jungen Union, am Freitagmorgen im Deutschlandfunk. Er betonte aber, dass er “frische Köpfe” meine und auch alteingesessene Politiker diese haben könnten. 

Weit dramatischer äußerte sich hingegen schon am Vortag der CDU-Mittelstandschef Carsten Linnemann. Er befürchtet nach den Groko-Verhandlungen nun sogar ein “Ende der Volkspartei CDU”

(mf)