POLITIK
12/12/2017 22:02 CET | Aktualisiert 12/12/2017 22:07 CET

Merkel besucht Breitscheidplatz: Diese Bilder dürften ihren Kritikern nicht gefallen

Diese Bilder dürften viele Merkel-Kritiker eher noch wütender machen.

Handout via Getty Images
Auf dem Weihnachtsmarkt spricht Merkel mit Betroffenen.
  • Nach Kritik von Hinterbliebenen hat Kanzlerin Merkel den Breitscheidplatz besucht
  • Sie erinnere damit  an die Opfer des Berliner Terroranschlags 
  • Doch die Kritik an ihrem Umgang mit den Angehörigen reißt nicht ab

Mit einem überraschenden Besuch des Weihnachtsmarkts an der Berliner Gedächtniskirche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) der Opfer des Terroranschlags vor einem Jahr gedacht.

Sie kam am Dienstagabend für eine rund 30-minütige Visite zum Breitscheidplatz, wo sie auch den Weihnachtsmarkt besuchte.

Hinterbliebene der Opfer des Terroranschlags hatten sich zuvor über die aus ihrer Sicht mangelnde Fürsorge des Staates nach dem Anschlag beklagt. Sie warfen Merkel in einem offenen Brief Untätigkeit und politisches Versagen vor.

An der Stelle des Anschlags, wo immer wieder Blumen abgelegt und Kerzen angezündet werden, verharrte Merkel zusammen mit dem Chef des Berliner Schaustellerverbandes, Michael Roden, und dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft City, Klaus-Jürgen Meier. Anschließend legten sie jeder eine weiße Rose nieder.

Dass die ausgelassen wirkenden Bilder, die von Merkels Besuch entstanden, die Kritiker ruhig stellen werden, ist derweil unwahrscheinlich.

dpa
Merkel ließ sich mit Passanten fotografieren.

Die Kanzlerin spricht mit Betroffenen

Auf dem Weihnachtsmarkt unterhielt sich die Kanzlerin mit Passanten, Besuchern und Budenbetreibern. Sie wollte zwischen Glühweinständen und Bratwurstbuden auch ihre Solidarität mit den Betroffenen ausdrücken.

Merkel sprach auch mit Susanne Wollenschläger, an deren Stand zwei Menschen gestorben waren, sowie mit dem Schausteller Max Müller, dessen Stand komplett zerstört worden war.

Am Stand Berliner Weihnachtsterrassen, besser bekannt als “Pufferelse”, ließ sich die Kanzlerin einen Glühwein einschenken - allerdings alkoholfrei. Beim Besitzer des Standes, Axel Kaiser, und seinen Mitarbeitern bedankte sie sich für ihren Einsatz vor einem Jahr.

An Kaisers Stand wurden damals leicht verletzte Opfer versorgt. Kaiser berichtete, wie er Polizisten weinen sah. Den Besuch der Kanzlerin bezeichnete er als tolle Geste und Zeichen, dass der Weihnachtsmarkt sicher sei.

12 Menschen waren hier gestorben

Bei dem nicht angekündigten Besuch informierte sich Merkel auch bei Polizisten der mobilen Wache. Nach dem Attentat waren auf vielen Weihnachtsmärkten die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.

Bei dem Anschlag mit einem entführten Lastwagen tötete der islamistische Terrorist Anis Amri am Abend des 19. Dezember vergangenen Jahres 12 Menschen und verletzte etwa 70. Amri wurde vier Tage später auf der Flucht in Italien von Polizisten erschossen.

An der zentralen Gedenkveranstaltung zum Terroranschlag nimmt neben Merkel in der kommenden Woche auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teil. Steinmeier wird bei der religionsübergreifenden Andacht am Morgen des 19. Dezembers in der Gedächtniskirche direkt am Tatort sprechen. Merkel gehört nicht zu den Rednern.

dpa
Merkel an einem Bratwurststand.

Die Kritik wird derweil nur lauter

Während Merkel den Weihnachtsmarkt besuchte, wurde auch in der SPD Kritik am Krisenmanagement der Kanzlerin laut.

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer des Anschlags auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, Kurt Beck (SPD), äußerte für die Kritik am Umgang der Bundeskanzlerin mit den Angehörigen der Opfer am Dienstag Verständnis.

Auch von Angela Merkel (CDU) sei ein Treffen mit den Angehörigen erwartet worden, sagte Beck der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” (Mittwoch). Die Betroffenen hätten das Gefühl, “dass ihr Opfer nicht ausreichend gewürdigt worden ist”. 

Hinterbliebene der Opfer des Terroranschlags hatten sich zuvor über die aus ihrer Sicht mangelnde Fürsorge des Staates nach dem Anschlag beklagt. Sie warfen Merkel in einem offenen Brief Untätigkeit und politisches Versagen vor.

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Merkel im Gespräch mit Überlebenden des Attentats. 

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