LIFESTYLE
03/01/2018 10:57 CET | Aktualisiert 03/01/2018 12:46 CET

Studie: Wie wir kranke Mitmenschen bereits auf einem Foto erkennen

Die Studie warnt auch vor der Fehleranfälligkeit.

  • Müde Menschen werden sozial häufiger gemieden
  • Das könnte daran liegen, das wir Krankheit erkennen

“Du siehst krank aus.” Diesen Satz sollten Angesprochene vielleicht nicht ignorieren.

Denn eine Studie hat nun ergeben: Menschen können oft schon auf einem Foto erkennen, ob der Abgebildete krank ist.

KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Menschen sehen, wer krank ist

 Das fanden Forscher vom Karolinska-Institut in Stockholm heraus. Das Team um den Neurowissenschaftler und Schlafforscher John Axelsson injizierte Probanden ein Colibakterium, das eine Entzündungsreaktion hervorrief. Eine Kontrollgruppe bekam Placebo gespritzt.

Zwei Stunden nach der Injektion wurden Fotos von den Testpersonen gemacht. Eine weitere Probandengruppe hatte daraufhin wenige Sekunden Zeit, um zu beantworten, ob die Abgebildeten krank oder gesund sind.

Tatsächlich erkannten die Testpersonen 81 Prozent der Erkrankten, was der Studie zufolge gegen Zufallstreffer spricht.

Woran Menschen Krankheit erkennen

Doch die Forscher interessierte auch, welche Hinweise aus den Fotos genau zu den Diagnosen führten.

In einer zweiten Sichtungsrunde wurden daher bestimmte Krankheitsmerkmale, die sich im Gesicht ablesen lassen, abgefragt. Dazu gehörten:

  • blasse Lippen,
  • bleiche Gesichtsfarbe,
  • fleckige oder glänzende Haut,
  • hängende Mundwinkel,
  • Schwellungen oder
  • rote Augen.

Mit Ausnahme der fleckigen oder glänzenden Haut waren alle diese Merkmale Faktoren, um eine kranke Person zu erkennen.

Die Ergebnisse sind im Fachblatt “Proceedings B” der britischen Royal Society veröffentlicht.

Aber man kann auch nur krank wirken

Für die Wissenschaftler gibt ihre Studie Hinweise darauf, wie die Probanden kranke Menschen erkennen konnten. Gerade mit Blick auf ansteckende Krankheiten wäre diese Fähigkeit ein enormer biologischer Vorteil.

Doch die Forscher weisen auch darauf hin, dass diese rein visuelle Analyse fehleranfällig sein kann. So könnten traurige oder müde Gesichter im Zweifelsfall auch krank wirken.

Tatsächlich deckt sich diese Theorie mit anderen Studien, die ergeben haben, dass müde Menschen öfter sozial gemieden werden.

Tatsächlich deckt sich diese Theorie mit anderen Studien, die ergeben haben, dass müde Menschen öfter sozial gemieden werden.

Auch die häufige Stigmatisierung sichtbarer Behinderungen folge aus übermäßigen Krankheitsvermeidungsmechanismen, wie die Autoren der Studie schreiben.

Gerüche und Bewegungen sollen erforscht werden

Nichtsdestotrotz gebe ihre Arbeit Anstöße, weiter zu erforschen, wie kranke Mitmenschen erkannt werden. So sei zu vermuten, dass dies besser gelinge, wenn zum Beispiel auch Körpergerüche oder Bewegungen beobachtet werden können.

Zudem wäre zu prüfen, ob man diese Fähigkeit auch üben kann.

Die Autoren schließen: “Künftige Studien sollten untersuchen, inwiefern sich Gesichtsausdrücke, die eine Krankheit bedeuten, mit denen grundlegender menschlicher Emotionen wie Sorge oder Angst überschneiden und wie schnell Menschen bei ihren Mitmenschen nach Anzeichen von Krankheiten suchen.”