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09/02/2018 14:36 CET | Aktualisiert 09/02/2018 15:31 CET

Pilgerfahrt nach Mekka: Immer mehr Frauen berichten von sexuellen Übergriffen

“Meine Erfahrung in der heiligen Stadt wird überschattet von diesem schrecklichen Zwischenfall”, sagt eine Frau.

Anadolu Agency via Getty Images
834 Nutzer haben berichtet, dass sie während ihrer Pilgerfahrt belästigt wurden.
  • Die Pakistanerin Sabica Khan hat offen darüber geschrieben, wie sie auf ihrer Pilgerfahrt nach Mekka sexuell belästigt wurde
  • Viele muslimische Frauen und Männer fühlen sich dadurch ermutigt, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen

Mindestens einmal im Leben ist ein gläubiger Muslim verpflichtet, sich auf die Reise in die Heilige Stadt Mekka zu begeben.

Diese Pilgerfahrt, der Haddsch, gehört zu den fünf Säulen des Islam und hat eine hohe Bedeutung für Gläubige: Sie wollen sich vom Alltag lösen und Allah nahekommen. Besonders an der Kaaba, einem schwarzen würfelartigem Gebäude im Zentrum der heiligen Moschee, fühlen sich viele Muslime Allah stark verbunden.

Diese Kaaba umrunden sowohl Frauen als auch Männer gemeinsam siebenmal. Immer dichter werdende Massen drängen sich dabei näher an den Würfel heran. Ein Moment des Friedens und der Innigkeit mit der eigenen Religion – doch offenbar auch der passende Zeitpunkt, um sich unbemerkt an den Pilgern zu vergreifen.

“Nicht mal an heiligen Orten sicher”

► Die Pakistanerin Sabica Khan hat in einem offenen Facebook-Post ihre Erfahrungen geteilt, die sie an der Pilgerstätte gemacht hat: “Es ist traurig zu sagen, dass du nicht mal an heiligen Orten sicher bist.”

Sie habe sich missbraucht gefühlt und es sei ihr nicht möglich gewesen zu sprechen, schrieb Khan. Keiner hätte ihr Vertrauen geschenkt oder geglaubt, deshalb habe sie geschwiegen.

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Mit ihren offenen Worten richtete sich Sabica Khan auch an alle anderen muslimischen Frauen: “Ich glaube, dass es völlig OK, sogar wichtig ist, offen über Belästigung zu sprechen.”

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Viele Frauen beschreiben ihre Erfahrungen

► Und ihr Aufruf hat Wirkung gezeigt: 834 Nutzer haben ihren Post bereits kommentiert.

Darunter beschreiben viele Frauen, wie auch sie während ihrer Pilgerfahrt belästigt wurden.

“Ich fühle mich beschämt zuzugeben, dass auch ich ‚das’ während des Tawaf erleben musste. Ich konnte mich nicht mal vor den lustvollen Blicken einiger Shaytans (Teufeln) schützen.”

“Mir ist es auch passiert, als ich 17 Jahre alt war und den Haddsch gemacht habe. Ich fand und finde noch immer keine Worte, um es zu beschreiben.”

Viele beglückwünschen Sabica Khan auch zu ihrem mutigen Schritt

“Ich bin so stolz auf dich, dass du es laut ausgesprochen hast. Herzlichen Glückwunsch, du bist mutig, stark und du wirst in dieser Gesellschaft dringend gebraucht.”

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► Auch Männer zeigen nicht nur ihre Unterstützung, sondern teilen ihre eigenen Erlebnisse mit sexuellen Übergriffen.

“Nicht nur Frauen! Ich habe diese Erfahrung auch gemacht, als ich noch sehr jung war. So traurig!”

“Ich glaube dir, Schwester. Ich persönlich kenne einige ähnliche Vorfälle, seltsamerweise auch gegen ein zwölfjähriges männliches Kind.”

Sie fühlen sich ermutigt, nicht mehr zu schweigen

Über 4.700 Likes hat ihr mutiger Post bereits erreicht und mehr als 2600 Nutzer haben Sabica Khans Worte geteilt.

Das bisherige Fazit der Nutzer: Selbst der wichtigste Ort des Islams, wo die tiefste Verbundenheit mit Allah herrschen sollte, bleibt nicht frei von sexueller Belästigung. Und Mekka scheint wohl nur eines von vielen negativen Beispielen zu sein.

Ob sich durch Khans Statement daran wirklich etwas ändern wird, bleibt fraglich. Doch zumindest fühlen sich muslimische Frauen und Männer ermutigt, nicht mehr stillzuschweigen.

(ks)