POLITIK
08/01/2018 15:22 CET | Aktualisiert 08/01/2018 23:08 CET

May stellt ihr Kabinett neu auf – schon beim 1. Tweet geht alles schief

Der falsche Politiker war für einen Posten verkündet worden.

Simon Dawson / Reuters
Großbritanniens Premierministerin Theresa May mit ihrem Team
  • Die britische Premierministerin May will am Montag ihr Kabinett neu aufstellen
  • Doch schon beim Auftakt ging einiges schief

15 Minuten war Chris Grayling am Montagvormittag der neue Vorsitzende der konservativen Partei Großbritanniens. Zumindest laut dem offiziellen Twitter-Account der Tories.

Das Problem: Offensichtlich hatte jemand bei den Tories einen Fehler gemacht. Denn nach kurzer Zeit verschwand der Tweet, der Grayling als neuen Vorsitzenden ankündigt hatte – und Graylings 15 Minuten Ruhm waren vorbei.

Tatsächlich hatte Großbritanniens Premierministerin Theresa May eine große Neuaufstellung ihres Kabinetts für diesen Montag angedeutet – ein schwarzer Wagen nach dem anderen mit einem konservativen Politiker darin fuhr vor der No. 10 Downing Street, dem Amtssitz der Premierministerin, vor.

Allerdings: Schon der Auftakt zum großen Regierungsroulette verlief durch das Twitter-Chaos denkbar schlecht. Und es sollte nicht der einzige peinliche Fehler bleiben.

Ein neuer Posten als Kampfansage an die EU?

Bereits in den vergangenen Monaten verlor May einige ihrer engsten Vertrauten im Kabinett. 

Damian Green trat kurz vor Weihnachten nach einem Skandal um Pornos und Vorwürfen wegen sexueller Belästigung als Kabinettschef zurück.

► Zuvor trat Verteidigungsminister Michael Fallon wegen ähnlichen Anschuldigungen zurück.

Laut Medienberichten aus Großbritannien will May nun bis zu sechs Ministerposten neu besetzen. Als Wackelkandidaten gelten Justizministerin Justine Greening, Wirtschaftsminister Greg Clark und Andrea Leadsom, die als Fraktionssprecherin an Kabinettssitzungen teilnimmt.

May will mit der Neubesetzung auch ihre Autorität als Premierministerin unterstreichen. Das britische Kabinett ist gespalten bei der Haltung über den Brexit.

Außenminister Boris Johnson und andere wollen einen harten Brexit, bei dem Großbritannien nach dem Austritt keine engen Verbindungen mehr zur EU unterhalten würde. Premierminister Theresa May dagegen machte zuletzt Zugeständnisse an die EU.

Auch einen neuen Posten als Vorbereitung für einen Brexit ohne Abkommen mit der EU, dem sogenannten No-Deal-Szenario, soll es geben. 

Der Schritt sei ein Signal an Brüssel, dass es London ernst meint, die EU auch dann zu verlassen, falls die Brexit-Verhandlungen scheitern, hieß es in einem Bericht des “Telegraph” am Montag.

Mehr zum Thema: “Die Killer-Graphik”: Mit diesem Zettel setzt die EU Großbritannien unter Druck

Beim nächsten Tweet folgt der nächste Fehler

Seit 2016 war Patrick McLoughlin der Parteivorsitzende der Tories. Sein Abgang war von vielen Beobachtern erwartet worden. Nicht nur verloren die Konservativen bei der Neuwahl 2017 ihre Parlamentsmehrheit, ihre Mitgliederzahl sank unter McLoughlin auf 70.000. 2005 waren es 250.000.

Nach dem Missgeschick mit der falschen Ankündigung von Chris Grayling als Parteivorsitzender ist nun bekannt: Brandon Lewis, bisher Einwanderungsminister, übernimmt den Posten.

Lewis erhält wie Grayling das Amt eines Ministers ohne Geschäftsbericht. Aber auch diese Ankündigung musste der Twitter-Account der Tories zunächst wieder löschen. Denn im entsprechenden Tweet hatte sich ein Rechtschreibfehler eingeschlichen.

Und: Kurz zuvor war der Internet-Auftritt der Konservativen nicht mehr abrufbar.

Ein Malheur nach dem anderen: Bei der Neuaufstellung des Kabinetts an diesem Montag wurden die Tories offenbar vom Pech verfolgt.

(jg)