POLITIK
24/01/2018 05:29 CET | Aktualisiert 24/01/2018 07:52 CET

Lanz fragt Juso-Chef Kühnert nach Schulz' Zukunft – der lässt ihn auflaufen

Wieder und wieder hakte der Moderator nach, um Kühnert zu Kritik an Schulz zu bewegen. Vergebens.

Screenshot / ZDF
Lanz drängte Kühnert, sich kritisch über SPD-Chef Schulz zu äußern – doch der Juso-Chef blieb stets souverän.
  • Markus Lanz hat Juso-Chef Kevin Kühnert in seiner Talk-Show gedrängt, über Martin Schulz zu lästern
  • Doch der junge Sozialdemokrat ging nicht darauf an – sondern analysierte trocken die Probleme seiner Partei

Sein “Nein” hat Kevin Kühnert innerhalb weniger Wochen bekannt gemacht. Der Chef der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos kämpft leidenschaftlich gegen eine neue Koalition der SPD mit der Union.

Am Dienstagabend versuchte Kühnert im ZDF bei “Markus Lanz”, die Probleme seiner Partei zu erklären.

Oder vielmehr: Er bemühte sich darum – denn Moderator Lanz ließ ihn häufig nicht ausreden, sondern versuchte Kühnert zu entlocken, dass der Juso-Chef den Parteivorsitzenden Martin Schulz stürzen möchte.

Kühnert: “Es geht um die Zukunft der SPD”

Kühnert umschrieb in einem Satz, warum der SPD-Parteitag in Bonn am Sonntag so bedeutsam war:

 “An diesem Tag ist klar geworden, dass es nicht um den Zwergenaufstand der Jusos geht, sondern um die Zukunft der Sozialdemokraten.”

Lanz war zunächst allerdings mehr am Innenleben Kühnerts interessiert. “Ganz Europa schaut auf Sie”, versuchte der Moderator Kühnert die Dimension seiner Haltung klar zu machen. “Und ganz genau genommen, haben Sie die Kanzlerin in der Hand. Wie fühlt sich das an?” Lanz fragte den jungen Politiker sogar, ob er sich bei seinen Eltern Rat einhole.

Kühnert ließ sich darauf allerdings nicht ein. Er sei überzeugt von seinem Kurs, war die Antwort des Sozialdemokraten.

Er erklärte noch einmal, warum er so kategorisch gegen eine Neuauflage der GroKo ist. 

“Mir hat keiner erklären können, was die grundlegend andere Situation ist”, die dazu geführt habe, über eine Koalition mit der Union zu verhandeln. Gespräche mit CDU und CSU seien in Ordnung, aber es gebe mehr Möglichkeiten als nur ein festes Regierungsbündnis.

Muss Schulz zurücktreten?

Schulz sei umgefallen, das sagte Kühnert ganz deutlich. Schulz hatte noch am Abend der Bundestagswahl eine erneute GroKo kategorisch ausgeschlossen und diesen Vorsatz noch oft wiederholt.

“Hätte er zurücktreten müssen?”, hakte Lanz nach.

“Nein, er muss jetzt nicht zurücktreten. Ich lehne diese politische Kultur ab, wo zwei Meinungen aufeinandertreffen und der Unterlegene muss zurücktreten”, bekräftigte Kühnert. Dafür bekam der Juso-Chef lauten Applaus aus dem Publikum.

Lanz fragte weiter, warum die SPD so zerrissen sei. Auf dem Parteitag in Bonn war klar geworden, wie groß die Spaltung der Sozialdemokraten ist. Nur 56 Prozent der Delegierten stimmten am Ende für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen.

► Kühnert wollte aber nicht von einer zerrissenen Partei sprechen. Die Sozialdemokraten seien hin- und hergerissen. “Wichtige Debatten wurden jahrelang verschleppt”, betonte er.

Auf der einen Seite stünden die Pragmatiker, die jahrelang mit der Union regiert haben. Auf der anderen seien die Gegner der GroKo, die eine Erneuerung und einen inhaltlichen Aufbruch wollten.

► Lanz hakte noch einmal nach: Wo beginne die personelle Erneuerung?

Kühnert ging nicht darauf ein. Der Moderator blieb hartnäckig: Kühnert und Schulz würden nicht viel dafür tun, “dass die Partei zusammenbleibt”.

Der Juso-Chef griff seinen Vorsitzenden jedoch nicht an. Auch wenn Lanz ihn noch so drängte.

Mehr zum Thema: Minister unter Merkel? Schulz steht vor scheinbar unlösbarem Dilemma – doch es gibt einen Ausweg

Kühnert will nicht der Spahn der SPD sein

Kühnert stellte klar: Die Probleme der SPD seien inhaltlicher und struktureller Natur.

Am Stuhl von Martin Schulz wolle er nicht sägen. In der SPD solle es nicht so zugehen wie in der Union, spottete Kühnert. “Da läuft Spahn im Hintergrund herum. Alle wissen, dass er die Kanzlerin weghaben will.”

Jens Spahn, CDU-Präsidiumsmitglied, gilt als Kandidat für die Nachfolge der Kanzlerin – und ging zuletzt immer offensiver auf Konfrontationskurs mit Angela Merkel. 

Sein Vertrauen hat Kühnert in Schulz noch nicht verloren. Das sagte er offen bei “Markus Lanz”. Und machte auch deutlich, wie sehr er sich auf dem Mitglieder-Entscheid nach den Koalitionsverhandlungen freue.

Dann stimmen die SPD-Mitglieder über den Koalitionsvertrag ab. Kühnert erwartet ein “Hoffest der SPD”, eine lebhafte, vor allem inhaltliche Debatte. Statt nur über Personalwechsel zu reden.