POLITIK
15/02/2018 08:32 CET | Aktualisiert 15/02/2018 09:27 CET

"Maischberger": Weil redet SPD-Chaos schön – dann hat Partei-Urgestein genug

Dreßler spricht vom "Super-Gau".

Screenshot / ARD
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil neben Parteikollege Rudolf Dreßler
  • Bei “Maischberger” sind die SPD-Politiker Stephan Weil und Rudolf Dreßler aneinander geraten
  • Parteiurgestein Dreßler hat schonungslos mit den Sozialdemokraten abgerechnet

Es brodelt weiterhin in der SPD.

Nach dem Rückzug von Martin Schulz vom Parteivorsitz nehmen die Personaldebatten in der Partei kein Ende.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) versuchte in der ARD-Talkshow “Maischberger”, die Probleme schönzureden.

Doch ausgerechnet ein Urgestein seiner Partei ließ ihm das nicht durchgehen.

Dreßler: “Chaotische Zustände”

Rudolf Dreßler war in den 1990er Jahren Teil des SPD-Präsidiums, später dann Botschafter in Israel.

► Er stellte seiner Partei ein vernichtendes Zeugnis aus: “Ich habe in meinen 50 Jahren Mitgliedschaft so etwas noch nicht erlebt.”

“Wenn eine Partei selbst chaotische Zustände bewirkt, weil man falschen Einschätzungen erlegen ist, dann kommt man genau in diese Situation, in der die SPD nun steckt”, betonte Dreßler.

Er habe vor fünf Jahren davor gewarnt, dass 23 Prozent das untere Ende der Zustimmungswerte für die Sozialdemokraten seien. Aktuelle Umfragen würden ihm nun Recht geben – die SPD kam zuletzt auf 16,5 Prozent.

Weil: “Die Häme ist fehl am Platz”

Genosse Stephan Weil versuchte, ein anderes Bild seiner Partei zu zeichnen.

Sicherlich sei es ein Fehler gewesen, nach der Einigung mit der Union auf den Koalitionsvertrag über die Vergabe der Ministerposten zu diskutieren.

Auch habe Schulz einen Fehler gemacht, als er das Auswärtige Amt für sich reklamierte, gab Weil zu.

► Aber: “Martin Schulz hat dafür nun auch die Verantwortung übernommen. Deswegen finde ich viel von der Häme derzeit fehl am Platz”, stellte Weil seine Position klar.

Laut Weil habe der Ex-SPD-Chef auch einen “starken Abgang” hingelegt und damit die chaotischen Tage beendet. Den wachsenden Widerstand gegen die Übernahme des Parteivorsitzes durch Andrea Nahles erwähnte der SPD-Politiker hingegen nicht.

Dreßler spricht vom “Super-Gau”

Daraufhin ergriff wieder Dreßler das Wort.

Er nannte das SPD-Chaos einen “Super-Gau”, den größten anzunehmenden Unfall, der nicht mehr korrigierbar sei.

“Aus dem Dilemma muss sich die Partei herausarbeiten. Das kann nicht auf Knopfdruck geschehen, das dauert viele, viele Monate”, betonte er.

Die Schuld an dem Zustand der SPD habe der Vorstand, sagte Dreßler. Er nannte als letztes Beispiel den Versuch, Andrea Nahles als kommissarische Chefin durchzusetzen, obwohl sie als Nicht-Mitglied des Vorstands laut Parteistatuten dazu gar nicht berechtigt war.

► “Dass die handelnden Personen das bis zum Schluss nicht einsehen wollte – da sage ich: Die haben den Schuss nicht gehört”, bekräftige Dreßler.

► Eine deutliche Abrechnung mit der Parteispitze.

SPD-Urgestein bleibt pessimistisch

Hier schaltete sich Weil ein und widersprach. Immerhin sei es ja anders gekommen: Olaf Scholz übernimmt kommissarisch den Vorsitz, nicht Nahles.

Dreßler versuchte einzuwerfen, dass diese Entscheidung erst nach dem massiven Protest der Landesverbände getroffen sei.

Weil wiegelte ab: “Entschuldige bitte, es gelten die Beschlüsse.” Er fügte hinzu: “Das widerlegt deinen Pessismus.” 

Doch Urgestein Dreßler konnte nach all den Wirren der vergangenen Wochen nicht optimistisch nach vorne blicken.

Die Aussicht auf Nahles als SPD-Chefin sah er kritisch: “Nachdem was ich bisher gehört habe, bin ich zurückhaltend. Die Arbeitsergebnisse von ihr waren nach meiner Wahrnehmung nicht überzeugend.“

Natürlich war Weil auch hier wieder anderer Meinung und verteidigte Nahles. Doch der Streit zwischen dem aktiven Ministerpräsidenten und dem Ex-Funktionär zeigte auch bei “Maischberger” am Mittwochabend, wie zerstritten die Sozialdemokraten sind.

(mf)