POLITIK
18/01/2018 07:02 CET | Aktualisiert 18/01/2018 09:49 CET

"Maischberger": Als Trittin über die rechte FPÖ spricht, kommt Kurz ins Straucheln

Ein kurzer Moment, der viel verriet.

Screenshot / ARD
Jürgen Trittin und Sebastian Kurz bei "Maischberger".
  • Österreichs Kanzler Sebastian Kurz hat bei “Maischberger” geschickt auf jede Frage zu seiner Haltung zum Koalitionspartner FPÖ geantwortet
  • Nur an einer Stelle kam er ins Straucheln

Auf manche Fragen gibt es Antworten. Auf andere dagegen nicht. Und dann gibt es noch Fragen, auf die der Gefragte nicht gerne eingeht. Weil jede Antwort brisant werden könnte.

Eine solche Frage musste sich Österreichs Kanzler Sebastian Kurz bei seinem Deutschland-Besuch mehrfach anhören: Wie hält er es mit seinem Koalitionspartner, den Rechtspopulisten der FPÖ?

Einer Partei, die allein in den vergangenen Tagen mehrfach für Skandale gesorgt hatte und deren Chef eine rechtsextreme Vergangenheit besitzt.

Auch bei “Maischberger” in der ARD äußerte sich Kurz zur FPÖ. Er tat das, wie schon im Wahlkampf, geschickt – indem er auswich.

► Doch in einem Moment strauchelte der 31-Jährige.

Der Rechte im Nebel

Als Gegenspieler und wohl auch als Provokateur für Kurz saß Grünen-Politiker Jürgen Trittin mit in der Sendung. Er sprach noch einmal über einen Auftritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Tirol vor einer Woche.

Strache hatte sich von Trommlern begleiten lassen. Eine martialische Inszenierung mit Laser-Show und Nebel. Moderator Jan Böhmermann sprach von einer “faschistischen Ästhetik”.

″Äh, da jetzt kurz”

Auch Trittin kam bei “Maischberger” zu einem ähnlichen Urteil. “Das ist eine Inszenierung, als würde die SS noch unterwegs sein”, sagte er. “Da fehlen ja nur noch die roten Armbinden.”

Der “Zivilisationsprozess der Rechten” sei noch nicht so weit gekommen, wie Kurz es vielleicht gerne hätte.

Moderatorin Sandra Maischberger hakte nach und fragte den österreichischen Politiker, was er von dem Auftritt halte.

► Hier verhaspelte sich Kurz und meinte, er habe den Auftritt nicht gesehen. Dabei war ein kurzer Ausschnitt zuvor in der Sendung gezeigt worden. Die Szenen wurden obendrein in allen großen österreichischen Medien ausführlich diskutiert.  

Maischberger wies Kurz darauf hin, der Kanzler sagte einmal ”Äh, da jetzt kurz, genau” und fing sich wieder. “Ich bin keiner, der auf Inszenierungen schaut, sondern auf Inhalte”, betonte er. Straches Trommler-Gruppe sei außerdem auch schon für Kommunisten aufgetreten.

► Ein kurzer Moment, der verdeutlichte, wie Kurz’ Strategie gegenüber kritischen Fragen zur FPÖ aussieht: Einfach wegreden statt klare Kante zeigen.

Kurz: Gebt Strache eine Chance 

Schon zuvor hatte er eine Frage von Maischberger dazu weggebügelt. Die Moderatorin fragte Kurz nach den Bildern, die FPÖ-Chef Strache in jungen Jahren bei mutmaßlichen Wehrsportübungen in Kärnten mit einem Gewehr in der Hand zeigen.

Strache nannte das schlicht eine “Jugendsünde”. Kurz betonte in der Sendung, es sei wichtig, Menschen eine Chance zu geben, sich zu entwickeln. “Jugendsünden sollte man auch als solche sehen, was sie sind. Nämlich Jugendsünden”, bekräftigte er.

Maischberger legte Kurz eine ganze Liste von Entgleisungen von FPÖ-Politikern vor. Ein EU-Abgeordneter hatte die europäische Gemeinschaft etwa als “Neger-Konglomerat” bezeichnet. 

► Kurz wiegelte ab und betonte die “pro-europäische Linie” seiner Regierung. Die FPÖ habe eine problematische Vergangenheit. Sollte heißen: Jetzt ist das anders.

Dabei gibt es genügend aktuelle Beispiele für fremdenfeindliche und menschenverachtende Aussagen in der FPÖ, wie Maischberger mit einer langen Liste zeigte.

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Kurz überhört auch kritische Fragen

Der Kanzler redete und wand sich. Er versuchte zu relativieren, wo es ging  – mit teilweise absurden Vergleichen: Angesprochen auf die rechtsradikale Hetze aus FPÖ-Reihen erklärte Kurz: “Ja, aber genauso schlimm ist, wenn von anderer Seite gegen Reiche gehetzt wird.” 

Gewohnt aalglatt gab sich Kurz. Wie unangenehm ihm die Fragen nach der FPÖ sind, war ihm dennoch anzumerken.

► Denn natürlich muss er als Kanzler abwägen und darf seinen Koalitionspartner mit scharfen Aussagen nicht verprellen, wie er auch eine Antwort auf die offensichtlichen Verfehlungen mancher FPÖ-Politiker finden muss.

Wie trickreich und geschickt der junge Politiker dabei vorgeht, zeigte die “Maischberger”-Sendung. Und auch eine kleine Szene beim Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel am selben Tag. 

Eine deutsche Journalistin hatte nach “NS-Symbolik” und “NS-Begriffen” gefragt, die die FPÖ verwenden würden, berichtete die “Welt”. “Wie wollen Sie verhindern, dass diese Ideologie in Europa immer mehr Raum einnimmt?”

Darauf hätte Kurz eine klare Antwort geben können. Er entschied sich dagegen für folgende Aussage: “Ich weiß nicht, ob ich Sie am Anfang akustisch richtig verstanden habe, aber wir haben in Österreich eine starke Demokratie.“