POLITIK
08/02/2018 10:22 CET | Aktualisiert 08/02/2018 13:39 CET

7-jähriges Mädchen schreibt Trump einen Brief – seine Antwort ist beschämend

"Lieber Herr Präsident, ich habe alles gehört und gesehen, was passiert ist ..."

  • Im Alter von sieben Jahren ist Ava Olsen Zeuge einer Schießerei an ihrer Schule geworden – ihr bester Freund ist dabei gestorben
  • Das Mädchen aus den USA schrieb Donald Trump daraufhin einen Brief – und erhielt eine mehr als dürftige Antwort
  • Oben im Video: Amerika diskutiert über Waffengesetze – Trump sieht ein ganz anderes Problem

12 Sekunden haben das Leben der siebenjährigen Ava Olsen für immer verändert.

Im September 2016 steht das Mädchen auf dem Schulhof in Townville im US-Bundesstaat South Carolina, als ein 14-Jähriger mit einem Auto vorfährt, herausspringt – und das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet.

12 Sekunden lang. Bis seine Waffe blockiert. Doch der 6-jährige Jakob wird tödliche getroffen. Ein Lehrer und ein weiterer Schüler werden zudem verletzt.

Der Vorfall lässt Ava seitdem keine Ruhe mehr. Sie hat dem US-Präsidenten, dem angeblich mächtigsten Mann der Welt, daher einen Brief geschickt, wie die “Washington Post” berichtet.

“Schützen Sie Kinder vor Waffen”

In klobigen Blockbuchstaben steht auf dem Brief:

Lieber Herr Präsident,

ich habe alles gehört und gesehen, was passiert ist und ich hatte große Angst. Mein bester Freund Jakob wurde getroffen und starb. Das machte mich sehr traurig.

Ich habe ihn geliebt und wollte ihn eines Tages heiraten. Ich hasse Waffen. Eine hat mein Leben ruiniert und mir meinen besten Freund weggenommen.

Ava fragte Donald Trump dann noch, wie er Kinder vor Schulschießereien schützen wolle. Sie schloß ihren Brief mit den Worten:

► “Bitte, schützen Sie Kinder vor Waffen.”

Die Schießerei hat das heute achtjährige Mädchen nachhaltig geschädigt. Ein Arzt habe bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung festgestellt, noch immer leide sie unter Angstzuständen und habe Alpträume, berichtet die “Washington Post”.

Trump antwortete auf den Brief. Der “Washington Post” liegt das Schreiben aus dem Weißen Haus vor.

Das Weiße Haus antwortet mit Plattitüden 

“Liebe Ava, danke für deinen Brief”, beginnt das Schreiben, das Donald Trump persönlich unterschrieben hat. Seine Frau und er seien traurig über ihren Verlust und hätten für die Opfer und ihre Familien gebetet. 

Dann widmete sich der US-Präsident der Bitte des kleinen Mädchens:

“Schulen sind Orte, an denen Kinder mit ihren Freunden lernen und wachsen sollen. Die Räume sollten frei von Angst sein.

Es ist mein Ziel als Präsident sicherzustellen, dass Kinder in Amerika in einer sicheren Umgebung aufwachsen und sie die Möglichkeit haben, ihr volles Potential zu entwickeln.

Ich werde mich weiter darauf konzentrieren, Amerikaner zu schützen und die Sicherheit unserer Nation zu verbessern.”

Es war eine ausführliche und einfühlsame Antwort. Ob Trump persönlich an den Schreiben mitarbeite, die das Weiße Haus versendet, wollte eine Mitarbeiterin des Präsidenten auf Anfrage der “Washington Post” nicht sagen.

Mehr zum Thema: Warum Schießereien in den USA nicht zu schärferen Waffengesetzen führen – sondern zu schwächeren

Ava war glücklich, doch dann kam ihr eine Frage

“Wow” habe Ava gesagt, als ihre Mutter ihr den Brief vorgelesen habe, berichtet die “Washington Post”.

Einige Tage nachdem der Brief ankam, sei es dem Mädchen besser gegangen. Dann aber sei ihr eine Frage gekommen: “Er hat nicht gesagt, wie er Kinder schützen will”, soll Ava zu ihrer Mutter gesagt haben.

► Tatsächlich ist Trumps Antwort in dieser Hinsicht nicht nur schwach – sondern sogar beschämend. Zu mehr als Plattitüden hat sich der US-Präsident nicht bewegen lassen.

Das große Problem hinter der Gewalt in den USA wird Trump nicht angehen: die lockeren Waffengesetze. Praktisch jeder kann in den Vereinigten Staaten eine Waffe kaufen. Auch die Aufbewahrungsvorschriften sind weniger streng als etwa in Deutschland.

Mehr zum Thema: Mit einem Tweet zeigt Donald Trump, wie egal ihm die Opfer von Waffengewalt in den USA sind

Schon 14 Schießereien an Schulen in diesem Jahr

Nach Angaben der Organisation Brady Campaign, die sich gegen die Schusswaffengewalt einsetzt, leben schätzungsweise 1,7 Millionen Kinder und Jugendliche in US-Haushalten, in denen geladene Waffen an ungesicherten Orten aufbewahrt werden.

Auch der 14-jährige Attentäter von Townville hatte die Waffe einfach aus dem Nachttisch seines Vaters genommen.

Doch Trump ist Anhänger der mächtigen US-Waffenlobby. Der US-Präsident tut nichts, um Bluttaten wie in der Schule der siebenjährigen Ava zu verhindern. 

Nach dem Massaker in einer Kirche in Texas mit 26 Toten behauptete Trump sogar, strengere Waffengesetze hätten für hunderte mehr Tote gesorgt. Ein Einwohner hatte damals auf den Attentäter geschossen.

So wird sich an der Gewalt in den USA sobald nichts ändern. Insgesamt starben 2017 590 Menschen in den USA allein bei Massenschießereien.

Laut Statistiken der Organisation Everytown for Gun Safety kommt es dort nahezu jede Woche zu einer Schießerei an Schulen und Universitäten. Bis zum 1. Februar dieses Jahres waren es bereits 14.

Die traurige Zahl wird sich bis zum Ende des Jahres wohl weiter erhöhen – und Trump wohl weiter die Schultern zucken. 

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(mf)