POLITIK
08/02/2018 10:25 CET | Aktualisiert 08/02/2018 11:49 CET

"Markus Lanz": Pflege-Azubi richtet emotionalen Appell an die GroKo

Deutliche Worte über eines der größten Probleme Deutschlands.

  • Bei “Markus Lanz” geht es am Mittwochabend um den Pflegenotstand in Deutschland
  • Eingeladen ist auch der Pflege-Azubi und Merkel-Kritiker Alexander Jorde – und der legt einen emotionalen Auftritt hin
  • Oben im Video seht ihr, wie Jorde damals in der ARD-Wahlarena Merkel seine Meinung geigte

Tausende Menschen in Deutschland vegetieren in miserablen Zuständen dem Tod entgegen. Denn: Die Pflegebedingungen im Land sind miserabel

Es fehlen zehntausende Fachkräfte, um alle Patienten richtig versorgen zu können – und an Geld, diese Kräfte einzustellen oder adäquat zu bezahlen. Zugleich müssen die Pflegerinnen und Pfleger, die es noch gibt, brutale Schichtdienste schieben, sind überarbeitet und psychisch überlastet

Einer, der diese Missstände in den vergangenen Monaten lauthals angeprangert hat, ist der Pflege-Azubi Alexander Jorde. Selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel hat er in einer TV-Sendung schon für ihre Pflege-Politik die Leviten gelesen. 

Am Mittwochabend sitzt Jorde nun in der ZDF-Sendung “Markus Lanz” – und wieder ist von ihm ein emotionaler Appell über die Not der deutschen Pfleger und Patienten zu hören. 

Jorde: “Es muss sich grundsätzlich etwas ändern”

Er sei nicht zufrieden mit dem Pflege-Kompromiss, den Union und SPD in den Koalitionsvertrag geschrieben haben, erklärt Jorde auf Nachfrage von Lanz.

“Das ist auch gutes Drin”, sagt Jorde. Aber selbst das sei nicht gut genug. Etwa da, wo private Pflegeanbieter mit der Politik über Personalstandards verhandeln würden, ohne dass Vertreter der Pflegenden mit am Tisch sitzen würden. 

► “Einen Neustart in der Pflege kann ich beim besten Willen nicht erkennen”, klagt Jorde. Die meisten Menschen würden es nicht länger als zehn Jahre in dem Beruf aushalten. 

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“Das liegt daran, dass die Arbeitsbedingungen zu schlecht sind und die Bezahlung zu niedrig”, führt er aus. Die 8000 Stellen, die die GroKo nun versprochen hat, hält Jorde für zu wenig.

Auch Experten halten das Pflege-Sofortprogramm der GroKo für unzureichend. Für jedes Heim würde das 0,6 Stellen bedeuten, benötigt würden allerdings mindestens vier, sagt etwa Pflegeexperte Frank Weidner.

Jorde gibt sich bei “Lanz” hoffnungslos und betont: “Man muss aber auch sagen, dass man mehr Leute wahrscheinlich gar nicht kriegt.” 

► Dann wird er lauter: “Es muss sich grundsätzlich was ändern.” 

“Man hat nichts mehr vom Leben”

Anschließend klagt über die hohe und psychische Belastung, die der Pflegejob mit sich bringe.

“Ich habe das ja selber erlebt”, sagt er. “Ich war zehn Monate bei der Marine – und ich empfinde den Stationsdienst im Krankenhaus teilweise belastender als die Grundausbildung.” 

Er gibt einen Einblick in seine persönlichen Erfahrungen: “Nach einer Frühschicht fällt man manchmal einfach ins Bett und schläft den Rest des Tages. Man hat dann nichts mehr vom Leben.”  

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Jorde fordert eine 33-Stundenwoche für Pflegekräfte und eine Bezahlung, die langfristig bei 4000 Euro Brutto liegen sollte. 

Er sagt: “Ich finde, dass ist nicht zu viel verlangt, das wäre der Verantwortung, die wir haben, angemessen.” 

(ll)