POLITIK
09/01/2018 14:01 CET | Aktualisiert 09/01/2018 18:46 CET

Wie kriminelle Flüchtlinge unsere Gesellschaft verändern

Mit jedem weiteren Übergriff ging die Leichtigkeit verloren

Ich habe meinen Regenschirm vergessen und spüre jeden einzelnen Regentropfen auf meiner Haut. Ein Bus biegt um die Ecke, aber ich laufe noch rechtzeitig über die Straße.

Als ich das Einkaufszentrum erreiche, schüttle ich mich mit einem kleinen, draußen angeleinten Hund um die Wette.

Drinnen ist es angenehm warm und hell. Sofort umgibt mich der Duft von türkischen Spezialitäten und Thai Curry. Verschiedene Sprachen dringen an mein Ohr. Es herrscht eine angenehme Hektik und die Stimmung ist gelöst.

Wenn ich hier so stehe und die ganzen fröhlichen Menschen betrachte, kann ich mir nicht vorstellen, dass dies einer der größten Brennpunkte Kölns sein soll.

Der Großteil der Bewohner entstammt demselben Kontinent wie ich

Im Video oben seht ihr, wie sich die Kriminalität von und gegen Flüchtlinge in Deutschland im Jahr 2017 entwickelt hat.

Ich befinde mich in Köln-Chorweiler. Der Stadtteil im Norden der Domstadt ist bei den meisten nicht so beliebt. Die Mieten sind niedrig - und das sieht man auch.

Die Bahnstation ist heruntergekommen und die Hochhaussiedlungen erinnern ein bisschen an eine Fantasiestadt. Obwohl Chorweilers Ruf nicht zu den besten gehört, fühle ich mich hier kein bisschen unwohl.

Das liegt wohl daran, dass der Großteil der Bewohner hier wie ich dem nahen Osten entstammt.

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Ich gehe nach draußen und kaufe mir Falafel. Auf einer Bank sitzt ein deutscher Rentner mit breitem Lächeln inmitten einer türkischen Großfamilie. Alles ist beim Alten geblieben. Wäre da nicht eine Sache.

Beim Schlendern durch Chorweiler höre ich neuerdings immer öfter syrischen Dialekt heraus. Tatsächlich sind es meistens Männer, die sich über alltägliche Dinge unterhalten.

Mit jedem Übergriff ging die Leichtigkeit verloren

Ein weiterer Ballungsraum für arabische Flüchtlinge scheint die S-Bahnlinie S11 zu sein. Sie verbindet die Innenstadt mit dem Norden Kölns.

Je nördlicher die Station, desto höher ist der Anteil arabisch sprechender Menschen.

Oft höre ich ihnen zu. Dann schnappe ich auf, dass sie zu einem Sprachkurs gehen und deutsche Wörter üben. Es gibt zwar auch blöde Sprüche, aber im Großen und Ganzen fühlte ich mich nie sonderlich bedroht.

Bis sich die Fälle krimineller Flüchtlinge in den Medien häuften.

Mit jedem Übergriff ging die Leichtigkeit verloren. Das friedliche Miteinander wich Argwohn. Ich fing an, meine Umgebung genau zu beobachten. Ein paar Mal passierte es, dass ich mich reflexartig fürchtete, wenn ein Mann in muslimischen Gewand an mir vorbei ging.

An den Gesichtern der Passanten konnte ich sehen, dass es ihnen ähnlich ging.

Das ärgerte mich. Gleichzeitig fühlte ich mich selbst naiv, weil ich Menschen anhand ihres Aussehens beurteilt hatte.

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Die jüngst erschienene Studie über die Gewalt von Jugendlichen und Flüchtlingen schien zunächst zu bestätigen, was sich in meinem Bauchgefühl ausdrückte. Die Verfasser sprechen von einem Anstieg der Gewalt, allerdings größtenteils unter den Flüchtlingen selbst.

Es gleicht dem größten sozialen Armutszeugnis der letzten Jahrzehnte, dass in den Medien zurzeit nahezu glorifiziert wird, dass Flüchtlinge sich laut oben erwähnter Studie primär gegenseitig Schaden zufügen.

Die Botschaft “Seht her, wir brauchen keine Angst zu haben, solange sich die Kriminalität weit weg von uns Privilegierten befindet“ scheint viele Menschen zu erleichtern.

Dabei vergessen viele, dass wir alle dafür verantwortlich sind, dass so etwas nicht in Deutschland passiert.

Für den einen ist Deutschland eine Heimat, für den anderen ein Zuhause

Kriminelle Flüchtlinge zerstören Konstrukte, die sich über die Jahre verfestigt haben und bestens funktioniert haben.

Weil sie sich aufgrund von Ablehnung und Perspektivlosigkeit aufgegeben haben, befeuern sie mit ihren rücksichtslosen Taten den Teufelskreis aus Ablehnung, Kriminalität und Hass. In ihrem Schatten leiden Menschen, die sich in Deutschland ein neues Leben erhoffen oder bereits seit mehreren Generationen hier leben.

Ein weiterer Aspekt ist, dass straffällige Flüchtlinge die Selbstverständlichkeit von multikulturellen Gesellschaften infrage stellen.

Wie viele Institutionen und Dinge des alltäglichen Lebens sind nicht urdeutschen Ursprungs und trotzdem im Alltag vieler Deutscher unverzichtbar?

Leider werden in den letzten Wochen und Monaten die Stimmen laut, Deutschland solle deutscher werden. Das ist absurd, denn nahezu jede Stadt auf dieser Welt verfügt über einen gewissen Anteil an Migranten und das ist gut so.

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Wer immer noch dem bornierten Traum eines reinrassigen Staates nachhängt, empfehle ich den dringenden Bau einer Raumkapsel.

Wir Deutsche mit Migrationshintergrund sind Deutsche mit allem, was dazugehört. Für den einen ist Deutschland eine Heimat, für den anderen ein Zuhause. Wie das “Deutschsein” definiert wird, ist Teil eines Identitätsprozesses, der für jeden anders aussehen kann.

 Kriminalität hat in unseren Reihen nichts zu suchen

Gerne würde ich straffälligen Flüchtlingen sagen, dass ein Neuanfang in einem fremden Land immer sehr mühsam und mit vielen Niederschlägen verbunden ist.

Die ganzen Illusionen über das Paradies Europa sind nicht selten Hirngespinste geldgieriger Schlepper.

Kriminalität ist das dann einfachste Ventil, um den Frust über die Desillusionierung abzulassen.

Das ist im wahrsten Sinne des Wortes faul und egoistisch. Denn viele Menschen arbeiten täglich hart für ein gutes Leben in Deutschland.

Ich würde mir außerdem wünschen, dass sich geflüchtete Menschen, die mit dem Gedanken spielen, sich aufzugeben und drohen, in die Kriminalität abzurutschen, vor Augen halten, dass sie dafür verantwortlich sind, unser Vermächtnis zu wahren.

Denn wir sind inzwischen ein Teil von Deutschland und Kriminalität hat nichts in unseren Reihen zu suchen.

(fk)