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Meine Freundin schenkte mir ein Sextoy - das veränderte mein Leben

Ich dachte: "Oh mein Gott, das ist unglaublich".

12/01/2018 12:34 CET | Aktualisiert 12/01/2018 16:12 CET
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Die Erfahrungen, die Polly Rodriguez als Teenager und junge Frau gemacht hat, waren der Auslöser, ein Sex-Spielzeug-Unternehmen zu gründen

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei Girlboss.

Drei Tage bevor ich aufs College ging, hatte ich eine Abtreibung - zu diesem Zeitpunkt war ich 18 Jahre alt.

Mein damaliger Ex-Freund hat mich sexuell misshandelt. Ich schämte mich so sehr dafür, dass ich niemandem davon erzählte. Es gab Tage, an denen ich nicht mal aus dem Bett kam, weil ich mich so sehr schämte. Bis vor kurzem habe ich auch nicht darüber geredet.

Ungefähr zur selben Zeit, bemerkte ich Blut in meinem Stuhl. Es würde noch drei Jahre dauern, bis ich die offizielle Diagnose “Darmkrebs” bekommen sollte – aber das war das erste Mal, dass ich die Symptome sah.

Wenn dein Körper dich umbringen will

Ich glaube, dass die schwere Depression, die durch meine Scham entstand, dazu beigetragen hat, dass ich Krebs bekommen habe.

Es ist eine merkwürdige Erfahrung, wenn du das Gefühl hast, dass dein Körper dich umbringen will. Für ganze neun Monate lebte ich mit einem künstlichen Darmausgang. Ich konnte meine Hände, meine Füße, meine Zunge und meine Augen nicht mehr spüren.

Ich hatte so viele Röhren und Beutel an mir und verlor so viel Gewicht - irgendwann wog ich nur noch 38 Kilo, mein Essen bekam ich intravenös - dass ich von mir selbst angewidert war.

“Ich werde nie wieder normal sein”

Als ich 21 Jahre alt war, setzte meine Menopause ein. Meine Ärzte erzählten mir nicht, dass das passieren würde. Letztendlich habe ich das selbst irgendwie heraus gefunden – die Ärzte haben es dann bestätigt.

Die Erkenntnis, dass ich niemals Kinder haben werde, brach mir das Herz.

Ich erinnere mich daran, dass ich dachte: “Ich werde nie wieder normal sein”.

Mehr zum Thema: Viele Frauen reden nicht über Pornos – und das ist ein Problem (Englisch)

Ich hatte kein Verlangen nach Sex

Ich erzähle das, weil ich jetzt, fast ein Jahrzehnt später, wieder gesund bin - mir geht es gut und ich habe ein gesundes Sexleben. Und dass meine Menopause in meinen Zwanzigern einsetzte, hat mir geholfen, an diesen Punkt zu kommen.

Zu der Zeit, als meine Behandlung auslief, hatte ich einen wundervollen Freund, aber niemals kam mir auch nur ein Gedanke an Sex in den Sinn. Ich hatte absolut kein Verlangen danach.

Als mir dann eine Freundin, die Krankenschwester ist, empfohlen hat,  doch einmal Sex-Spielzeug auszuprobieren, war meine erste Reaktion sehr ablehnend. Ich antwortete nur: “Oh mein Gott, nein.”

Eine befreiende Erfahrung

Ich wuchs im Mittleren Westen der USA auf und hatte diese vorgefertigten Meinungen über Menschen, die solche Produkte kaufen. Total typisch – denn als Gesellschaft reden wir ja nicht über Sexspielzeug.

Als ich gegen den Krebs kämpfte, war die erniedrigendste und demütigendste Erfahrung, dass ein Mann mir jeden Tag seinen Finger in den Po steckte – das gehörte zu den täglichen Kontrollen.

Nun, nach dem Krebs, begann ich mich langsam wohl mit meinem verletzlichen Körper zu fühlen. Ich glaube, dass der Krebs auf eine bestimmte Art und Weise eine der befreiendsten Erfahrungen für mich war.

Als meine Freundin mir dann einen Vibrator kaufte und ich ihn zum ersten Mal ausprobierte, war meine Reaktion gar nicht mehr ablehnend. Ich dachte mir: “Oh mein Gott, das ist unglaublich. Jeder sollte einen haben.”

Das gab mir den Anstoß, meinen Online-Shop zu gründen

Berichten zufolge brauchen 70 Prozent der Frauen klitorale Stimulation, um einen Orgasmus zu bekommen. Die Mehrheit der Frauen bekommt ihn nicht durch pure Penetration.

Es gibt da diese wundervolle Erfahrung des sexuellen Höhepunkts, aber viele Frauen werden sie nie haben – weil wir sie nicht aufklären und sie sich selbst nicht erkunden lassen.

Die Erfahrungen, die ich als Teenager und junge Frau gemacht habe, waren 2015 der Auslöser für mich, mein Unternehmen “Unbound” zu gründen. Unter dem Namen gibt es sowohl eine Sextoy-Abo-Box, einen Online-Shop und ein digitales Magazin.

Mehr zum Thema: So könnt ihr euer langweiliges Sexleben wieder aufpeppen (Englisch)

Was Frauen wirklich wollen

Nie hat jemand mit mir darüber geredet, was Sex eigentlich genau ist und was er bedeutet – ich wusste nur, dass es irgendwie jeder tut. Es war etwas in meinem Leben, was keine Definition hatte. 

Und wenn du nicht in Städten wie New York oder San Francisco lebst, die voller seriöser Sextoy-Geschäfte mit tollen Mitarbeitern sind, und nie richtig aufgeklärt wurdest, kann es schon beängstigend sein, erste Erfahrungen mit solchen Spielzeugen alleine zu machen.

Um das Stigma aufzulösen, möchten wir mit dem Magazinteil von “Unbound” gut recherchierte Inhalte liefern, die Informationen rund um das Thema Sex pragmatisch, witzig und nachvollziehbar vermitteln. Wir wollen Einblicke aus Frauensicht bieten, die sich um den weiblichen Körper drehen – als Gegensatz zu den Tipps “was Männer im Schlafzimmer wollen”.

Gegen das Stigma der weiblicher Sexualität

Was ich sowohl aus meinen eigenen Erfahrungen gelernt habe sowie durch unsere Kunden und Recherche, ist: Je mehr wir unsere Verletzlichkeit annehmen desto mehr wachsen wir auch – und desto glücklicher sind wir.

Weibliche Sexualität muss dieses Tabu überwinden – besonders wenn es um Vibratoren und Masturbation geht. Dieses Thema ist immer noch extrem gebrandmarkt.

Mehr zum Thema: Diese süße Animation erklärt die “Geschichte der missverstandenen Klitoris” (Englisch) 

Aber eigentlich möchten doch alle Frauen darüber sprechen. Sie brauchen nur einen sicheren Ort dafür.

 

(ks) 

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