WIRTSCHAFT
12/02/2018 12:54 CET | Aktualisiert 12/02/2018 13:51 CET

Expertin: "Krank zu arbeiten, kann sogar gesund sein"

Es ist nicht generell schädlich, krank zu arbeiten.

Xavier Arnau via Getty Images
“Du kannst krank sein und dich schonen, aber zu Hause trotzdem die Sachen machen, die du machen musst oder dir am Herzen liegen."
  • Wer krank in die Arbeit geht, schadet sich, den Kollegen und dem Unternehmen
  • Doch das heißt nicht, dass Arbeitnehmer nicht krank arbeiten dürfen – von Zuhause aus sei das sogar gesund, sagt eine Karriereexpertin

Der Hals kratzt, die Nase läuft, aber im Büro stapeln sich die Aufgaben. Also schleppt man sich zur Arbeit – die Kollegen haben schließlich schon genug zu tun.

Viele Deutsche kennen das wahrscheinlich. In einer repräsentativen Umfrage des Patientenmagazins “HausArzt” gaben 46,2 Prozent der Berufstätigen an, im vergangenen Jahr zur Arbeit gegangen zu sein, obwohl sie sich krank fühlten.

► Krank ins Büro zu gehen, hat viele negative Auswirkungen. Doch das heißt nicht, dass es generell schädlich für die Gesundheit ist, krank zu arbeiten.

Zumindest nicht, wenn es nach Karriereexpertin und Autorin Isabell Prophet geht.

Der Arbeitsweg ist härter, als die Arbeit an sich

Allerdings sollten Kranke keinesfalls vom Büro aus arbeiten – sie sollten den Weg in die Arbeit überhaupt nicht auf sich nehmen. 

In dieser Zeit können jede Menge Menschen angesteckt werden und man selbst beansprucht seinen Körper stärker, als es gesund ist”, sagt Prophet der HuffPost. 

“Das heißt, im Grunde schadet man sich schon durch den Arbeitsweg und dann kommen noch acht, neun Stunden Arbeit dazu. Das würde ich nicht ‘arbeitsfähig’ nennen. Das ist Quälerei”, sagt Prophet.

► Der Arbeitsweg sei für Kranke meist anstrengender als die Arbeit an sich.

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Man schadet nicht nur seinen Mitmenschen

Auch dem Unternehmen bringt es herzlich wenig, das Büro voller kranker Mitarbeiter zu haben. Kranke Angestellte am Arbeitsplatz kosten eine Firma im Schnitt pro Mitarbeiter 2400 Euro im Jahr - etwa doppelt so viel wie Mitarbeiter, die zu Hause bleiben, wenn sie krank sind. Das ergab eine  Studie der Unternehmensberatung Booz & Company.

Durch die Krankheit sei die Konzentration der Mitarbeiter oft geschwächt und sie bräuchten länger für ihre Arbeit als im gesunden Zustand – außerdem sei  das Ergebnis wahrscheinlich schlechter als sonst, heißt es in der Studie.

Homeoffice als Alternative

Aber: Was, wenn wirklich kein Kollege die Arbeit erledigen kann? Oder wenn ein Herzensprojekt zwingend fertig gemacht werden muss?

Die Alternative: HomeofficeDu kannst krank sein und dich schonen, aber Zuhause trotzdem die Sachen machen, die du machen musst oder dir am Herzen liegen – vielleicht für etwa zwei Stunden, am Montag oder Dienstag, dann musst du Mittwoch bestenfalls gar nicht zur Arbeit”, sagt Prophet.

Es sei ein einfaches Mittel, um die Zeit des Auskurierens zu Hause zu verlängern – und gleichzeitig nach eigenem Willen und eigenen Möglichkeiten entsprechend bestimmte Dinge während der Krankheitszeit zu erledigen. 

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Ein Chef kann nicht einschätzen, ob jemand gerade arbeiten kann

Natürlich sei es wichtig, selbst einzuschätzen, ob man trotz Krankheit zur Homeoffice-Arbeit fähig ist.

► Der Vorgesetzte darf das rechtlich nicht verlangen: “Das liegt daran, dass der ‘gelbe Schein’, wie man ihn früher nannte, eine Schutzfunktion hat”.

Wer vom Arzt krankgeschrieben ist, darf nicht gekündigt werden – also auch nicht zur Arbeit gezwungen werden. 

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Die wenigsten kurieren sich richtig aus

Dabei habe die Arbeit von Zuhause aus, auch im Krankheitsstand, nicht nur keine negativen Folgen, sondern sogar positive, sagt Prophet.

► “Krank von Zuhause aus zu arbeiten, schadet der Gesundheit nicht. Es dient ihr.”

Denn in der Regel würden sich die wenigsten Arbeitnehmer richtig auskurieren.  Und so kommt es besonders durch die liegengebliebene Arbeit zu einer Überlastung, obwohl die Gesundheit noch angeschlagen ist. Das Potenzial für Folgeschäden sei dementsprechend groß.

Daher sei es gesünder, noch ein paar Tage liegen zu bleiben, auch wenn man sich schon wieder halbwegs fit fühle, sagt Prophet.

“Es ist besser, vielleicht mal zu den Laptop Zuhause auf die Knie zu legen – aber eben auch nicht acht Stunden am Tag. Sondern nur die Zeit, die es braucht, um die Arbeit, die uns am Herzen liegt, zu erledigen.”

“Bist du glücklich mit deinem Job?“ Auf diese einfache Frage eine klare Antwort zu geben, fällt den meisten Menschen schwer. Gerade wenn es um den Beruf geht, schwanken wir oft zwischen Freude und Disziplin, Ehrgeiz und Überforderung. Diese Fragen widmet sich Isabell Prophet in ihrem Buch “Die Entdeckung des Glücks”.

(ks)