LIFESTYLE
31/01/2018 11:01 CET | Aktualisiert 31/01/2018 17:13 CET

"Meine Kinder waren 24 Stunden mit totem Vater alleine"

Das Trauma ihrer Töchter wäre vermeidbar gewesen.

  • Die Kanadierin Helen Daykin hat vor einem Jahr ihren Mann Chris verloren
  • Während sie auf Geschäftsreise war, waren ihre beiden Töchter alleine mit ihrem leblosen Vater
  • Oben im Video: Nachdem sie ihren Mann tot auf dem Sofa fand- Dreifache Mutter hat eine Botschaft an andere Paare

Helen Daykin trauert. Während sie vor einem Jahr auf Geschäftsreise in London war, ist ihr Mann an einem plötzlichen Herztod gestorben. Die beiden Töchter, zwei und vier Jahre alt, waren rund 24 Stunden mit ihrem toten Vater alleine. 

Das wäre vielleicht vermeidbar gewesen. Hätte die Schule ihrer älteren Tochter Pearl anders reagiert, als das Mädchen nicht wie gewohnt zum Unterricht erschien. Das sagte die Witwe dem britischen Sender BBC

An dem Tag, an dem ihr Mann starb, war Helen am andere Ende der Welt. Die Kanadierin war gerade auf einer Geschäftsreise in London.

► Sie versuchte an dem Tag mehrfach ihren Mann Chris telefonisch zu erreichen. Vergebens.

Als er in der Früh nicht ans Telefon ging, dachte sie, er sei gerade im Stress. Immerhin musste er zu der Zeit auch die ältere Tochter Pearl zur Schule fahren. Als sie es später noch einmal probierte, dachte sie, ihr Mann hätte vielleicht sein Handy verloren. 

Die Polizei musste die Haustür aufbrechen

Doch irgendwann wurde ihr mulmig zumute. Nachmittags fuhr ihre Mutter am Haus der Familie vorbei. Die Tür war allerdings verschlossen und Chris’ Schlüssel steckte im Inneren. Sie rief die Polizei, die die Tür aufbrach. Dann der Schock: Chris war bereits seit einigen Stunden tot, die beiden kleinen Kinder waren rund 24 Stunden mit ihrem leblosen Vater alleine. 

Sie verbrachten den ganzen Tag im 1. Stock, sie kamen nicht einmal runter. Sie hatten Hunger. Sie spielten mit meinen Schuhen und meinem Make-up, aber sie haben sich nirgendwo anders im Haus hingetraut”, sagt die Witwe gegenüber BBC. 

► Noch heute seien die Kinder von dem Ereignis traumatisiert.

“Pearl kann mir jedes einzelne Detail erzählen und erlebt das oft aufs Neue. Ich kann nicht einmal den Raum verlassen, ohne dass sie nach mir ruft oder bei mir sein will.”

Facebook / Helen Daykin

“Es gibt keinen Grund, warum das nicht wieder passieren könnte”

Ein Trauma, das vermeidbar gewesen wäre. Hätte Pearls Schule nicht nur ihren Mann Chris angerufen, der bereits tot war. Sondern auch sie. 

► Jetzt fordert sie, dass Schulen genauer überprüfen, wieso Kinder nicht zum Unterricht erscheinen.

Sie schlägt vor, dass es nicht nur einen Notfallkontakt gibt, den die Schule anrufen kann, sondern zwei oder drei. Und sie wünscht sich, dass die Schulen jemanden losschicken, um nach den fehlenden Kindern zu sehen. 

“Es gibt keinen Grund, warum das nicht wieder passieren könnte. Wie die Kinder es geschafft haben, sich nicht selbst zu verletzen, weiß ich nicht.”

Die Wohltätigkeitsorganisation Good Grief Trust unterstützt Helen bei ihrem ehrgeizigen Plan. Eine Sprecherin der Foundation sagte der BBC: “Alle 22 Minuten stirbt in diesem Land ein Elternteil. Und das könnte jemand sein, der auf sich alleine gestellt ist – niemand würde mitbekommen, dass es so ist.”

Obwohl ihre Töchter Iris und Pearl noch lange brauchen werden, bis sie das Geschehene verarbeitet haben: Helen ist froh, dass an jenem Tag nicht noch Schlimmeres passiert ist. 

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(ujo)