POLITIK
21/12/2017 13:16 CET | Aktualisiert 21/12/2017 18:55 CET

Syrer bewirbt sich bei Autohaus – Antwort ist menschenverachtend

Der Geschäftsführer hat auf die Kritik inzwischen reagiert – mit einer klugen Antwort

  • Ein Syrer hat auf seine Bewerbung eine Absage erhalten, die fassungslos macht
  • Der Geschäftsführer hat sich entschuldigt – und hofft, dass der Vorfall doch noch etwas Gutes bringt
  • Eine Zusammenfassung des Texts seht ihr oben im Video

Ein 26-jähriger Syrer hat sich bei einem Autohaus im nordrhein-westfälischen Warstein um eine Ausbildungsstelle beworben. Die Absage, die er erhielt, war an Verachtung kaum zu überbieten.

Wie das “Migazin”, eine auf Migrationsthemen spezialisierte Nachrichtenseite berichtet, kam der junge Syrer vor zwei Jahren nach Deutschland. Er spreche Deutsch auf dem Niveau B1 – die Stufe, die das Bundesamt für Flüchtlinge (Bamf) im Sprachtest für Zuwanderer erwartet.

Der junge Mann bereite sich sogar schon auf seine Prüfung im nächsthöheren Niveau vor. Sein Abitur sei in Deutschland anerkannt worden, ebenso sein Führerschein. 

Wie der junge Mann dem “Migazin” sagte, hat er seine Bewerbung auch im Arbeitsamt prüfen lassen, damit wirklich alles passt. Seine Beraterin habe sie für “super” gehalten.

Bewerber liest, er solle wieder nach Syrien zurückkehren

Doch der Syrer erhielt eine Absage vom Autohaus Budde. Er erfülle nicht die Vorgaben. Dann folgt der Satz: “Ich möchte Ihnen eher die Empfehlung aussprechen, in Ihr Land zurückgehen, da der Krieg beendet ist und Sie dort dringend benötigt werden, um es wieder aufzubauen.“

Der junge Mann sagt dem “Migazin”, so etwas habe er sich nicht vorstellen können. Ob das normal sei in Deutschland?

Der Bürger- und Stellvertreterkrieg in Syrien begann 2011. Zwar gilt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) als stark geschwächt, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte kürzlich, er rechne mit einem Sieg über sie bis Ende Februar 2018. Aber Frieden bedeutet das noch lange nicht. Erst Mitte Dezember sind erneute Friedensverhandlungen gescheitert.

Autohaus bittet um Entschuldigung

Das Autohaus hat auf Facebook auf die Kritik reagiert. “Wir möchten uns entschuldigen. Durch eine nicht nur dumme, sondern auch inhaltlich falsche Darstellung gegenüber eines Bewerbers durch eine verantwortliche Person unseres Unternehmens, werden wir zu Recht kritisiert.”

Man wolle personelle Konsequenzen ziehen und auch den Bewerber um Entschuldigung bitten und ihn zum Vorstellungsgespräch bitten.

 

“Wir haben uns wahrlich nicht mit Rum bekleckert”

Einige Stunden später schob Geschäftsführer Carsten Budde eine weitere Erklärung nach. Er sei nicht im Betrieb gewesen, als er von dem Vorfall erfahren habe.

“Ich war fassungslos, als ich von dem Inhalt des Schreibens in Kenntnis gesetzt wurde. Zum einen spiegelt es überhaupt nicht meine bzw. die Werte des Unternehmens wieder, zum anderen hatte ich den Bewerber persönlich vor dem Absenden seiner Bewerbung ermutigt, seine Bewerbung bei uns einzureichen.”

 

 Budde schreibt, er hoffe, dass der Vorfall auch etwas Gutes bewirken könne, nämlich die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass Integration nur möglich sei, wenn sich große wie kleine Unternehmen daran beteiligten. 

“Wir haben uns wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert, aber eines ist klar: Wir haben entsprechende Maßnahmen getroffen und so etwas wird unter meiner Führung nicht erneut passieren.”

(ujo)