POLITIK
25/01/2018 12:13 CET | Aktualisiert 26/01/2018 10:30 CET

"Maischberger": Judith Rakers spricht über Obdachlose – denn alle schauen weg

"Das versteht kein Mensch!"

Screenshot Maischberger
"Man muss Obdachlose so nehmen, wie sie sind und nicht versuchen, sie in unser System zu pressen," meint Judith Rakers im Gespräch mit Sandra Maischberger. 
  • Judith Rakers diskutiert bei Sandra Maischberger über die Not von Obdachlosen
  • Als das Thema Flüchtlinge aufkommt, spricht sie das aus, was viele Menschen in Deutschland denken

“Den Menschen in Deutschland ging es noch nie so gut, wie im Augenblick” – so zumindest sieht es Angela Merkel. Ob das auch die rund 860.000 Obdachlosen in Deutschland denken, darf bezweifelt werden.

Wie kann es sein, dass immer mehr Menschen auf der Straße landen, das wollte Moderatorin Sandra Maischberger von ihren Gästen am Mittwoch wissen. Liegt es an den steigenden Mieten und fehlenden Sozialwohnungen, oder doch an den Betroffenen selber, die Hilfsangebote nicht wahrnehmen?

“Man kann nicht die ganze Welt retten”

“Man kann nicht die ganze Welt retten,” gab NDR-Journalistin Judith Rakers zu bedenken. Doch es fehle vor allem an politischem Willen, den Obdachlosen zu helfen.

Besonders deutlich werde dies am Beispiel des Winternotprogramms der Stadt Hamburg. Damit wohnungslose Menschen bei Temperaturen unter Null nicht erfrieren, stellt die Stadt etwa 700 Schlafplätze zur Verfügung.

Doch Obdachloser ist nicht gleich Obdachloser – wer keinen deutschen Pass hat, wird schon an der Tür wieder abgewiesen. Das trifft vor allem die vielen Obdachlosen aus Osteuropa, denen das deutsche Sozialsystem oft jede Hilfe verweigert.

Auch diejenigen, die einen Platz in der Unterkunft ergattert haben, dürfen nicht lange bleiben: Spätestens um 9.30 Uhr am nächsten Morgen heißt es zurück nach draußen – egal bei welchem Wetter.

“Den Obdachlosen wird es so ungemütlich wie möglich gemacht”

Die Journalistin berichtet: “Auch als der Orkan Friederike tobte, wo wir alle im Radio hörten ‘bitte nicht das Haus verlassen’, wurden die Menschen vor die Tür gesetzt.”

► Politisch gewollt, wie Rakers erklärt: Um eine Sogwirkung zu vermeiden, wird es den Obdachlosen “so ungemütlich wie möglich gemacht.”

Besonders wenig Verständnis hat die Journalistin für die Unterschiede bei der Behandlung von Obdachlosen und Flüchtlingen. Vor dem Hintergrund der Hilfsmaßnahmen im Zuge der Flüchtlingswelle sagt sie:

► “Dass versteht kein Obdachloser und auch kein Bürgern, wenn ein Flüchtling 24 Stunden im Container bleiben darf, aber ein Obdachloser tagsüber auf die Straße geschickt wird.”

30 Stunden obdachlos 

Judith Rakers weiß, wovon sie redet, denn sie hat es selbst erlebt: Für die ARD-Dokumentation “Schicksal obdachlos” machte die Journalistin einen Selbstversuch und verbrachte 30 Stunden auf der Straße.

Mehr zum Thema: Unbekannter schlägt und sticht auf Obdachlose in U-Bahnhof ein

Entsetzt war die Moderatorin besonders von der Gleichgültigkeit der Passanten, die einfach vorbeigingen, ohne die Menschen auf der Straße wahrzunehmen. “Viele Obdachlose leiden genau unter dieser Undurchsichtigkeit,” erzählt sie. 

Eine Lösung finden die Gäste der Talkshow für die Probleme der Obdachlosen nicht – doch es wird klar: Wir brauchen einen öffentlichen Diskurs über Obdachlose – die Diskussion bei Maischberger war dafür der erste Schritt in die richtige Richtung. 

(amr)