POLITIK
08/01/2018 12:53 CET | Aktualisiert 09/01/2018 10:28 CET

"Im Jenseits verschwinden" - Jobcenter schreibt verstörende Nachricht

"Ich soll wohl gleich ins Jenseits verschwinden.”

  • Ramona B. brauchte Hilfe vom Jobcenter
  • Sie bekam einen Brief, der sie sehr verunsicherte
  • Oben im Video: Wie Jobcenter Hartz-IV-Empfänger im Stich lassen

In Brandenburg glaubt aktuell eine junge Mutter, dass das Jobcenter einen perfiden Plan mit ihr verfolgt. “Ich soll wohl gleich ins Jenseits verschwinden”, sagte die 29-Jährige der “Berliner Woche”.

Grund für diese Annahme ist ein Schreiben, das sie vom Jobcenter Barnim erhalten haben soll. Die Geschichte zeigt, wie kalt die deutsche Bürokratie mit Hartz-IV-Empfängern umgeht.

Nachdem Ramona B. (Name geändert) aufgrund einer Krankheit ihren Beruf als freie Autorin nicht mehr ausüben konnte, wandte sie sich ans Jobcenter.

Arbeit im Jenseits

Nach einer Untersuchung durch den Amtsarzt schrieb man ihr, sie sollte vor allem Tätigkeiten “jenseits des ersten Arbeitsmarktes” ausführen.

Diese Formulierung hatte die junge Frau noch nie gehört und verstand schlicht nicht, was “jenseits des ersten Arbeitsmarktes” bedeuten sollte. Daher wandte sie sich erneut an das Jobcenter mit der Frage, wo sie sich denn nun bewerben könne.

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Darauf ließ das Jobcenter folgende düster, beinahe prophetisch lautende Erklärung folgen: “Hier bekommt das Wort “jenseits” die ausdrückliche Bedeutung.”

Diese Antwort erschütterte Frau B. soweit, dass sie schon annahm, das Jobcenter würde sie aufgrund ihrer Krankheit direkt ins Jenseits befördern wollen.

Rückfragen verwirren noch mehr

Der Rest des Schreibens verwirrte sie noch mehr. Wie die “Berliner Woche” berichtet, heißt es darin: “Ist Frau B. mit dieser Eingliederungsvereinbarung nicht einverstanden, dann wäre hier der Fall, dass sie Vermittlung wünscht. Die Entscheidung liegt bei Ihnen.”

Doch die Verwirrung durch schwammige, unverständliche Formulierungen war im Fall von Ramona B. noch nicht zu Ende:

Auch die Nachfrage bei der Zentrale der Agentur für Arbeit in Nürnberg half ihr nicht weiter. Dort erhielt sie folgende absurde Antwort: “Es bleibt die Frage, an welche Tätigkeiten der Kollege oder die Kollegin bei der Formulierung gedacht hat.”

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Damit nicht genug. Nun versuchte es Ramona B. bei der Geschäftsführung des zuständigen Jobcenters. Doch dort sagte man ihr lapidar, man könne ihre Frage nicht pauschal beantworten und verwies sie zurück an die Stelle, die ihr das “Jenseits” vorgeschlagen hatte.

Der Arbeitsmarkt jenseits des ersten Arbeitsmarkts

Dorthin wollte das Jobcenter sie höchstwahrscheinlich nicht befördern. Mit “jenseits des ersten Arbeitsmarkts” war vermutlich gemeint, sie solle sich um eine Anstellung im sogenannten zweiten Arbeitsmarkt oder dritten Arbeitsmarkt bemühen.

Das sind jeweils Sammelbegriffe, die nicht klar definiert sind:

Bei dem zweiten Arbeitsmarkt handelt es sich in der Regel um staatlich subventionierte  Berufe, die einen Wiedereinstieg in den regulären Arbeitsmarkt ermöglichen sollen.

Da Frau B. an einer Krankheit leidet, glaubt das Jobcenter wahrscheinlich, dass sie in einem normalen Bewerbungsverfahren wenig Chancen hat.

Vielleicht meinte das Arbeitsamt aber auch, sie solle es direkt im dritten Arbeitsmarkt versuchen. Hier geht es um Arbeitsstellen für Menschen, bei denen die Jobcenter vermuten, sie würden es nie mehr in eine reguläre Anstellung schaffen.

Häufig werden Langzeitarbeitslose in solchen Stellen untergebracht.

Die Kälte der Behörden

All diese Erklärungen bekam Frau B. jedoch nicht. Dabei wäre die Information, dass das Jobcenter sie anscheinend für so krank hält, dass sie keine Chance mehr in dem ersten Arbeitsmarkt habe, etwas was man im Vier-Augen-Gespräch besprechen sollte.

Das ist eine Situation, in der eine klare Sprache wichtig gewesen wäre, anstatt sich hinter undeutlichen Floskeln zu verstecken.

In zwei Wochen soll es ein Gespräch zwischen Ramona und dem Jobcenter geben. Es ist zu hoffen, dass diesmal Klarheit herrscht.

(vl)

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