POLITIK
13/02/2018 10:17 CET | Aktualisiert 13/02/2018 17:00 CET

Jeder dritte Single ist in Deutschland von Armut bedroht

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AFP Contributor via Getty Images

Fast jeder dritte Alleinstehende ist in Deutschland von Armut bedroht.

Das ist passiert:

► Neue Zahlen des europäischen Statistikamts Eurostat zeigen: Der Anteil der armutsgefährdeten Alleinstehenden ist zwischen 2006 und 2016 von 21,5 auf 32,9 Prozent gestiegen.

► Im Vergleich zu anderen EU-Staaten schneidet Deutschland mit diesem Wert schlecht ab. EU-weit sind 25,6 Prozent der Single-Haushalte armutsgefährdet.

► Auch die Gesamtzahl der Alleinstehenden ist in den vergangenen Jahren in Deutschland mit leichten Schwankungen angestiegen – 2016 waren es 16,43 Millionen alleinstehende Erwachsene ohne Kinder. 

► Auch ein Job sichert vielen kein ausreichendes Einkommen. Alleinstehende mit einer Beschäftigung waren laut Eurostat in Deutschland zu 17 Prozent armutsgefährdet. Zehn Jahre zuvor waren es nur 10,1 Prozent.

Darum ist es wichtig: 

Armut und die sozialen und gesundheitlichen Folgen von Einsamkeit werden zunehmend in Zusammenhang gebracht.

► Laut dem Präsidenten der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, hätten die Betroffenen es sich häufig nicht selbst ausgesucht, alleinstehend zu sein. “Das verpflichtet die Gemeinschaft, diesen Menschen strukturell zu helfen.”

Experten gehen davon aus, dass insbesondere Ältere mit kleinen Renten oder Grundsicherung und Jüngere auf dem Weg von einer Ausbildung ins Berufsleben sowie Niedrigverdiener betroffen sind.

Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann, die die Eurostat-Zahlen ausgewertet hat, erklärte: “Armut breitet sich zunehmend in Deutschland aus. Sie ist da und kann sich nicht verstecken.”

Im EU-Vergleich habe Deutschland einen ausgeprägten Niedriglohnsektor. Zimmermann forderte daher unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro, ein Verbot von Leiharbeit und von sachgrundlosen Befristungen.

Was ihr noch wissen müsst:

In 40,8 Prozent der Haushalte in Deutschland leben Alleinstehende – EU-weit sind es nur 32,5 Prozent.

Als von Armut bedroht gilt, wer bei unter 60 Prozent des mittleren Einkommens liegt. 2016 waren dies 1063,75 Euro pro Monat.

(ll)